Artikel vom 07.10.2010 0
Im Test: Internet und Telefon an Bord Die Erfahrungen der „fliegenden Redaktion“
© airliners.de
Verbindung an Bord. OnAir als WLAN und Telefonbetreiber. iPhone-Screenshots aus dem Flug.
Kommunikationssatelliten oder Bodenantennen gepaart mit moderner Technik an Bord machen Internet und Mobilfunk im Flugzeug möglich. Eine Hand voll von Unternehmen spezialisiert sich auf die technisch anspruchsvolle Verbindung der Flugzeugkabinen mit der Connectivity-Infrastruktur im Weltall und am Boden.
Marktführer für Inflight Connectivity ist dabei OnAir. Das SITA/Airbus-Jointventure ist auch der Technologiepartner der Oman Air. An Bord aller A330 der staatlichen Fluggesellschaft des Omans gibt es seit Anfang des Jahres sowohl uneingeschränktes Internet als auch Mobiltelefonie.
Ende September hatte die airliners.de-Redaktion die Gelegenheit, dieses Oman-Air-„Verbindungs-Vollprogramm“ als "fliegende Redaktion" zu testen. Ein Unikum für Passagiere ab Deutschland - geben doch Airlines oft nur ein technisch beschränktes Internet frei und erlauben meist nur Datendienste über das Mobilfunknetz.
Technisch funktioniert das Onbord-Internet über ein WLAN-Netz. Das Mobilfunknetz ist eine GSM-Zelle. Beide Netze sind bei Oman Air übrigens in der gesamten Kabine verfügbar – zusammen mit überall vorhandenen Steckdosen und USB-Buchsen für die Stromversorgung der Endgeräte.
Wenn im Flugzeug das Handy klingelt
Es ist schon eine interessante Erfahrung, wenn an Bord plötzlich das Handy klingelt. Man spricht und dem Gesprächspartner ist gar nicht bewusst, dass er gerade irgendwo 35.000 Fuß über dem Schwarzen Meer angerufen hat.
Subjektiv war bei unseren Tests ein Telefongespräch aus dem Flugzeug nicht von normalen Verbindungen zu unterscheiden. Es dauert etwas länger, bis es klingelt, aber dann gibt es kaum Qualitätseinschränkungen.
Gespräche sind bei Oman Air grundsätzlich den ganzen Flug über möglich, wobei das Netz erst ab 4.000 Meter Höhe aktiviert wird, um Überschneidungen mit Bodennetzen zu vermeiden. Zudem muss das jeweils überflogene Land dem Mobilfunk an Bord grundsätzlich zustimmen.
Wann immer das Telefonieren bei Oman Air nicht möglich ist, erscheint übrigens analog zur „Fasten-Seatbelt“-Leuchte über den Sitzen ein entsprechender „No Mobile“-Hinweis.
Die Abrechnung der ein- und ausgehenden Telefonate erfolgt über Roaming-Agreements zwischen dem Onboard-Netzbetreiber (z.B. OnAir oder AeroMobile) und den jeweiligen Mobilfunkbetreibern der Passagiere.
Man sollte sich also der Roaming-Kosten bewusst sein, denn nicht nur ausgehende Telefonate sondern auch eingehende Gespräche kosten je nach Mobilfunkanbieter bis zu mehreren Euro pro Minute (s. Tabelle).
| OnAir | AeroMobile | |
|---|---|---|
| Anruf ausgehend | ||
| Telekom | €2,68/Min | €3,14/Min + einmalig €0,90 |
| Vodafone | €2,68/Min | kein Roaming |
| E-Plus | €2,89/Min | €4,41/Min |
| O2 | €2,68/Min | €3,37/Min + einmalig €0,92 |
| Anruf eingehend | ||
| Telekom | €2,12/Min | €0,69/Min |
| Vodafone | €1,78/Min + einmalig €1,54 | kein Roaming |
| E-Plus | €2,82/Min | €4,29 |
| O2 | €1,79 | €0,00 |
| SMS (versenden) | ||
| Telekom | €0,95 | €1,08 |
| Vodafone | €0,74 | kein Roaming |
| E-Plus | €0,80 | €0,98 |
| O2 | €0,74 | €0,95 |
| Daten | ||
| Telekom | €0,99 je 50KB | 0,99 je 50 KB |
| Vodafone | k.A. | kein Roaming |
| E-Plus | €2,35 erste 100KB, danach €0,24 je 10KB | k.A. |
| O2 | k.A. | k.A. |
WLAN an Bord - Wie lange reichen eigentlich 26 MB?
Anders als beim Mobilfunk funktioniert die Abrechnung der Internetnutzung an Bord zu sehr klaren Konditionen. Oman Air bietet hier zur Einführung gleich drei Möglichkeiten, die in sehr naher Zukunft übrigens auch ohne eigenen Laptop oder Smartphone direkt im Inflight Entertainment genutzt werden können.
Wer nur chatten möchte, kann sich für $4,95 über einen speziellen Chat-Clienten bei vielen gängigen Instantmessaging-Anbietern einloggen. Gleiches gilt für Emails. Auch hier gibt es einen speziellen Webmailer, über den man sich für $9,95 pauschal in den eigenen Freemail-Account einloggen kann. Anhänge werden mit $0,006 pro KB zusätzlich berechnet.
