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Artikel vom 22.12.2010 0

Ein Jahrhundert Fliegerei in Fuhlsbüttel Hamburg Airport feiert Geburtstag

Es begann 1911 mit dem Bau einer Luftschiffhalle. Jetzt feiert Hamburg-Fuhlsbüttel sein 100-jähriges Jubiläum als einer der ältesten Verkehrsflughäfen der Welt.

Lufthansa-Crew besteigt eine Constellation in Hamburg - © © Lufthansa Bildarchiv -

Lufthansa-Crew besteigt eine Constellation in Hamburg

Der erste Flug der Brüder Wright in Kitty Hawk, North Carolina, im Dezember 1903 war gerade mal sieben Jahre her, als man in Hamburg beschloss, sich auch eine zentrale Stellung bei der Eroberung des Luftraums zu sichern. Schifffahrtsmetropole war die stolze Hansestadt an der Elbe seit Jahrhunderten, nun galt es, den Himmel zu erobern.

Es war der Besuch des berühmten Luftschiffkonstrukteurs Ferdinand Graf Zeppelin im März 1910, der die Hanseaten in Begeisterung versetzte, als er sie aufrief, Anteile zu zeichnen für eine Zeppelin-Halle in Hamburg. Aus privaten Mitteln werden über 600.000 Reichsmark aufgebracht, um eine große Halle für zwei der fliegenden Riesenzigarren zu bauen. Am 10. Januar 1911 konstituierte sich die Hamburger Luftschiffhallen GmbH. Dieser Akt gilt als die Geburtsstunde des Hamburger Flughafens. Am 10. Januar 2011 wird daher in Hamburg der Auftakt zum 100jährigen Flughafen-Jubiläumsjahr groß gefeiert.

Bis heute hat er seinen stadtnahen Standort im damals verschlafenen Vorort Fuhlsbüttel behalten. Damit ist der Hamburger Flughafen, neben dem bereits 1908 gegründeten Albany International Airport im US-Bundesstaat New York, der vermutlich älteste Verkehrsflughafen der Welt, der noch an seinem Gründungsort betrieben wird.

Die Ära der Luftschiffe

Anfangs prophezeite man dem Luftschiffverkehr eine große Zukunft, während die ersten Flugzeuge, oder „Aeroplane“, wie sie damals hießen, noch klapprige Gestelle waren. Schon im Herbst 1911 bestaunten die Hamburger zum ersten Mal mit der „Schwaben“ ein Luftschiff über der Stadt. Nach Fertigstellung der Halle im Januar 1912 waren die Zeppeline „Sachsen“ und „Hansa“ hier stationiert. 1913 unternahmen sie 84 Fahrten mit 823 zahlenden Passagieren an Bord, ein zweistündiger Rundflug kostete 200 Reichsmark. Ab 1919 ging mit der Deutschen Luftreederei die erste Fluggesellschaft der Welt an den Start, die vom 1. März 1919 an auch eine regelmäßige Verbindung Hamburg-Berlin anbot. Im Premierenjahr konnten bereits 233 Fluggäste befördert werden – angesichts fragiler Fluggeräte und des damals desolaten Zustands des Hamburger Flugfelds, das oft einer Sumpflandschaft glich, eine beachtliche Leistung.

Zeppelinhalle in Hamburg - © © Hamburg Airport -

Zeppelinhalle in Hamburg

Getreu dem Versailler Friedensvertrag bestanden die Siegermächte des Ersten Weltkriegs darauf, die Hamburger Luftschiffhalle zu zerstören, sie wurde 1921 gesprengt. Auch der Flugverkehr unterlag Beschränkungen, gleichzeitig begann die Trockenlegung des Flughafengeländes und die Errichtung moderner Gebäude. Das schlug sich schnell in den Verkehrszahlen nieder: Waren 1923 noch 1.836 Flugzeuge mit insgesamt 3.512 Passagieren am Hamburger Flughafen abgefertigt worden, stieg das Aufkommen in den Folgejahren rasant: Drei Jahre später waren es schon 10.441 Flugbewegungen, die 18.724 Fluggäste beförderten.

