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Artikel vom 08.07.2011 0

75 Jahre Flughafen Frankfurt Eine Ausbau-Geschichte

Wachstum bei Passagieren und Fracht, neue Terminals und im Jubiläumsjahr eine neue Landebahn. Seit 75 Jahren wächst der größte Deutsche Airport in Frankfurt. Die Erweiterung war in den vergangenen Jahrzehnten von heftigem Widerstand begleitet.

Luftaufnahme der Start- und Landebahnen des Flughafens in Frankfurt am Main, aufgenommen am 17.04.2011.

Mehr als 50 Millionen Passagiere laufen jährlich durch die langen Gänge der Terminals am Frankfurter Flughafen zu ihren Maschinen oder zur Gepäckausgabe. Über 460.000 Starts und Landungen gab es im vergangenen Jahr, rund 2,2 Millionen Tonnen Fracht wurden umgeschlagen. Der Frankfurter Flughafen ist der größte in Deutschland, gehört global zu den Top Ten - und er wächst seit 75 Jahren.

Im 76. Jahr wird wieder eine Erweiterung fertig: Die neue, heftig umstrittene Landebahn Nordwest soll im Oktober in Betrieb gehen. Am Wochenende lud Flughafenbetreiber Fraport 80.000 Fußgänger zum Fest auf die neue Piste ein. Eine Jubiläumsfeier zum 75. Airport-Geburtstag im Juli soll es aber nicht geben.

Vor 75 Jahren, am 8. Juli 1936, landete auf dem Flughafen die erste Maschine vom Typ JU 52. Auf dem Rollfeld standen Nazigrößen zur Begrüßung, Hakenkreuzfahnen wehten, Hitlerjugend marschierte auf. Es war auch das Jahr der Olympischen Spiele in Berlin, wo sich der NS-Staat feiern ließ.

Stars der zivilen Luftfahrt waren damals Luftschiffe, die Passagiere und Post in tagelanger Reise bis nach Südamerika brachten. Im ersten Jahr seien insgesamt 58 000 Fluggäste in Frankfurt verzeichnet worden, berichtet Fraport in einem historischen Abriss. Die Luftschiff-Ära ging mit dem Unglück im amerikanischen Lakehurst 1937 zu Ende. Drei Jahre nach der Eröffnung übernahmen die Militärs den Flughafen, mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren sämtliche Einrichtungen der Luftwaffe unterstellt.

Militärs hatten insgesamt über zehn Jahre lang das Sagen: Nach dem Krieg, in dem 2000 Bomben auf das Gelände fielen und den Flughafen völlig zerstörten, übernahmen die amerikanischen Besatzer das Areal. Von der rasch wiederaufgebauten Rollbahn aus starteten während der sowjetischen Berlin-Blockade zwischen 1948 und 1949 die «Rosinenbomber» der US-Airforce und versorgten die Menschen im Westen der geteilten Stadt. 1955 erhielt die Bundesrepublik Deutschland die volle Lufthoheit wieder, die wiedergegründete Lufthansa nahm den Linienverkehr auf, Heimatflughafen wurde Frankfurt.

Die US-Luftwaffe blieb aber in Frankfurt und nutzte den Flughafen noch 50 Jahre lang weiter als Drehscheibe für den Transport von Soldaten und Material in die Kriegsgebiete im Kosovo und am Golf. Erst 2005 wurde die Air Base endgültig geschlossen.

Das stetige Wachstum des Airports wurde in den vergangenen Jahrzehnten von heftigem Widerstand begleitet: Der Bau der Startbahn 18 West, die 1984 in Betrieb ging, wurde zum Symbol für Bürgerprotest mit Demonstrationen und Dutzenden Klagen, aber auch für gewalttätige Krawalle. Drei Jahre nach Inbetriebnahme der Startbahn wurde immer noch protestiert, im November 1987 wurden bei einer Demonstration zwei Polizisten erschossen, der Schütze wurde 1991 verurteilt.

Zwei Bombenanschläge auf dem Flughafen innerhalb von sieben Wochen hielten die Polizei 1985 in Atem. Der Anschlag auf die US-Airbase mit zwei Toten und 16 Verletzten konnte der RAF zugeordnet werden. Eine Explosion in der Abflughalle mit drei Toten und 42 Verletzten wurde nie geklärt. Der jüngste Anschlag ereignete sich im März dieses Jahres, als ein junger Kosovo-Albaner vor einem Flughafen-Terminal zwei US-Soldaten erschoss.

Wirtschaftlich meldet Fraport immer neue Höchstmarken. Mit der neuen Landebahn und einem neuen Terminal soll die Zahl der Passagiere in wenigen Jahren bis auf 65 Millionen pro Jahr gesteigert werden.

Stand: 08.07.2011 - 5:45 PM Uhr

Quelle: Sabine Ränsch, dpa

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