Artikel vom 16.07.2010 0

Gedanken zur ökologischen Luftverkehrsabgabe Die Luftfahrt ist Spielball parteipolitischer Überlegungen

Für keine andere Branche kommt es momentan so knüppeldick wie für die Luftfahrt. Erst eine Finanzkrise, dann ein Vulkan und jetzt eine desolate, orientierungslose Berliner Bundesregierung. Ein Gastkommentar von Intersky-Chef Claus Bernatzik über die ökologische Luftverkehrsabgabe.

Claus Bernatzik, Geschäftsführer InterSky Luftfahrt GmbH - © © airliners.de -

Claus Bernatzik, Geschäftsführer InterSky Luftfahrt GmbH

Für keine andere Branche kommt es momentan so knüppeldick wie für die Luftfahrt: Erst eine Finanzkrise, die Erträge und Umsätze zum Einstürzen gebracht hat. Dann ein Vulkan, der erst dank „modernster“ Technik und Untätigkeit politischer Entscheidungsträger zu einer wahren Katastrophe wurde.

Und jetzt eine desolate, orientierungslose Berliner Bundesregierung, die von internationaler Luftfahrt ungefähr so viel Ahnung hat, wie Verkehrsminister Peter Ramsauer, der ICAO noch nicht einmal richtig aussprechen kann.

Der neueste Coup ist das Einführen einer „ökologischen Luftverkehrsabgabe“, an der - außer dem Papier, auf dem sie erlassen wird - nichts ökologisch ist.

Es stellt sich die Frage, was schwerwiegender ist: der Betrug am Wähler, der wieder einmal für dumm verkauft wird, obwohl er längst weiß, dass mit dieser Luftverkehrssteuer vielmehr das Haushaltsloch als das Ozonloch gestopft wird. Oder der Vertrauensverlust der Luftfahrtindustrie in den Standort Deutschland.

Noch nie wurde so viel Geld und Know-how in die deutsche Luftfahrt investiert wie in den letzten 10 Jahren. Allein eine kleine Fluglinie wie InterSky hat über 30 Mio. Euro in den Standort Deutschland investiert. Die jährliche Wertschöpfung in Deutschland beträgt 15 Mio. Euro und garantiert 120 Arbeitsplätze.

Als Familienvater von zwei Kindern bin ich mir aber auch meiner ökologischen Verantwortung gegenüber der nachfolgenden Generation bewusst. Das Geld fließt darum in Ausbildung, Infrastruktur, aber vor allem in moderne, umweltfreundliche Flugzeuge. Natürlich geschieht dies auch vor dem Hintergrund sinkender Margen und der Notwendigkeit, den Verbrauch an Kerosin massiv zu senken.

Trotzdem - und das ist der springende Punkt - hat sich die Luftfahrt in sehr viel größerem Maße um diese Punkte gekümmert als beispielsweise die Automobilindustrie oder die Schifffahrt. Es ist auch Fakt, dass der Strom für die Bahn nicht aus der Steckdose, sondern aus Braunkohle- und Atomkraftwerken stammt! Der Anteil ökologischer Ressourcen ist dabei verschwindend gering.

Es ist frustrierend zu erkennen, dass alle Bemühungen umsonst sind und man nichts Weiteres als der Spielball parteipolitischer Überlegungen geworden ist. Nach dem Motto, es fehlt eine Milliarde Euro im Bundeshaushalt und nun ist die Luftfahrt dran. Wir haben das Geld ja schließlich schon den Hoteliers versprochen.

Und so offenbart sich das gesamte Dilemma erst beim zweiten Blick. Statt auf der Ausgabenseite zu kürzen, so wie das jedes gesunde Unternehmen macht, werden aus Angst vor einer Abwahl dort Gebühren erhoben, wo es augenscheinlich die wenigsten trifft. Beim zweiten Blick jedoch wird klar: Eine weitere Gebührenerhöhung im Luftverkehr ist nicht nur unverantwortlich den Fluglinien, sondern auch dem deutschen Volk und vor allem der stark exportorientierten deutschen Volkswirtschaft gegenüber.

Das Problem liegt dabei vor allem im nationalen Erlass der Steuer. Während man in Deutschland den gerade aufkommenden Aufschwung ziemlich sicher verhindern und in eine tiefe Rezession stürzen wird, kann das europäische Ausland munter und ohne Hemmschuh expandieren. Das Negativbeispiel Niederlande weißt hier ja klar Parallelen auf. Es stellt sich die Frage, warum man aus diesem Fall nicht die nötigen Lehren ziehen konnte?

Die Kosten, so viel ist jetzt schon sicher, werden und müssen an die Kunden weitergegeben werden, was für eine massive Preiserhöhung und eintretende Abwanderung zu grenznahen Flughäfen sorgen wird. Womit für die Fluglinien wiederum ein Ertragsproblem entsteht und sie in ihrer Konkurrenzfähigkeit gerade gegenüber ausländischen Fluglinien massiv benachteiligt werden.

Nun kommt die Volkswirtschaft ins Spiel: Deutschland ist mehr und mehr eine Dienstleistungsgesellschaft und in dieser geht es vor allem um den Faktor Zeit. Wenn nun die Fluglinien nicht mehr in der Lage sind, auch Strecken betreiben zu können, die nicht zu den absoluten „Cash Cows“ gehören, so leiden darunter vor allem Verbindungen in die Peripherie. Gerade diese sind es aber, die der deutschen Industrie entscheidende Zeitvorteile bringen und mit einem Wegfall dieser wird auch die deutsche Volkswirtschaft diese Steuer sehr deutlich zu spüren bekommen.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt jedoch: Aufgrund der Steuerbefreiung für Privatjets muss zumindest die Bundesregierung nicht auf die Bahn und ausländische Flughäfen umsteigen und somit auch keine Wettbewerbsnachteile fürchten.

Ihr Claus Bernatzik

Zur Person:

Claus Bernatzik ist seit 2005 als Geschäftsführer für die Regionalairline InterSky mit Basis in Friedrichshafen verantwortlich. Das Handwerk hierzu erlernte er bei Eurowings und Rheintalflug. Zuvor arbeitete er als Geschäftsführer und Manager für Reisebüros und Hotels, unter anderem Hilton in Wien.

Stand: 16.07.2010 - 5:50 PM Uhr

Quelle: Claus Bernatzik, Geschäftsführer InterSky Luftfahrt GmbH

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