1926 wurde auch die Flugzeughalle B fertiggestellt, ein 110 Meter langer, markanter Bau. Sie steht als einziges Relikt der Anfangsphase bis heute – als Teil des jetzigen „Event-Terminals Tango“ schmiegt sich ihr grünes Dach hinter das nördliche Ende der modernen Passagier-Pier. Das architektonisch wegweisende, 1929 fertiggestellte Abfertigungsgebäude hingegen mußte jüngsten Terminal-Neubauten weichen. Bereits 1926 ging die neu gegründete Deutsche Luft Hansa an den Start.

Internationaler Knotenpunkt

„Hamburg hat als einer der wichtigsten Knotenpunkte des internationalen Verkehrs auch auf dem Gebiete der Handelsluftfahrt eine führende Stellung,“ hieß es in einer Werbeanzeige der Luft Hansa von 1929, „von den gegenwärtigen von Hamburg ausgehenden Linien rechnen nicht weniger als acht zu den großen Auslandsstrecken. Fast alle größeren Städte des Reiches sowie die meisten europäischen Hauptstädte sind von Hamburg aus auf dem Luftwege innerhalb weniger Stunden erreichbar.“

Junkers G38 und F13 in Hamburg - © © Hamburg Airport -

Junkers G38 und F13 in Hamburg

Ein Flughafenführer von 1929 fasste zusammen: „Hamburg hat also im internationalen Luftverkehr einen besonderen Rang. Von täglich 15 Strecken führen sieben ins Ausland.“ Das Netzwerk reichte bereits von Oslo im Norden bis Zürich im Süden, London im Westen und Königsberg (heute Kaliningrad) sowie Budapest im Osten.

Schon damals war das Interesse der Öffentlichkeit an der Luftfahrt groß, an Flugtagen drängten sich Zehntausende auf dem Gelände. Die Verwaltung sah sich zu folgender Verlautbarung gezwungen: „Unter allen Umständen sind Besichtigungen auf eigene Faust seitens des Publikums unzulässig. Es sei deshalb ausdrücklich auf den Voranmeldezwang für Flughafen-Führungen hingewiesen.“ Neben Fotos von der „Vernichtung (Ausräucherung) der das Rollfeld beschädigenden Maulwürfe durch Beamte der öffentlichen Desinfektionsanstalten“ verkündete eine Werbeanzeige: „Die Sabena-Strecken werden beflogen mit zwei- und dreimotorigen Großflugzeugen vom Typ Handley-Page, die alle mit den modernsten Radioanlagen versehen sind. Sie reisen daher mit der Sabena schnell, sicher und bequem!“.

Mitte der dreißiger Jahre erlebte Fuhlsbüttel eine Blütezeit. Die Zahl der bedienten Flugstrecken erhöhte sich auf 22, darunter die damals längste Route der Welt: In fast 24 Stunden flog die Luft Hansa von Hamburg über Belgrad, Athen, Rhodos und Damaskus nach Bagdad.

Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Fuhlsbüttel bereits ab September 1946 wieder von Zivilflugzeugen der Alliierten angeflogen. Hinter den Kulissen begannen die Vorbereitungen für einen Neustart des deutschen Flugverkehrs. Einer der damals Beteiligten war der Leiter des Amtes für Verkehr und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt. „Damals stritten natürlich alle großen Städte Westdeutschlands um den Sitz der erwarteten neuen Lufthansa. Ich war stolz darauf, dass ich für Hamburg-Fuhlsbüttel den Standort der technischen Basis, der Werft also, ergattern konnte“, erinnerte sich Schmidt 2005 in einer Rede.

