Artikel vom 15.03.2010 0
Mit Internet und Apps auf Reisen Mobile Dienste für eine digitale Zielgruppe
© airliners.de
iPhone-Applikationen von Air Berlin, Lufthansa und HRS
Ohne Internet im Urlaub? Eine Horrorvorstellung für die digitale Zielgruppe. Dass ein Hotel mit WLAN ausgestattet sein muss, ist für viele mittlerweile selbstverständlich. Aber auch mobil und damit überall sind die Reisenden mittlerweile online. Und gebucht wird vielleicht in der Straßenbahn oder auf der Parkbank: Smartphones, anwenderfreundliche Applikationen (Apps) und mobiles Internet machen vieles möglich.
Kaum ein Tourismusunternehmen kommt heute mehr ohne den ständigen Seitenblick in soziale Netzwerke oder auf Videoportale aus. «Die Kunden diskutieren, egal ob die Unternehmen zuhören oder nicht», erklärt Christine Petersen, Marketingchefin bei der Reisecommunity TripAdvisor.
Airlines und Airports, Hotels und Fremdenverkehrsämter von der Österreich Werbung bis zu Sri Lanka versuchen daher zunehmend, Informationen, die Diskussion und ihr Marketing mit eigenen Twitter-Tweets und Fanseiten zu kanalisieren. Viele Unternehmen vergäßen aber, ihren Kunden zu antworten, kritisiert Petersen: «Twitter-Nutzer wollen den Dialog.»
Dass dieser Dialog nicht zu unterschätzen ist, wird klar, wenn man sich einen mittlerweile normalen Buchungsablauf jenseits der Reisebüros anschaut: Vor der Buchung recherchieren viele Reisende erst einmal im Internet zu Zielen und Angeboten. Die Entscheidung fällt dann oft nach Diskussionen in sozialen Netzwerken oder nach einem Besuch auf einem Hotel-Bewertungsportal.
Vor allem auch der mobile Erfahrungsaustausch wird für Reisende immer wichtiger. Location-based Angebote wie Quipe weisen dabei unterwegs nicht nur auf das nächstgelegene Hotel oder Restaurant hin – Nutzerkommentare und Bewertungen geben sogar einen Hinweis auf die Servicequalität aller Angebote im Umkreis.
Mobile Dienste für eine digitale Zielgruppe
Dass das alles keine Zukunftsmusik mehr ist, hat jetzt die Reisemesse ITB in Berlin gezeigt. Dort bekamen die «Mobile Travel Services» in diesem Jahr erstmals einen eigenen Bereich. Beim mobilen Internet geht es aber nicht mehr nur um Webseiten, die an kleine Displays angepasst sind. Bei denen sei oft mühsames «Durchwurschteln» nötig, sagte der Berater Hagen Sexauer vom Unternehmen Sempora Consulting.
Apps «haben einen viel intuitiveren Zugang.» Die meisten Apps erscheinen derzeit zuerst für das iPhone. Meist folgen dann Versionen für Blackberrys, Android- und Symbian-Geräte. Der Absatz von Smartphones explodiere gerade: «Das Umschalten vom „08/15-Handy“ auf das Smartphone wird ein Selbstgänger sein», sagt der Experte voraus.
«Das mobile Web führt dazu, dass dieser Anteil erheblich steigen wird», sagt auch Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR). Daten von Semporia zufolge gehen in Deutschland inzwischen 18 Millionen Menschen mehrmals täglich mobil ins Netz - und jeder Vierte buche bereits Hotels, ganze Reisen oder Tickets zwischen Tür und Angel.
So ist es nicht verwunderlich, dass neben den Reiseveranstaltern auch immer mehr Fluggesellschaften auf den mobilen Trend aufspringen. Vor allem die Möglichkeit, Barcode-basierte Boarding-Pässe direkt an Mobiltelefone zu senden, forciert den Trend zum papierlosen Reisen und birgt riesige Einsparmöglichkeiten.
So präsentierte auch Air Berlin auf der ITB ihr neues Mobil-Angebot: Von der Buchung über den Check-In mit Sitzplatzreservierung bis hin zu Informationen zu allen aktuellen Buchungen und einer Buchungshistorie findet der Kunde jetzt alle wichtigen Antworten auch jederzeit und unterwegs unter mobil.airberlin.com auf einem Smartphone.
Flugplan, Buchung, Check-in und einen Zugriff aufs Meilenkonto: All das hat auch die Lufthansa schon in einer App zusammengeführt. Mit dem «Lufthansa Navigator» können iPhone-Nutzer am Flughafen Frankfurt sogar eine App nutzen, um sich im Stil eines Navigationsgerätes zum Check-In, zum Flugsteig oder zur Lounge lotsen zu lassen. Auch kleinere Flughäfen wie Paderborn oder Hannover haben eigene Applikationen im Angebot und geben hier Auskunft über An- und Abflüge oder beispielsweise Öffnungszeiten von verschiedenen Shops oder Gaststätten.
Auch die Reiseveranstalter reagieren schon auf die mobile Nachfrage. Dertour zum Beispiel will vom Mai an eine Smartphone-App zur mobilen Urlaubsfeinplanung und -buchung anbieten. Wer im Katalog blättert und die dortigen Hotelbilder fotografiert, soll aktuelle Informationen, Fotos, Preise und Verfügbarkeiten zum Vergleichen aufs Handy geschickt bekommen.
Die Buchungsplattform Hotel Reservation Service (HRS) mischt mit einer Buchungs-App namens «Hotels Now» mit. Geschäftsführer Tobias Ragge geht davon aus, dass sich das mobile Buchen zunächst bei Geschäftsreisenden durchsetzt und bald schon einen Anteil von 30 Prozent an allen Buchungen erreichen könnte.
Nur was macht eigentlich der mobile Geschäftsreisende, wenn er nicht gerade mobil eincheckt oder ein noch besseres oder noch günstigeres Angebot sucht? Auch dazu gibt es eine App: Über den «Lufthansa Miles & More MemberScout» können Reisende nicht nur Erfahrungen austauschen. Wer möchte, kann sich die Position anderer Weltenbummler in der Nähe anzeigen lassen - aus Neugier oder auch für ein spontanes, schon fast „altmodisch analoges“ Treffen.
Stand: 15.03.2010 - 4:07 PM Uhr
Quelle: airliners.de, mit dpa
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