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Artikel vom 11.10.2011 0

Flughafen Frankfurt auf Wachstumskurs Damoklesschwert Nachtflugverbot

Deutschlands größter Flughafen wächst unaufhaltsam. Mit einer neuen Landebahn steigt die Kapazität noch einmal um 50 Prozent. Aber mit der neuen Bahn sind die Ausbaupläne noch lange nicht am Ende - wie auch der Streit um Nachtflüge.

Ausbaupläne am Flughafen Frankfurt

Am Frankfurter Flughafen wird eigentlich immer gebaut. Doch seit 2009 haben die Arbeiten rund um Deutschlands größten Flughafen eine neue Dimension erreicht. In nur zweieinhalb Jahren Bauzeit entstand die neue Landebahn Nordwest, die am 21. Oktober von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Betrieb genommen werden soll.

Die neue Bahn ist aber im Ausbauplan des Flughafenbetreibers Fraport nur ein Bauprojekt von vielen. Zusammen mit dem geplanten dritten Passagier-Terminal und weiteren Ausbau-Investitionen ergibt sich eine Gesamtsumme von rund 4 Milliarden Euro.

Nach den bürgerkriegsähnlichen Zuständen beim Bau der 1984 eröffneten Startbahn West hatte sich in Hessen niemand vorstellen können, dass eine vierte Bahn so glatt durchgehen könnte. Politisch geschickt hatte der damalige Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) 1998 eine Mediationsgruppe eingesetzt, die möglichst viele Akteure zusammenbringen sollte.

Die Landebahn wurde dann auf Vorschlag der Mediation nicht für Starts zugelassen. Aus diesem Grund konnte sie mit 2.800 Metern auch deutlich kürzer ausfallen als die beiden bestehenden Parallelbahnen, die für Starts und Landungen jeweils 4.000 Meter messen. Die Bahn ist zudem vorallem für Standardrumpfmaschinen gedacht und für die größten Großraumflugzeuge wie Airbus A380 und Boeing 747 nicht zugelassen. Nachtflüge dürfen auf der neuen Bahn ebenfalls nicht stattfinden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Mediation war ein scharfes Nachtflugverbot.

Doch die aktuelle Landesregierung, damals unter Roland Koch (CDU), wich davon ab und genehmigte 2007 im Planfeststellungsbeschluss für den gesamten Flughafen 17 Nachtflüge in der «Kernnacht» zwischen 23 und 5 Uhr. Derzeit gibt es in dieser Zeit sogar um die 40 Flugbewegungen; Hauptkunde Lufthansa beansprucht alleine derzeit 23 Nacht-Slots für sich. «Das Nachtflugverbot hängt wie ein Damoklesschwert über uns und bedroht tausende Arbeitsplätze», schimpft Lufthansa-Chef Christoph Franz.

Der hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) kritisierte die 17er-Regelung, die nun wie die gesamte Planfeststellung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig auf ein letztinstanzliches Urteil wartet. Mit der Inbetriebnahme der neuen Bahn sollte eigentlich auch auf dieser vorläufiger Rechtsgrundlage geflogen werden. Doch nun setzte der der VGH der Flughafengesellschaft und den Airlines kurzfristig doch noch ein Nachtflugverbot vor die Nase. Jetzt muss umdisponiert werden: Am 30. Oktober beginnt der Winterflugplan mit der neuen Landebahn.

Neue Bahn bringt 50 Prozent mehr Kapazität

Im Endausbau sollen mit der neuen Bahn dann 120 Flugbewegungen pro Stunde möglich sein, sagte Fraport-Pressesprecher Robert Payne im airliners.de-Interview (s. Video). Damit wachse die Kapazität am wichtigsten Luftfahrt-Hub Deutschlands um 50 Prozent - wichtig im internationalen Wettbewerb, um ein wichtiges Drehkreuz in Zentraleuropa zu bleiben. Zunächst aber würde die Kapazität nur langsam hochgefahren.

Der langsame Aufbau der Kapazität von derzeit 83 auf zunächst 90 Flugbewegungen pro Stunde ist zum einen sicherheitstechnisch notwendig, um die Abläufe bei der Flugsicherung und am Boden verlässlich zu halten. Der öffentlich kontrollierten Aktiengesellschaft Fraport ist ein langsameres Wachstum aber auch aus Marketing-Gründen recht, denn die Slots sollen nicht verramscht werden, was bei einem sprunghaft ansteigenden Angebot wohl nicht zu vermeiden wäre. «Wir stehen am Beginn einer einmaligen Wachstumsstory», jubelt Fraport-Chef Schulte. «Wir müssen jetzt die richtigen Entscheidungen treffen.»

Von einem weiteren Ausbau will Fraport-Chef Stefan Schulte zunächst einmal möglichst wenig reden. Er hat bereits genug damit zu tun, die umliegenden Kommunen zu beruhigen. Die Bürger vom osthessischen Kinzigtal bis nach Rheinland-Pfalz haben gerade gemerkt, dass bereits die Umstellung der Anflugrouten für neuen Lärm-Verdruss sorgt, ohne dass schon eine einzige Maschine mehr in der Luft wäre. Und in den kommenden Jahren wird der Lärm trotz moderner Flugzeuge in Summe nicht weniger.

Nach der Landebahneröffnung stehen nämlich weitere bereits genehmigte Bauprojekte an. Der Terminal-Arm A Plus ist bereits im Bau und soll ab dem kommenden Jahr die wachsende Lufthansa-Flotte der Airbus A380 bewältigen. Als nächstes ist für 2016/2017 die Eröffnung des ersten Moduls am neuen Terminal 3 im Süden des Flughafens geplant. Nach dem Ausbau ist in Frankfurt eben immer auch vor dem Ausbau.

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Stand: 11.10.2011 - 4:50 PM Uhr

Quelle: dpa, airliners.de

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