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Artikel vom 21.09.2010 0

Mobilfunk und Internet fliegen mit Wenn an Bord das Handy klingelt

Wer heute in ein Flugzeug steigt, muss nicht mehr zwangsläufig Mobiltelefon oder Laptop ausschalten. Immer mehr Fluggesellschaften bieten ihren Kunden die ständige Verbindung mit dem Boden an. Für Airlines bietet Inflight Connectivity neben der Chance auf Zusatzeinnahmen aber auch weitergehende Vorteile.

Passagier in der Business Class der Oman Air - © © Oman Air -

Passagier in der Business Class der Oman Air

Es ist kurz vor elf Uhr am 29. September 2010, als die airliners.de-Redakteure David Haße und Oliver Pritzkow ihre Laptops aufklappen und sich mit dem Internet verbinden – höchste Zeit für aktuelle Nachrichten auf Deutschlands meistbesuchten Luftverkehrs-Branchenportal.

Was sich gewöhnlich anhört, war es an diesem Mittwoch nicht: Denn die beiden Redakteure befinden sich nicht wie üblich im Pressehaus am Berliner Alexanderplatz, sondern sitzen an Bord eines Airbus A330 der Oman Air, einige Tausend Meter über dem Meeresspiegel auf dem Weg von Muskat im Oman nach Frankfurt.

Den ganzen Flug über bis kurz vor der Landung um 18:00 Uhr in Deutschland haben sie von hier aus als „fliegende Redaktion“ gearbeitet. Emails lesen und schreiben, Nachrichtenticker verfolgen, Fotos runter- und hochladen, im Internet recherchieren und publizieren. Das alles funktioniert an Bord vieler Airlines.

Bei Oman Air bleibt man darüber hinaus sogar mit dem eigenen Mobiltelefon erreichbar und kann selbstverständlich auch damit telefonieren. In dieser Kombination wird das vernetzte Fliegen zu einer ganz neuen Erfahrung und macht einen (fast) normalen Büroalltag erst möglich.

Wenn an Bord das Handy klingelt

Satellitentelefone gibt es schon lange an Bord von Flugzeugen. Aber es ist sehr teuer, damit zu telefonieren und man kann nicht angerufen werden. Der aktuelle Ansatz von Inflight Mobilfunkanbietern ist folglich das eigene Mobiltelefon auch im Flug zu nutzen und dabei auch gleichzeitig erreichbar zu bleiben.

Dazu installieren die Anbieter an Bord von Flugzeugen spezielle lokale Handynetze, die den Mobiltelefonen der Passagiere auch bei geringer Sendeleistung einen guten Empfang garantieren. Auf diese Weise kann die Strahlung der einzelnen Telefone sehr gering gehalten werden. Damit schaden sie der ohnehin mittlerweile sehr abgeschirmten Bordelektronik nicht.

Auch wenn an Bord von US-Fluggesellschaften das bodengestützte „Aircell“-System weit verbreitet ist, das mit landesweit verteilten Empfänger-Antennen am Boden eine Abdeckung des amerikanischen Luftraums mit Mobilfunk ermöglicht - an Bord von Langstreckenflugzeugen funktioniert Mobilfunk immer nur über Satelliten.

Sowohl das SITA/Airbus-Joint-Venture „Onair“ als auch die vom norwegischen Telefonanbieter Telenor und dem Kommunikations-Avionics-Spezialisten ARINC betriebene „Aeromobile“ nutzen für die Übertragung eine Verbindung mit dem britischen Kommunikations-Satellitensystem Inmarsat I-4, das eine fast globale Abdeckung garantiert.

Um eine beständige Verbindung zwischen Flugzeug und geostationärem Satellit aufrecht zu erhalten, muss stets ein Sichtkontakt zum Satelliten möglich sein. Bevor dieser wegen der Erdkrümmung abreißt, übergibt das System an den nächsten Satelliten.

Bei Flugrouten nahe des Nordpols - etwa vom 75. Breitengrad an - ist das allerdings nur mit erheblichem technischen Aufwand möglich, schließlich sind die Satelliten in 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator positioniert. Problematisch ist daher zum Teil nur noch die Satellitenabdeckung auf Asien-Routen.

Abgerechnet wird über Roaming-Tarife. Wie für verschiedene Urlaubsländer haben alle großen Mobilfunkanbieter der Welt dafür mit den Inflight-Anbietern wie „Onair“ und „Aeromobile“ Roaminggebühren ausgehandelt, die es allerdings in sich haben.

So berechnet beispielsweise die Deutsche Telekom für einen eingehenden Anruf über „Onair“ €2,12 pro Minute. Ein Anruf nach Deutschland kostet über „Aeromobile“ sogar stolze €3,14 – abgerechnet im Minutentakt. SMS kosten jeweils rund einen Euro und wer Daten mit dem Smartphone über die Mobilfunknetze an Bord von Flugzeugen senden oder empfangen will, wird mit je 99 Cent pro 50 KB zur Kasse gebeten.

Für die meisten Passagiere ist der Mobilfunk an Bord damit wahrscheinlich immer noch unakzeptabel teuer. Hinzu kommt die generelle Verwirrung um verschiedenste Roaming-Tarife der unterschiedlichen Mobilfunkpartner.

