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Artikel vom 09.09.2009 0

Die «Animal Lounge» am Flughafen Frankfurt Rundum-Service für reisende Tiere

Sie scharren mit den Hufen, sie bellen oder kreischen: Tiere beim Check-in in der modernsten Airport-Tierstation der Welt auf dem Flughafen Frankfurt. Mit Großtierställen, Kleintierboxen und Klimakammern bietet die "Animal Lounge" viel Platz für alle Tierarten.

Tiertransportbox - © © Lufthansa -

Tiertransportbox

Kleine Transporter fahren umher, Männer in gelben Neonwesten räumen Styropor-Kisten auf einen Anhänger. Aus einem Lautsprecher dröhnt der Aufruf «Achtung Fischladung». Inmitten des geschäftigen Treibens sitzt ein kleiner Hund und schaut neugierig zwischen den Plastikstäben seiner Transportbox hervor. Der zehn Monate alte Rottweiler wartet auf seine Papiere. Um 13.40 Uhr wird er mit der Lufthansa-Maschine LH 492 nach Vancouver fliegen, zu seinem neuen Besitzer.

Der Rassehund ist nicht das einzige Tier, das an diesem Morgen in der «Animal Lounge» des Frankfurter Flughafens warten muss: aufs Boarding oder darauf, von seinem Besitzer abgeholt zu werden. Hunde und Katzen seien tägliche Gäste, berichtet der Leiter der Tierstation, Axel Heitmann. Zwischen 14.000 und 15.000 Haustiere landeten im vergangenen Jahr in Frankfurt oder starteten von dort aus in alle Welt.

Größte Station für Lebendfracht in Europa

Die im Februar 2008 von Lufthansa Cargo eröffnete «Animal Lounge» ist die größte und modernste Durchgangsstation für lebende Fracht in Europa. Auf 3.750 Quadratmetern können dort von Würmern über Küken bis hin zu Riesenschlangen und Giraffen alle Tierarten für kurze Zeit untergebracht werden. Platz finden sie in 42 Großtierställen, 39 Kleintierboxen, Vogelvolieren und zwölf Klimakammern, in denen Licht und Temperatur individuell eingestellt werden können.

Wie das «Perishable Center», eins der weltweit größten Luftfrachtumschlagplätze für verderbliche Ware, ist die «Animal Lounge» Teil der tierärztlichen Grenzkontrolle des Landes Hessen. Rund 25 Veterinäre sind für die Kontrolle jeder ankommenden Tierladung zuständig. Dabei müssen sich die Ärzte auf unterschiedliche Arten einstellen: An diesem Morgen sind Schildkröten, Frösche und Chamäleons gelandet, am Vortag waren Löwen auf der Durchreise.

«Wir überprüfen zunächst, ob die Tiere einfuhrfähig sind», sagt Veterinär Markus Findels. Bringen sie Seuchen mit? Ist ihr Impfschutz ausreichend? Daneben geht es um den Tierschutz. Die Ärzte kontrollieren, ob bei der jeweiligen Fracht die Vorschriften der International Air Transport Association (IATA) eingehalten wurden. Tiere, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, werden nicht transportiert.

Pferde-Transportbox bei Lufthansa Cargo, © Lufthansa

Die circa sechs Monate alten Chamäleons sind alle in einem großen Pappkarton angereist. Jedes Tier sitzt in einer eigenen Plastikbox, winzige Löcher sorgen für ausreichend Luft. Findels schaut sich drei bis vier der handgroßen, grünen Reptilien an, in die Hand nimmt er sie jedoch nicht: die Chamäleons sind zu munter. «Scheint alles okay», sagt er. Die Tiere haben den achtstündigen Flug von Nairobi nach Frankfurt gut überstanden, sie dürfen am Mittag weiter nach Amsterdam fliegen. Dort sollen sie in einer Zoohandlung landen.

Zum Großteil Zierfische

Bei den Kontrollen wird Findels von einem Mann mit Mütze und gelb schillernder Weste unterstützt, auf seinem Rücken prangt in Großbuchstaben das Wort «Fischretter»: Tierpfleger Thomas Klappich ist auf alles spezialisiert, was glitschig ist. Damit leistet er den Löwenanteil der Arbeit in der Tierstation: Zierfische machten etwa 55 Prozent des Geschäfts der «Animal Lounge» aus, berichtet Direktor Heitmann. 3.000 Tonnen Fische werden jährlich befördert. Die Ladungen kämen aus Kolumbien, Thailand oder Südafrika, sagt Klappich. Bestimmt sind sie für Zoohandlungen in ganz Europa.

Neben Hunden, Katzen, Schildkröten und Zierfischen sind jährlich auch rund 1.600 Pferde auf der Durchreise. «Auch Schneeleoparden oder kleine Pinguine hatten schon ein kurzes Stop-Over bei uns», sagt Heitmann.

Das unscheinbare Gebäude 463 der Cargo City Nord wurde mit Bedacht «Animal Lounge» getauft: «Die Tiere sollen es möglichst bequem haben», erklärt Heitmann. Zum besonderen Service gehört daher auch, Wünsche der Besitzer zu beachten: «Wenn ein Kätzchen aber dann und wann seine Streicheleinheiten braucht, dann übernehmen wir das gerne.»

Stand: 09.09.2009 - 2:49 PM Uhr

Quelle: Sarah Lena Grahn, ddp

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