Artikel vom 18.08.2010 0
Gastkommentar zur Luftverkehrsabgabe Nationale Insellösung ist inakzeptabel
John Kohlsaat, Chief Commercial Officer von Germania
„Nach der Krise und der Aschewolke über Europa befinden sich die Fluggesellschaften wieder im Aufwind: Die Passagierzahlen steigen – insbesondere Geschäftsreisende kommen zurück an Bord, auch eine steigende Anzahl von privaten Buchungen zeigt die Zuversicht der Gesamtbevölkerung in eine nachhaltige, allgemeine konjunkturelle Erholung.
Dieser Aufschwung ist für die Branche, die naturgemäß mit sehr geringen Margen operiert, immens wichtig. Nach dem isländischen Vulkan „Eyjafjallajökull“ will ab dem kommenden Jahr die Bundesregierung im wahrsten Wortsinne „Asche machen“ – mit der geplanten Luftverkehrssteuer.
Diese neue Abgabe ist in der aktuell geplanten Form inakzeptabel. Sie verteuert das Fliegen alleine in Deutschland und führt zu einer drastischen Wettbewerbsbenachteiligung deutscher Airlines und Flughäfen. Zudem sollen Transitpassagiere von der Gebühr ausgenommen werden – ebenso wie Privatflieger, Cargo-Flüge und Regierungsflüge.
Die Ausnahme von Transitpassagieren führt beispielsweise dazu, dass die Luftverkehrsabgabe für einen Flug von Hamburg über Frankfurt nach Tel Aviv geringer ist als für den ökologisch sinnvolleren Direktflug Hamburg-Tel Aviv.
Außerdem haben ähnliche Abgaben in den Niederlanden bereits vor Jahren gezeigt: Wird eine Flugsteuer nur national erhoben, wandern Passagiere ins benachbarte Ausland ab. Die Luftverkehrsabgabe wird zwar unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eingeführt. Ein ökologischer Nutzen ist jedoch nicht erkennbar, wenn Reisende mit dem Auto ins Ausland fahren, um außerhalb Deutschlands abzufliegen.
Mit modernen, treibstoff-effizienten Fluggeräten leistet die Branche hierzulande schon heute einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Das Gegenteil ist der Fall für die Luftverkehrsabgabe. Denn die Steuer berücksichtigt beispielsweise nicht, ob Airlines mit modernen Flugzeugen unterwegs sind oder nicht. Auch wird die Auslastung nicht ins Kalkül gezogen. Eine zwanzig Jahre zu 20 Prozent ausgelastete Maschine wird finanziell weniger belastet als ein hocheffizientes, zu 90 Prozent ausgelastetes, zwei Jahre altes Fluggerät.
Besonders hart trifft die Luftverkehrsabgabe das Segment Charter. Denn Privatreisende sind bei ihrer Urlaubsplanung besonders preissensibel. Außerdem sind Charterflüge in der Regel mit einer besonders hohen Auslastung unterwegs, fliegen pro Passagier also besonders treibstoffeffizient. Es ist daher nicht nachvollziehbar, weshalb hier in Namen des Klimaschutzes zur Kasse gebeten wird.
Der Rückgang in der Passagiernachfrage, der durch die Luftverkehrsabgabe entsteht, schadet nicht nur der Branche selbst, sondern unserer gesamten Volkswirtschaft. Schließlich hängen rund eine Million Arbeitsplätze hierzulande direkt oder indirekt mit dem Flugverkehr zusammen und sind größtenteils an den Standort Deutschland gebunden. Eine geringere Verkehrsnachfrage kann fatale Folgen auf den Arbeitsmarkt der Branche haben.
Die Verantwortlichen haben zwei Dinge versäumt: Die Folgen der Abgabe genau zu analysieren – es drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass die Bundesregierung nur den schnellen Euro und Reisende zur neuen Melkkuh der Nation machen will. Zweitens schafft die Koalition mit der Flugsteuer in der aktuell geplanten Form sicherlich keinen Beitrag zum Klimaschutz – im Gegenteil.
Effektiver wäre es gewesen, wenn die Regierung endlich die Verwirklichung eines einheitlichen europäischen Luftraums vorantreiben würde, wie ihn die Branche seit langer Zeit fordert. Dadurch könnten Umwege und unnötige Warteschleifen vermieden und die Schadstoffemissionen im Luftverkehr rund 10 Prozent reduziert werden.“
Zur Person:
John Kohlsaat ist seit Oktober 2009 Chief Commercial Officer bei Berlin. Von 2005 bis 2009 war Kohlsaat bei der britischen Low Cost Airline Easyjet als Geschäftsführer für Deutschland und Nord-/Osteuropa tätig.
Stand: 18.08.2010 - 12:05 PM Uhr
Quelle: John Kohlsaat, Chief Commercial Officer Germania
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