Gleichzeitig zeigen Umfragen zumindest in Deutschland, dass die meisten Fluggäste an Bord lieber ihre Ruhe haben wollen und auf eingehende Telefonate für die Dauer des Fluges gern verzichten. Leiser und begehrter ist dagegen eine Internetverbindung während des Fluges.

Anbieter Gesellschafter Hauptsitz Kunden (Auswahl)
Onair SITA, Airbus   Genf   Oman Air, Emirates, Qatar, Air Asia, Kingfisher, TAM, Shenzhen Airlines, Wataniya, Royal Jordanian, Jazeera, Saudi Arabian
Row 44   Privat   Westlake Village, USA   American Airlines, US-Airways, Virgin America, Delta, United, Continental, Air Tran, Alaska Airlines
Aircell/GoGo Privat   Moorestown, USA   American Airlines, US-Airways, Virgin America, Delta, United, Continental, Air Tran, Alaska Airlines
Aeromobile ARINC, Telenor London   Emirates, Malaysia Airlines, V Australia, Qantas, Lufthansa

Hotspots in luftiger Höhe

Auch bei der Internetverbindung im Flugzeug läuft die Kommunikation über Satellit, während die technische Infrastruktur für Laptops und Smartphones an Bord über ein WLAN-Netzwerk bereitgestellt wird.

In Deutschland erfuhr das fliegende Internet bereits 2003 große Beachtung, als die Lufthansa mit dem System „Connexion by Boeing“ an Bord online ging. Mit der Einstellung des zu teuren und zu schweren Systems durch Boeing nach nur drei Jahren wurde der Service dann aber wieder eingestellt.

Ab Ende 2010 startet die Lufthansa nun wieder das "FlyNet" und nutzt dazu Teile der alten Connexion-Systeme in Kombination mit Hardware des Inflight-Entertainment-Spezialisten von Panasonic. Es ist geplant, das Angebot zunächst auf den Nordatlantikstrecken einzuführen und später auf das gesamte weltweite Langstreckennetz auszuweiten.

Das für die Satellitenverbindung verwendete Mikrowellenfrequenzband erlaubt nach Lufthansa-Angaben eine Internetnutzung über das bordeigene WLAN mit fünf bis 50 Megabit pro Sekunde im Downstream - etwa beim Aufruf einer Webseite - und einem Megabit im Upstream, beispielsweise beim Mail-Versand.

Als Hotspot-Anbieter können die Airlines über die Internetnutzung bestimmen. Anders als bei Oman Air schränken viele Fluggesellschaften den Internetzugang auch ein und sperren beispielsweise Voice-Over-IP-Angebote wie Skype.

Auch die Abrechnungsmodalitäten und die Preise können von den Fluggesellschaft festgelegt werden. Je nach Airline und Anbieter gibt es Login-Modelle nach Datenvolumen oder nach Zeit. Zum Teil gibt es auch Pauschalangebote.

Vorteile auch jenseits der Kabine

Neben Einnahmen aus Umsatzbeteiligungen haben die Inflight-Connectivity-Systeme an Bord für die Fluggesellschaften auch noch weitere Vorteile: Wetterupdates und topaktuelle Flugkarten im elektronischen Flightbag können online während des Fluges geladen werden. Für die Piloten ergeben sich damit ganz neue Möglichkeiten, die der Sicherheit dienlich sein können.

Aber auch das Flugzeug selbst kann Daten in weit größerem Umfang als über herkömmliche ACARS-Systeme an die Wartungszentralen senden. Möglicherweise können so Unfälle vermieden oder auch im Nachhinein besser aufgeklärt werden (Stichwort Air-France-A330-Unglück über dem Atlantik).

Auch weitere Serviceansätze an Bord werden für Fluggesellschaften mit der ständigen Internet-Verbindung im Flug denkbar: Bei Verspätungen könnte die Kabinencrew in Absprache mit den Fluggästen direkt im Buchungssystem Umbuchungen einleiten, Tickets ausdrucken oder auch einfach selbst wichtige Informationen für Passagiere im Netz recherchieren.

OnAir bietet darüber hinaus beispielsweise auch ein „Medical Kit“ an. Vitalfunktionen eines kranken Passagiers können damit an einen Arzt am Boden weitergeleitet werden, der dann Maßnahmen zur schnellen und professionellen Behandlung durch die Kabinencrew vorschlagen kann. Möglicherweise werden dadurch dann auch für die Airline kostspielige Zwischenlandungen seltener.

Live-Test am 29. September

Insgesamt bringt das Internet an Bord von Passagierflugzeugen also nicht nur mehr Service sondern auch mehr Sicherheit für alle Beteiligte. Die airliners.de-Redaktion wird die neuen Funktionen für Sie testen.

Wie die neue Technik für die Redakteure von airliners.de funktioniert, können alle Leser am 29. September live mitverfolgen. Zwei Redakteure werden dann nicht nur im Flug Nachrichten recherchieren und publizieren sondern auch über twitter ständig über ihre Erfahrungen mit dem Inflight-Internet, -Mobilfunk und Oman Air berichten.

Links:

Folgen Sie den "fliegenden Redakteuren" unter twitter.com/airliners_de

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Stand: 21.09.2010 - 2:24 PM Uhr

Quelle: airliners.de

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