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Artikel vom 25.06.2010

Embraer: Flugzeuge «Made in Brasil» 40 Jahre Luftfahrtexpertise

Seit 40 Jahren ist der brasilianische Flugzeugbauer Embraer im Geschäft. Mit seinem vielfältigen Portfolio liefert er sich einen Wettstreit mit dem kanadischen Konkurrenten Bombardier um Platz drei der weltweit größten Hersteller von Verkehrsflugzeugen, nach Boeing und Airbus.

Embraer Phenom 300 Erster Embraer 190 für Air Moldova Embraer-Regionaljets in der Produktionshalle in Sao Jose dos Campos Embraer 190 in Lufthansa-CityLine-Bemalung Innenausbau eines Embraer-Jets Frederico Fleury Curado, Embraer-Prasident

Embraer Phenom 300

Brasilien ist bekannt als weltgrößter Rindfleischexporteur und führender Kaffeebohnen-, Soja- und Orangensaftlieferant. Aber Flugzeuge? Ja, auch da spielt Brasilien auf dem Weltmarkt mit. Embraer ist nach Airbus und Boeing einer der größten Verkehrsflugzeugbauer der Welt. Auf dem Markt für Regionaljets bis 120 Sitze steht Brasiliens Vorzeigekonzern sogar auf Platz eins, immer im Wettstreit mit dem kanadischen Erzrivalen Bombardier.

40 Jahre Luftfahrtexpertise hat das Unternehmen in São José dos Campos vor den Toren São Paulos. Embraer-Jets finden sich in den Flugzeugflotten von 90 Airlines in 50 Ländern, auch bei Lufthansa CityLine.

Kunden auf der ganzen Welt

Der Konzern beliefert zudem 22 Luftwaffen auf der Welt, und Öl- Milliardäre und weniger betuchte Geschäftsleute ordern in São José dos Campos Business-Jets - vom Einstiegsmodell Phenom 100 bis zur fliegenden Luxus-Lounge Lineage 1000.

«Wir sind optimistisch», sagt Embraer-Präsident Frederico Fleury Curado bescheiden. Der Mann weiß, welches Unternehmen er führt. Er bekommt Avancen für Kooperationen von EADS-Chef Louis Gallois, die er als «sehr schmeichelhaft» für Embraer kommentiert.

Curado ist ein Embraer-Gewächs. Er ging gleich von der Schule 1984 zu dem Flugzeugbauer, der in Brasilien einen vergleichbaren Ruf hat wie etwa «Daimler» im Ländle. Wer bei Embraer schafft, hat Status in Brasilien. «Wir sind stolz, als Embraer-Angestellte und Brasilianer, zu den großen Vier zu zählen», sagt der Präsident.

Wie global das Unternehmen ist, wird im Hangar 220 schnell klar. Die Endmontage-Halle auf dem insgesamt 60 Fußballfelder großen Werksgelände ist das letzte Glied einer langen Produktionskette. Hier werden Cockpits und Motoren eingebaut.

Auf den Regionaljets glänzen die Logos der Airlines: Lufthansa CityLine, Austral (Argentinien), Nas Air (Saudi-Arabien), Azul (Brasilien) finden sich dort und draußen vor dem Hangar stehen Jets von Tianjiin (China) und Air France. Sie scheinen riesig, sind aber doch kleiner als die richtig «Großen» von Boeing und Airbus. Das ist ein anderer Markt.

Vorerst kein Konkurrenzmodell zu Boeing 737 und A320

Ob Embraer einmal Flugzeuge dieses Kalibers mit mehr als 150 Sitzen oder noch mehr baut? Da winkt Curado erstmal ab. «Ein Eintritt in diesen Markt wäre schon ein sehr aggressiver Schritt und der Versuch, bestehende Marktanteile von vorhandenen Playern wegzunehmen.»

Und wer sich mit den ganz Großen anlegt, muss nicht nur ein überzeugenderes Produkt haben, sondern auch mit gewaltigem Gegenwind rechnen. «Airbus und Boeing sind sehr mächtig», sagt Curado.

Die Weltkrise brachte auch Embraer in Turbulenzen. Anfang 2009 schickte das Unternehmen 4200 Beschäftigte, rund 20 Prozent seiner damaligen Belegschaft, auf die Straße. Der Grund: drastische Auftragsrückgänge im Ausland.

Zwar lieferte Embraer 2009 mit 244 Flugzeugen mehr Maschinen aus als 2008 (204). Aber es waren kleinere Flugzeuge und die Einnahmen sanken von 6,3 Milliarden Dollar 2008 auf 5,5 Milliarden Dollar 2009 (4,4 Mrd. Euro). 2010 rechnet der Konzern mit 5 Milliarden Dollar Umsatz.

Vom Militärtransporter bis zum luxuriösen Privatjet

Etwa ein Fünftel davon kommt aus dem Militärgeschäft. Embraer entwickelt zur Zeit für 1,3 Milliarden Dollar die KC-390 - einen Transporter mit 19 Tonnen Tragfähigkeit, der die C-130 Hercules ersetzen soll. Erste Auslieferung: 2015. Studien sehen in den nächsten Jahren einen potenziellen Markt von 700 Militärtransportern zwischen 5 und 20 Tonnen. Wenn die KC-390 fliegt und an andere Luftwaffen verkauft wird, verdient die Forca Aérea Brasileira (FAB), die brasilianischen Luftstreitkräfte, durch Royalties (Lizenzgebühren) gleich mit.

Luxuriös geht es in der Lineage 1000 zu: Ledercouchen, Holzintarsien und Lounge-Atmosphäre prägen das gediegene Interieur. In dem Business-Jet reisen gerade mal 19 Gäste, während die gleiche Regionaljet-Version Embraer 195 für 122 Passagiere ausgelegt ist.

Luxus hat seinem Preis, und der liegt bei 45 Millionen US-Dollar für den Privatjet. Ein abgespeckteres Modell wurde im September 2009 erstmals offiziell in höchste Staatsdienste gestellt: Seitdem reist Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in einem Regierungsflieger «Made in Brasil».

Stand: 25.06.2010 - 12:25 PM Uhr

Quelle: Helmut Reuter, dpa

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