airliners.de Magazin

Artikel vom 17.12.2010 0

Der «Rosinenbomber» wird 75 Neue Maßstäbe im Luftverkehr

Die Berliner verehrten sie als «Rosinenbomber», sie machte die Amerikaner zu einer Nation von Vielfliegern: Die DC-3 ist eines der berühmtesten Flugzeuge der Geschichte. Fast vergessen ist, dass sie vor 75 Jahren zunächst als fliegender Schlafwagen in die Luft stieg.

Douglas DC-3 der British European

Der «Rosinenbomber» feiert ein stolzes Jubiläum. Vor 75 Jahren - am 17. Dezember 1935 - hob die DC-3 im kalifornischen Santa Monica zum Jungfernflug ab. Niemand hätte es damals für möglich gehalten, dass einmal mehr als 15.000 der schier unverwüstlichen zweimotorigen Maschinen gebaut würden.

Die DC-3 setzte neue Maßstäbe im Luftverkehr. Mit diesem Flugzeug wurde zum Alltag, was heute selbstverständlich ist: Sicherheit und Pünktlichkeit am Himmel. Die Maschine wurde zum berühmtesten und meistverkauften Propeller-Verkehrsflugzeug der Welt.

Vor allem die USA wurden von der DC-3 verändert. Die Ost- und Westküste lagen nur noch 15 Stunden Flugreise auseinander – mit gerade mal drei Zwischenstopps. Die Ballungszentren rückten zusammen.

Ein weiteres Mal schrieb sich die DC-3 in die Geschichtsbücher ein: mit der Rettung West-Berlins während der sowjetischen Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949. Im Minutentakt landende Maschinen der militärischen Version C-47 «Skytrain» waren das Rückgrat der Luftbrücke, die die eingeschlossene Stadt mit allem Notwendigen versorgte. Die Berliner verpassten den Fliegern den Spitznamen «Rosinenbomber», weil Piloten im Tiefflug Süßigkeiten aus dem Cockpit fallen ließen.

Dabei sollte die Maschine ursprünglich eher neue Maßstäbe für Luxus in der Luft setzen. Sie begann ihre Karriere als «Douglas Skysleeper Transport», kurz DST, eine Art fliegender Schlafwagen mit 14 Liegen, der Reisen quer durch die USA besonders komfortabel machen sollte. Die Idee - heute ein üblicher Service auf langen Flügen in der First Class - hob damals jedoch nicht ab, und die DST- Maschinen wurden zu gewöhnlichen Versionen mit Sitzen umgebaut. So wurde die DC-3 geboren.

Donald Wills Douglas, einer der großen Konstrukteure der Luftfahrtgeschichte, gründete seine Douglas Aircraft Company vor neun Jahrzehnten mit nur 600 Dollar Startkapital. Zur DC-3 arbeitete er sich schrittweise durch. Nachdem er mehrere erfolgreiche Flugzeuge entworfen und gebaut hatte, konstruierte Douglas 1932 die DC-1, über die einer der Piloten der US-Fluggesellschaft TWA spottete: «Dieses Ding fliege ich nicht, das ist mir viel zu groß.»

Die einzige je gebaute DC-1 flog zum ersten Mal am 1. Juli 1933. Das Flugzeug wurde schnell zu der noch etwas größeren DC-2, von der immerhin 193 Stück produziert wurden. Douglas entwickelte die Maschine jedoch schnell zur DC-3 weiter. Auch ein Rekord zu seiner Zeit: Für die Montage einer einzigen DC-3 waren 500.000 Nieten notwendig. Der Erstkunde TWA, eine der vielen einst großen und heute längst verblichenen US-Airlines, wollte ursprünglich ein dreimotoriges Flugzeug haben.

Von der DC-3, die anfangs 21 und später bis zu 35 Passagiere oder 3,5 Tonnen Fracht befördern konnte, wurden inklusive der militärischen Version C-47 über 10.600 Original-Exemplare plus 4.937 Lizenznachbauten produziert. In der Sowjetunion wurde die DC-3 in Lizenz als Li-2 gefertigt, allerdings mit russischen Motoren. Die Sowjets setzten ihre Li-2 sowohl als Bombenflugzeug wie auch als Lazarettflugzeug und sogar als Jagdbomber ein. In Japan wurde die DC-3 unter dem Namen Nakajima L2D in rund 450 Lizenz-Exemplaren gebaut. Und in Großbritannien nannte die Royal Air Force ihre DC-3 «Dakota».

Noch 1975 - 40 Jahre nach dem Erstflug - flogen weltweit über 500 DC-3. Solide gebaut, einfach zu reparieren und fähig, auch auf rauem Gelände zu landen - der Oldtimer war das perfekte Flugzeug für ärmere und entlegene Regionen der Welt. Heute sind die letzten noch fliegenden zivilen Maschinen sorgsam gepflegte Nostalgieflugzeuge. Berühmt sind die beiden DC-3 der Schweizer Luftfahrtgesellschaft Classic Air mit ihren vergrößerten Panoramafenstern: HB-ISB und HB- ISC. Immer wieder stehlen diese beiden Oldtimer - ähnlich wie das berühmte deutsche Konkurrenzmodell Ju 52 - auf Luftfahrtschauen in aller Welt den großen Verkehrs- und Militärflugzeugen unserer Zeit die Schau.

Stand: 17.12.2010 - 4:05 PM Uhr

Quelle: Karl Morgenstern, dpa

Empfehlen:

Anzeigen

Kommentare
Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen

mit Unterstützung durch Disqus
Aktuell kommentiert
Powered by Disqus