
Achim schwenkt in den Formationsflug «Wirklich gleichberechtigter Partner»
© dpa /Wolfgang Kumm
Joachim Hunold in der Mitte zwischen American-Airlines-Präsident Tom Horton (li) und dem Vorstandsvorsitzenden von British Airways, Willie Walsh.
Air-Berlin-Chef Joachim Hunold schwenkt in den Formationsflug um. Nach Jahren der Expansion auf eigene Faust will sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nun dem weltweiten Luftfahrt-Bündnis Oneworld anschließen. Gemeinsam soll es nach der Branchenflaute wieder in die Offensive gehen - besonders im Ringen um Geschäftsreisende, die gern teurere Tickets buchen. Die Partner wittern auch neue Chancen im Revier des Konkurrenten Lufthansa.
Für Hunold ist es ein stolzer Moment, als er den bis Anfang 2012 geplanten Allianz-Beitritt am Dienstag in Berlin verkündet. Neben ihm, der einst als Kleinunternehmer mit zwei Maschinen anfing, sitzen British-Airways-Boss Willie Walsh und American-Airlines-Präsident Tom Horton und schwärmen von der gemeinsamen Zukunft. Erst Anfang Juni, bei der Jahrestagung des Weltluftfahrtverbands IATA in der deutschen Hauptstadt, sei man mit «Achim und seinem Team» ins Gespräch gekommen, erzählt Walsh. Am Montagabend wurden sich die Partner in spe dann über die Eckpunkte der Mitgliedschaft einig.
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Hunold schildert den Beitritt als «nächsten logischen Schritt» seiner Wachstumsstrategie. Nach dem Start als Charterflieger, der Expansion mit Billigflügen zwischen europäischen Städten und den Übernahmen der Gesellschaften dba und LTU beginne nun eben «Phase 4» in der über 30-jährigen Geschichte der Airline. Dabei hatte sich der hemdsärmlige Manager, der eigentlich am liebsten sein eigener Chef ist, zu Jahresbeginn noch reserviert gezeigt. Zusammenschlüsse mehrerer Airlines brächten schließlich auch «eine gewisse Inflexibilität», etwa bei der Preisgestaltung.
Die Oneworld-Offerte habe er angenommen, da Air Berlin in der Allianz ein «wirklich gleichberechtigter Partner» sein werde, sagt der 60-jährige Manager. British-Airways-Chef Walsh lobt denn auch, in Sachen Kostenkontrolle könnten alle Mitglieder etwas von dem Neuen lernen. Für Air Berlin, die Kritiker nach Rückschlägen wie der geplatzten Übernahme des Ferienfliegers Condor schon in Nöten sahen, bringt der Bündnis-Anschluss auch einen gehörigen Prestigegewinn - selbst wenn Oneworld mit 9.500 täglichen Starts die kleinste der drei Allianzen hinter der Star Alliance um die Lufthansa (21.200 Starts) und dem Bündnis Skyteam um Air France-KLM (13.000 Starts) ist.
Vor allem der Lufthansa könnte es die erweiterte Allianz künftig schwerer machen. Denn im Herzen Kontinentaleuropas sind die Oneworld-Mitglieder bisher nicht sehr stark vertreten. Air Berlin bringt nun ein Netzwerk von mehr als 150 Zielen in 40 Ländern und 28 Millionen Kunden ein. Die Mitglieder wollen sich gegenseitig mit Passagieren «füttern» und umwerben besonders Vielflieger auf Dienstreisen. Die künftige Kooperation sei ein Gewinn für alle, frohlocken Hunolds neue Partner auf dem Podium. «Außer für unsere Wettbewerber.»
Von Sascha Meyer, dpa
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