Lufthansa Technik in Hamburg - © © Hamburg Airport -

Lufthansa Technik in Hamburg

Hamburg spielte beim Neustart der Lufthansa eine zentrale Rolle, durch seine Randlage bot es die Möglichkeit, mit einer zunächst kleinen Flotte eine optimale Auslastung zu erreichen. Bereits 1954 wurde mit den Bauten für die Lufthansa-Werft begonnen. Auch die ersten Flugzeuge der neuen Lufthansa, je vier Convair 340 und Lockheed Super Constellation, waren zunächst in Fuhlsbüttel beheimatet, ebenso die Ausbildungsstätten für Flugbegleiter und Piloten.

Noch bevor die Deutschen selbst wieder fliegen durften, herrschte in Fuhlsbüttel durchaus bereits wieder reger Flugverkehr. Im Sommerflugplan 1954 beherrschten Pan American, BEA, SAS und Air France das Angebot. Innerdeutsche Verbindungen beflog vor allem SAS, während neu damals Panair do Brasil Hamburg mit ihrer Lockheed 049 Constellation bediente. Donnerstags um sieben Uhr morgens startete die „Connie“ zum Flug über Düsseldorf, Paris, Lissabon, Dakar, Recife, Rio de Janeiro, Sao Paulo nach Buenos Aires, wo sie am Freitag um 16.35 Uhr Ortszeit landen sollte.

Das Jet-Zeitalter und die große weite Welt

Am 1. April 1955 begann dann endlich die neue Ära der Kranich-Linie mit den ersten Inlandsflügen zwischen Hamburg und München via Düsseldorf und Frankfurt. Schon am 8. Juni 1955 folgte die erste Langstrecke: In 17 Stunden ging es mit der „Super Connie“ von Hamburg via Düsseldorf und Shannon nach New York. Auch die erste Südamerika-Strecke der Lufthansa startete am 15. August 1956 an der Elbe auf der Route Hamburg-Düsseldorf bzw. Frankfurt-Paris-Dakar-Rio de Janeiro-Sao Paulo-Buenos Aires. „Das war damals als junger Zweiter Offizier für mich unglaublich beeindruckend“, sagt Dieter „Didi“ Krauss, heute 74, der im Herbst 1960 direkt von der inzwischen nach Bremen gezogenen Fliegerschule kommend auf der Super Constellation seine Pilotenkarriere begann.

Super Conny und Boeing 707 der Lufthansa in Hamburg - © © Hamburg Airport -

Super Conny und Boeing 707 der Lufthansa in Hamburg

„Hamburg war immer mein Heimatflughafen, ich empfinde auch Stolz in der Stadt zu leben mit einem der ältesten Verkehrsflughäfen der Welt, das ist faszinierend“, so der Veteran, der immer noch selbst Oldtimer fliegt. Tatsache war aber auch, dass Hamburg aufgrund seiner geographischen Lage und der damals zu kurzen Pisten keine Chance bekam, zum Drehkreuz der Lufthansa zu werden, das spätestens mit Einsetzen der Jet-Ära nach Frankfurt abwanderte.

Bereits ab 25. Oktober 1959 gab es Linienverkehr mit Düsenflugzeugen nach Fuhlsbüttel: Pan American eröffnete mit der Boeing 707 die Route Kopenhagen-Hamburg-London-New York. Es folgten Air France, Finnair und SAS, alle kamen mit ihren Caravelles nach Hamburg. 1960 betrug der Anteil der Jets schon zwölf Prozent der Flugbewegungen.

Hamburg lag damals in Deutschland auf Rang zwei hinter Frankfurt und verzeichnete knapp eine Million Fluggäste. 47 Städte konnten mindestens einmal pro Woche erreicht werden, darunter Karachi, Kalkutta, Bagdad, Sao Paulo und Montevideo. Für die Lufthansa begann das Jet-Zeitalter in Fuhlsbüttel, als am 2. März 1960 die erste Boeing 707 für die Kranich-Linie aus Seattle kommend landete. Bald wurden solche Vierstrahler zu Stammgästen auf dem Hamburger Flughafen: So bediente Japan Airlines ihr Drehkreuz Tokio via Hamburg und Anchorage mit DC-8. Air France führte ihre Paris-Tokio-Route ebenfalls via Hamburg und Anchorage mit der 707.

