Artikel vom 17.11.2011 0

Ein Plädoyer für dezentrale Flughäfen Investitionen in die Regionen zahlen sich aus

Germania-CEO Axel Trampnau ist sich sicher: Dezentrale Flughäfen haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Ein Gastbeitrag über Wachstumschancen abseits der großen Drehkreuze.

Axel Trampnau, Chief Executive Officer (CEO) von Germania - © © Germania -

Axel Trampnau, Chief Executive Officer (CEO) von Germania

Selten wurde der Ausbau eines regionalen Flughafens bundesweit so intensiv diskutiert wie im Falle des Airports Kassel-Calden in Nordhessen. „Millionengrab” und „Verschwendung öffentlicher Gelder“ sind noch die harmloseren Ausdrücke, die von den Kritikern einer flächendeckenden Luftverkehrsinfrastruktur in diesem Zusammenhang gerne verwendet werden.

Dabei kommt regionalen Flughäfen in mehrfacher Hinsicht eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung zu. Sie sind bedeutsame Gewerbestandorte nicht nur für Unternehmen wie Flugschulen oder Wartungsbetriebe, sondern auch für Transportfirmen oder Zulieferbetriebe der Luftfahrtindustrie. Urlauber und Geschäftsreisende profitieren von dezentralen Airports, indem sie lange Anreisen zu den „Hubs“ vermeiden und direkt vor ihrer Haustüre abfliegen können. In den vergangenen Monaten haben wir unser Angebot bereits in Bremen, Karlsruhe/Baden-Baden und Friedrichshafen deutlich ausgeweitet und sehen auch für die Zukunft Wachstumschancen an dezentralen Airports.

Flughäfen abseits der großen Drehkreuze sind nicht nur ein wichtiger Wirtschafts-, sondern auch ein bedeutender Standortfaktor. Sie sichern die Mobilität von Menschen und Gütern und sind für die Wirtschaftentwicklung der einzelnen Regionen unerlässlich. Als Verkehrslandeplätze für Business Aviation ermöglichen sie die schnelle Abwicklung von Geschäftsreiseflügen. Klassische „Daytrips“, also Hin- und Rückfluge zu einem Kunden oder Geschäftspartner an einem Tag, sind für Unternehmer im ländlichen Raum ohne die Existenz dezentraler Flugplätze sonst nicht möglich. Von den Vorteilen kürzerer Abfertigungszeiten und Direktflügen ganz zu schweigen.

Wie groß die Bedeutung eines Flugplatzes für die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Regionen ist, zeigt sich beispielhaft am Zusammenhang zwischen der Förderbedürfigkeit einer Region, der Bevölkerungsentwicklung und der Verkehrsinfrastruktur vor Ort. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: In den meisten Regionen Ostdeutschlands ist die Zahl der Einwohner deutlich rückläufig. Stabile – oder gar steigende Bevölkerungszahlen – werden neben dem Großraum Berlin ansonsten fast nur in Leipzig, Dresden, der Region um Rostock sowie in Erfurt prognostiziert. Just in jenen Städten, die über eine funktionierenden regionalen Airport verfügen. Ein Zufall kann dies nicht sein.

Trotz ihres positiven volkswirtschaftlichen Beitrags müssen sich dezentrale Flughäfen oftmals selbst um Flugsicherungsdienste kümmern und bekommen nur teilweise hoheitliche Dienste wie Zollabfertigungen zur Verfügung gestellt. Die Einführung der Luftverkehrsabgabe Anfang des Jahres hat den wirtschaftlichen Druck auf dezentrale Flughäfen, die oftmals einen hohen Anteil an Charterflügen aufweisen, bereits verschärft. Zu Unrecht, schließlich verfügen Charterrouten in der Regel über eine besonders hohen Auslastung, fliegen pro Passagier also besonders treibstoffeffizient. Außerdem ist es auch ökologisch sinnvoll, lange Anfahrten mit dem Auto zu Großflughäfen zu vermeiden. Dieser Aspekt wird oftmals außer acht gelassen.

Mit dem geplanten Start des EU-Emissionshandels wird der internationale Wettbewerb erneut zu Ungunsten der einheimischen Luftfahrtbranche verzerrt. Dabei könnte alleine Germania durch die Einführung sogenannten „Constant Climb“ und „Constant Descent“ Verfahren jährlich mehrere Tonnen CO2 einsparen. Dadurch könnte die Klimabilanz der Branche signifikant und nachhaltig verbessert werden. Allerdings erschwert ausrechnet der Regelungsdruck durch europäische Richtlinien die Einführung kostengünstigerer und öko-effizienterer Anflugkonzepte gerade an dezentralen Flughäfen. Diese Benachteiligung ist weder nachvollziehbar noch hinzunehmen.

Als mittelständische Airline wickeln wir einen großen Teil unseres Verkehrs über regionale Flughäfen ab. Nachhaltigen Erfolg an dezentralen Standorten kann es aus unserer Sicht nur geben durch eine gesunde Mischung von klassischen Touristikflügen für Veranstalter und direkten Linienverbindungen für Geschäftsreisende und ethnischen Verkehr. So fliegen wir im Winterflugplan 2011/2012 beispielsweise von Magdeburg-Cochstedt gemeinsam mit Reiseveranstaltern beispielsweise nach Palma de Mallorca, aber auch in die ungarische Hauptstadt Budapest. Airports abseits der Drehkreuze brauchen auch eine besonders enge und zielgerichtete Zusammenarbeit des Flughafenbetreibers mit der örtlichen Industrie. Hier ist höchste Flexibilität gefragt, um schnell auf die Bedürfnisse des lokalen Markts reagieren zu können.

Und wir, Fluggesellschaften und Airports, benötigen die Unterstützung durch eine Landes-, Bundes- und Europapolitik, die den Beitrag regionaler Flughäfen zur Wirtschaftsleistung unseres Landes erkennt und zu würdigen weiß. Denn trotz aller Positiv-Effekte auf das regionale Umfeld: Oberstes Ziel aller Beteiligter - und eben auch der Flughäfen – bleiben eine hohe Wirtschaftlichkeit und unter dem Strich letztendlich schwarze Zahlen. Für viele Branchen und Lebensbereiche gilt, dass das föderale System Deutschlands zu einer unglaublichen Vielfalt und einen fairen Wettbewerb an kleineren und großen Anbietern führt und nicht nur einige „Leuchtturmprojekte“ - wie die großen Drehkreuze - unverhältnismäßig bevorzugt. Dies muss künftig auch für die Luftfahrt gelten.

Stand: 17.11.2011 - 3:38 PM Uhr

Quelle: Axel Trampnau, Chief Executive Officer (CEO) von Germania

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