Artikel vom 23.07.2009 0
Dornier-Museum in Friedrichshafen eröffnet Luft- und Raumfahrtgeschichte
© dpa
Das Dornier-Museum in Friedrichshafen
Viel hätte nicht gefehlt und er wäre Architekt oder Landwirt geworden. Doch Claude Dornier bekannte sich zur Technik, ging als junger Ingenieur zum Grafen Ferdinand von Zeppelin und baute mit ihm die legendären Luftschiffe. Als einer der ersten Luftfahrtpioniere wagte er den Schritt zum Metallflugzeugbau, und mit dieser innovativen Technologie begann sein weltweiter Erfolg. Zuerst mit hochseefähigen Flugbooten, vom Waal über die legendäre, zwölfmotorige Do X bis zur Do 24 und Do 26. Jetzt ist der große Name Dornier zurück, an der Geburtsstätte seines Unternehmens, nahe den Luftschiffen, mit einem Museum.
Mit dem neuen Museum am Flughafen Friedrichshafen kehrt die Firma Dornier an ihre Geburtsstätte zurück. Wo einst der Flugzeugpionier Claude Dornier (1884-1969) am Reißbrett seine fliegenden Kisten entwarf, steht heute ein modernes geschwungenes Gebäude.
Dorniers Erbe und die Geschichte des Unternehmens im Spiegel der Zeitgeschichte werden in einem Haus lebendig, das einem Hangar nachempfunden ist. Eingebettet in einen 25 000 Quadratmeter großen Landschaftspark ist das Museum mit seiner leichten und luftigen Architektur ein Hingucker - zumal der weltbekannte Lichtkünstler James Turell es nachts in verschiedene Farben taucht.
Das neue Dornier-Museum liegt in der Nachbarschaft des Zeppelin-Hangars am Friedrichshafener Flughafen. Silvius Dornier, der älteste noch lebende Sohn von Claude Dornier, hat mit der Gründung der Dornier-Stiftung für Luft- und Raumfahrt den Bau angestoßen. 35 Millionen Euro lässt er sich das futuristische Werk mit historischem Inhalt kosten, 4,5 Millionen steuern die Daimler AG, EADS, ESA, die Lufthansa Technik AG sowie die Stadt Friedrichshafen bei. «Es wäre für mich unvorstellbar, mit anzusehen, wie etwas, was im Zeitraum fast eines Jahrhunderts von der Firma Dornier geschaffen wurde und an dem so viele Menschen mit großer Hingabe gearbeitet haben, einfach verschwindet», begründet der Sohn die Umsetzung seiner Idee.
Diese stieß vor allem bei den ehemaligen Mitarbeitern auf Resonanz. Hunderte haben sich zu einem Freundes- und Förderkreis Dornier-Museum für Luft- und Raumfahrt zusammengetan. Sie waren in den vergangenen Monaten mit der Beschaffung von Leihgaben und ehrenamtlichen Tätigkeiten bei der Exponatsrestaurierung beschäftigt.
Nicht nur für Technikbegeisterte ein Erlebnis
Auch Schüler des ersten und zweiten Lehrjahres der Claude-Dornier-Schule in der Zeppelinstadt restaurierten vier Alpha-Jet-Modelle, und eine «völlig vergammelte» Do 27. «Wunderschön», wie der ehemalige Dornier-Arbeitsdirektor und Freundeskreis-Vorsitzende, Heinz Schaack, versichert. «Das hat praktisch nichts gekostet», macht er Schülern und Lehrern ein Kompliment. Flankierend zur Museumseröffnung ist ein Buch erschienen mit dem Titel «Dornier (er)lebt». 60 Autoren, oft ehemalige Mitarbeiter, haben unentgeltlich daran mitgeschrieben. 4000 Exemplare sind schon weg.
«Das Dornier-Museum ist nicht nur ein emotionales Erlebnis für Technikbegeisterte - wir möchten alle geschichtsinteressierten, neugierige Menschen, Familien mit Kindern und Jugendliche zum Nachdenken anregen und zu großen Ideen inspirieren», sagt Cornelius Dornier, Sohn von Silvius Dornier und Projektleiter des Museums, dessen Grundriss einem Hangar ähnelt.
Eine Zeitreise durch Dorniers Karriere und die Entwicklung der Luft- und Raumfahrt kann der Besucher in der sogenannten Museumsbox unternehmen. Filme, Videos und Flugzeugmodelle veranschaulichen die Geschichte. Für Kenner aber besonders spannend dürfte es sein, die echten Dornier-Flugzeugen aus nächster Nähe zu bestaunen.
Zu den zum Teil noch flugfähigen Originalflugzeugen der Schau zählen die Do 27, die Do 28 und der Senkrechtstarter Do 31, allesamt legendäre Klassiker der Fluggeschichte, um die sich viele Mythen und Geschichten ranken. Kernstück der Dauerausstellung ist die sogenannte Museumsbox, in der die Geschichte des Unternehmens Dornier vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte präsentiert wird.
Ein „lebendiges Museum“
Seit Monaten ist Museumsdirektorin Christina Becker zugange. Die Wirtschaftsingenieurin war zuvor Projektleiterin des Porsche-Museums in Stuttgart und erwartet im ersten Jahr 150.000 Besucher. Sie kooperiert mit dem Zeppelin Museum am Bodenseeufer, in das jährlich über 300.000 Menschen kommen, und zu dessen Ausstellungsstücken dank ihrer Väter es viele Verbindungen gibt.
Christina Becker will Emotionen erlebbar machen, ein «lebendiges Museum» schaffen, das sich in der Region etabliert und zum festen Programmpunkt eines jeden Besuchers in der Stadt wird. Sie ist in Kontakt mit Bildungseinrichtungen, deren Eleven schon vor der offiziellen Eröffnung strömen und den Probelauf testen. Sie hat ein Kinderquiz entwickelt und will auf Fragebögen wissen, was gefällt und was verbesserungswürdig ist.
airliners.de Magazin: Claude Dornier
airliners.de Magazin: Dornier DO-X
Internet: www.dorniermuseum.de
Stand: 23.07.2009 - 8:56 PM Uhr
Quelle: ddp, dpa, airliners.de
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