Interessant für unseren Test war aber der uneingeschränkte Internetzugang, den Oman Air derzeit für $29,95 pro Flug anbietet. Darin enthalten ist ein Surfvolumen von 26MB. Man kann jederzeit das verbrauchte Volumen einsehen und die Verbindung auf Wunsch automatisch kappen lassen. Wer mehr surft, bezahlt $0,006 pro weiteres KB.
Wie lange aber reichen 26 MB? Auf dem Hinflug waren wir nur mit dem iPhone online, haben ein paar Seiten angesurft und recht intensiv mit Emails gearbeitet. Nach dem Flug standen gerade einmal etwas über 4 MB auf der virtuellen Uhr.
Selbst auf dem „Redaktions-Flug“ zurück von Muscat nach Frankfurt haben wir mit dem Laptop die 26MB nicht ganz verbraucht, trotz intensiven Surfens, Emails und Skype-Telefonie.
Der Grund für den geringen Datendurchsatz beim Surfen über den Wolken ist in der Datenkomprimierung zu finden. So werden beispielsweise Bilder vom System sehr stark komprimiert.
Die Einwahl ins Netz funktioniert übrigens wie in einem Internetcafé oder im Hotel: WLAN aktivieren, Netzwerk wählen, Browser an und Kreditkartennummer angeben, fertig.
Satcom-Bandbreiten und Latenz
Interessanter als das Login-Prozedere ist daher im Test die Geschwindigkeit. Um es vorweg zu nehmen: Auch wenn die Geschwindigkeit nicht wirklich an das normale Bürosurfen am Boden heranreicht, so stellt die Technik doch eine ausreichende Geschwindigkeit zur Verfügung.
Technisch funktioniert die Verbindung bei OnAir über ein Satcom-System mit zwei Channels von jeweils 432 kbit/s. Insgesamt stehen also 864 kbit/s Bandbreite für alle Reisenden zur Verfügung. Zum Vergleich: ISDN bietet maximal 128 kbit/s, UMTS ist mit 384 kbit/s etwas schneller.
Allerdings scheint der reine Vergleich der Maximalbandbreiten nicht unbedingt aussagekräftig. Stichwort ist hier die nicht zu vermeidende Latenz, also die Zeitverzögerung der Daten durch die Funkübertragung zwischen Flugzeug, Satellit sowie Bodenstation und wieder zurück. Zeitweise reservieren sich zudem auch Bordsysteme einen bestimmten Anteil der Satcom-Bandbreiten und auch die Mobileservices verwenden dasselbe System.
Subjektiv fühlt sich das Surfen an Bord dann auch eher bestenfalls nach ISDN an bzw. wie mobiles Surfen bei schlechter UMTS-Abdeckung, wobei es durchaus zeitweise Schwankungen bei der Geschwindigkeit nach oben und unten gibt.
Vollkommen ausreichend für die „Killerapplikation“ Email.
Überrascht hat vor diesem Hintergrund unser Test von Skype-VoIP, also der Internettelefonie von Bord aus. Anders als erwartet kam es kaum zu Verzögerungen, die Qualität war gut und vor dem Hintergrund hoher Roaminggebühren auf alle Fälle eine echte Handy-Alternative.
Andere Streamingapplikationen wie Youtube oder auch schon größere Up- oder Downloads bzw. große Mailanhänge sind dagegen unserer Erfahrung nach nicht wirklich zufrieden stellend möglich.
Die „Killerapplikation“ beim fliegenden Internet ist aber ohnehin die Email. Abrufen, antworten und dem ein oder anderem Link folgen ist meist alles, was die Kunden von einem Onboard-Internetzugang erwarten. Im Businessbereich sind es zudem VPN-Zugriffe – also die Verbindung mit dem firmeneigenen Netzwerk.
Mit dieser Zieldefinition im Hinterkopf lässt sich also neben der Onboard-Telefonie auch für die Internetfunktionalität ein positives Fazit ziehen.
Sinn und Unsinn - Ein Blick über den Tellerrand
Über den Sinn oder Unsinn von Inflight Connectivity lässt sich sicherlich streiten. Nicht jeder Passagier will immer und ständig online sein und arbeiten. Ob nun ein Telefonat wirklich Mitreisende stört oder vielleicht doch eher im „allgemeinen Grundrauschen“ in der Flugzeugkabine untergeht, lassen wir hier auch unkommentiert stehen.
Ungeachtet dieser vielleicht recht deutschen Diskussion setzen zumindest in den USA mittlerweile so gut wie alle Fluggesellschaften auf „Inflight Connectivity“, allerdings vor allem auf inneramerikanischen Flügen. Auf den Langstrecken sind dagegen derzeit generell gesprochen die Fluggesellschaften aus dem arabisch/asiatischen Raum führend, wenn es um das Angebot von Internet und Mobilfunk an Bord geht.
Europäische Airlines fliegen dem Trend derzeit noch hinterher. Die Lufthansa hatte zwar bereits 2003 Internet und Daten-Mobilfunk an Bord. Mit dem Bankrott des Technologiedienstleisters „Connexion by Boeing“ ging aber 2006 auch das FlyNet der Lufthansa zunächst wieder offline.
Zum Ende des Jahres will der deutsche Flagcarrier nun das FlyNet wieder reaktivieren und hat dafür über Panasonic und den OnAir-Konkurrenten AeroMobile ein System für WLAN sowie Daten-GSM-Netz an Bord aufgebaut.
airliners.de-Sonderthema "Vernetzt im Flug"
Magazin-Atrikel: Mobilfunk und Internet fliegen mit
Stand: 07.10.2010 - 3:40 PM Uhr
Quelle: airliners.de
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