Artikel vom 04.08.2010
Auf Wiedersehen Airbus A340 Iberia übernimmt letzten A340-600
In der kommerziellen Luftfahrt zeichnet sich im Segment der mittelgroßen Twin-Aisle-Maschinen schon seit geraumer Zeit ein eindeutiger Trend zu zweistrahligen Flugzeugen ab. Der Airbus A340 ist unter westlichen Modellen schon jetzt der letzte Vierstrahler in diesem Segment.
Iberia hat nun den letzten Airbus A340-600 übernommen. Wahrscheinlich wird die Maschine auch der letzte A340 insgesamt sein, der an eine normale Airline geht. Denn nach insgesamt 377 gebauten Maschinen gibt es nunmehr keine Airline-Bestellungen mehr für weitere Vierstrahler.
Einzig für die -500er Variante des Airbus A340 steht im Oktober noch eine Auslieferung an die Regierung von Kuwait aus. Weitere zwei Bestellungen der staatlichen angolanischen Petroleumgesellschaft Sonangol Group warten bereits seit 2008.
Konkurrenz in der eigenen Familie
Der Langstrecken-Airbus A340 mit seinen vier Triebwerken ist in den wesentlichen Bestandteilen identisch mit dem A330. Auch die Endmontage des A340 findet in Toulouse auf einer Taktstraße zusammen mit dem A330 statt.
Der zweistrahlige Fast-Zwilling war dabei von Airbus ursprünglich für den Einsatz im Mittelstreckenbereich konzipiert. Erst die Markteinführung des überlegenen Boeing-777-Twinjets ab 1995 veranlasste Airbus, seine Strategie zu überdenken und mit dem verkürzten A330-200 selbst einen zweistrahligen Langstreckenjet auf den Markt zu bringen.
Durch diesen Strategiewechsel wurden die Airbus-Geschwister, die bis Ende der neunziger Jahre in Punkto Bestellungen noch etwa gleichauf lagen, zu internen Konkurrenten. Denn der A340-300 hatte der Wirtschaftlichkeit von Boeing 777 und den verbesserten A330-Modellen nichts entgegenzusetzen.
Zur Wiederbelebung des A340-Geschäfts startete Airbus im Jahr 1997 daher die A340-500/600-Baureihe. Mit deutlich höherer Wirtschaftlichkeit sollte der längere A340-600 vor allem ältere Boeing 747 ersetzen und neben der Ultralangstrecken-Version A340-500 in Konkurrenz zu immer weiter verbesserten 777-Varianten treten.
Doch während sich der A330 bis heute sogar in Zeiten der Nachfolger A350 und Boeing 787 weiter reger Nachfrage erfreut, ging das Interesse an der vierstrahligen Schwester kontinuierlich zurück und stagnierte in den letzten Jahren nach gerade einmal 377 gebauten Maschinen. Bis heute wurden dagegen bereits 712 A330 gebaut, bei weiteren 374 Bestellungen in den Büchern. Die erfolgreichen Boeing-Twinjets überbieten diese Zahlen sogar noch.
| Typ | Gebaut | noch im Einsatz | offene Bestellungen |
|---|---|---|---|
| Airbus A330 | 712 | 693 | 374 |
| Airbus A340 | 377 | 349 | 3 |
| Airbus A350 | - | - | 469 |
| Boeing 767 | 990 | 840 | 56 |
| Boeing 777 | 882 | 871 | 275 |
| Boeing 787 | 5 | 5 | 791 |
| Quelle ATDB, Stand: 04.08.2010 | |||
ETOPS verleiht Twinjets Flügel
Grundlegend für den Erfolg von zweistrahligen Langstreckenflugzeugen ist die stetige Erweiterung der ETOPS-Richtlinien (Extended-range Twin-engine Operation Performance Standards). Durch die Verlängerung der maximal erlaubten Flugzeit zweistrahliger Flugzeuge mit nur einem funktionierenden Triebwerk wurde ein drittes oder viertes Triebwerk allein aus Sicherheitsgründen immer unwichtiger.
Nach ursprünglich maximal 60 Minuten über 180 (1988), dürfen einige zweistrahlige Maschinen heute schon bis zu 240 Minuten entfernt von nächstmöglichen Ausweichflughäfen operieren. Damit ist heute nahezu die gesamte Erdoberfläche mit zweistrahligen Maschinen zu befliegen. Der Vorteil für vierstrahlige Maschinen, direktere Routen zu fliegen, existiert somit so gut wie nicht mehr.
Die Zukunft gehört im wichtigen Segment der mittelgroßen Langstreckenflugzeuge eindeutig den Twinjets. Sowohl der neue Airbus A350 als auch die Boeing 787 setzen auf zwei Triebwerke, auch für den extremen Langstrecken-Bereich.
Stand: 04.08.2010 - 6:41 PM Uhr
Quelle: airliners.de
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