Dabei ereignete sich am 27. Juli 1961 ein schwerer Unfall: Wegen eines verklemmten Bugrads kam die Boeing beim Start von der Bahn ab, geriet in eine Bodenmulde und zerbrach, alle 43 Menschen an Bord überlebten, neun wurden verletzt. „Wäre das Flugzeug damals außerhalb des Flughafengeländes auf bewohntes Gebiet gestürzt, dann wäre der geplante Flughafen Kaltenkirchen nördlich von Hamburg sicher gebaut worden,“ meint Alfred Fries, bis 1984 Verkehrsleiter in Fuhlsbüttel. „Während der gesamten Planungszeit von fast 20 Jahren hat sich in Hamburg wenig abgespielt, weil keiner wusste, wo es künfig hingeht,“ so Fries. Der Umzug nach Kaltenkirchen wurde nie Wirklichkeit, auch wenn der Flughafen dort bis heute Gelände besitzt.

Ein Jahrzehnt später setzte am 30. März 1970 vor Tausenden von Zuschauern das erste Lufthansa-Großraumflugzeug, eine Boeing 747-100, in Fuhlsbüttel auf. „Trotz des Wetters waren rund 30.000 Leute gekommen, die Maschine flog im Tiefflug vorbei, landete und rollte vor der Werft aus. Das war beeindruckend und leitete einen neuen Abschnitt der Fliegerei ein“, erinnert sich Alfred Fries. „Didi“ Krauss hat beide Lufthansa-Jets auch von Hamburg aus oft auf Linienflügen gesteuert – von Frankfurt kommend, über Anchorage nach Tokio. „Zum ersten Mal selbst eine 747 in Hamburg zu landen, das war ganz besonders emotional“, erinnert er sich. Am 25. April 1976 landete zum ersten und einzigen Mal überhaupt eine Concorde auf einem Charterflug mit Gewinnern des Preisausschreibens einer Zigarettenmarke in Hamburg – 40.000 Menschen waren auf den Beinen.

Ausbau in Richtung Zukunft

Erst in den neunziger Jahren, als das Thema Kaltenkirchen endlich vom Tisch war, begann der Flughafen am Standort Fuhlsbüttel, sich mit Neubauten für die Zukunft zu wappnen. Nach drei Jahren Bauzeit ging 1993 das erst neue Terminal in Betrieb, damals Terminal 4 genannt und heute als Terminal 2 firmierend. Im gleichen Jahr zählte man erstmals über sieben Millionen Passagiere. Nach erfolgter Teilprivatisierung begann 2001 das größte Ausbauprogramm in der Geschichte des Flughafens, dem das 1929 eröffnete alte Empfangsgebäude weichen musste.

Flughafen Hamburg - © © Hamburg Airport - M. Penner

Flughafen Hamburg heute

2005 eröffnete das neue Terminal 1, 2008 die in der Mitte zwischen den Abfertigungsbereichen gelegene sogenannte Airport Plaza mit zentralen Sicherheitskontrollen und vielfältigen gastronomischen Angeboten und Shoppping-Möglichkeiten. Im Dezember 2008 wurde endlich ein Jahrzehnte geplantes Projekt verwirklicht – die Anbindung des Flughafens an das Hamburger S-Bahn-Netz. Pünktlich zum Jubiläum ist der hundertjährige Flughafen, der heute rund 13 Millionen Passagiere im Jahr abfertigt, damit so jung und modern wie nie zuvor.

Stand: 22.12.2010 - 4:34 PM Uhr

Quelle: Andreas Spaeth

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