Machtprobe überschattet Security-Verhandlungen

19.10.2018 - 14:47 0 Kommentare

Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln über einen Tarifvertrag für Luftsicherheitsassistenten: Der BDLS wies das geforderte Lohnplus zurück. Im Hintergrund kocht auch ein Konflikt zwischen Verdi und DBB.

Arbeit an der Fluggastkontrolle. - © © dpa -

Arbeit an der Fluggastkontrolle. © dpa

Im Ringen um einen Tarifvertrag für das Sicherheitspersonal an deutschen Flughäfen ist ein Streit zwischen den beiden konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und DBB ("Beamtenbund und Tarifunion") ausgebrochen. Nach airliners.de-Informationen lehnt Verdi die Konkurrentin mit ihrer Sparte Komba/VPS (Verband Private Sicherheit) ab.

So verweigere die Dienstleistungsgewerkschaft nicht nur die Zusammenarbeit mit dem VPS, sondern droht laut Verhandlungsteilnehmern im aktuellen Tarifstreit auch damit, die Gespräche mit dem BDLS (Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen) nicht fortzusetzen, wenn dieser weiter mit dem DBB verhandelt. Beide Gewerkschaften hatten in dieser Woche einen ersten Termin mit dem Arbeitgeberverband - für dieses Jahr sind noch jeweils drei weitere anberaumt.

DBB äußert Unverständnis

Dass Verdi die Rechtmäßigkeit des DBB anzweifelt, ist für diesen nicht verständlich: "Der VPS in der Komba hat bereits 2012 an den Entgelttarifverhandlungen Teil genommen und ist einer der Gründe für die Lohn-Korrektur und Konsolidierung der letzten Jahre", heißt es von diesem auf Anfrage.

Denn der DBB hatte bereits 2013 einen Manteltarifvertrag (MTV) mit dem BDSW abgeschlossen - dieser läuft jedoch Ende des Jahres aus. Im vergangenen Jahr spaltete sich der BDLS als eigene Einheit für die Sicherheit im Luftverkehr ab.

Verdi begründet Zweifel mit 2013er-Vorfall

Verdi bestätigt auf Anfrage die Differenzen im aktuellen Fall. "Wir sind irritiert, dass der BDLS auch mit dem BDD Verhandlungen führt", sagt Gewerkschafter Benjamin Roscher im Gespräch mit unserer Redaktion. "Immerhin hat dieser nur in wenigen Bundesländern lediglich Entgelttarifverträge abgeschlossen."

Zudem habe die Erfahrung gezeigt, dass der DBB von den Arbeitgebern immer wieder herangezogen wurde, "wenn wir von Verdi nicht genug einlenkten", konstatiert Roscher. "Das war beispielsweise 2013 in den Verhandlungen für die Beschäftigten am Airport Berlin-Tegel der Fall, als wir zum Streik aufrufen wollten." Am Abend vor dem Ausstand hätten die Arbeitgeber kurzfristig eine Einigung mit der Konkurrenz erzielt, "die uns dann unter Druck setzte".

Der BDLS spaltet damit bewusst die Belegschaft.

Benjamin Roscher, Landesfachbereichsleiter Berlin/Brandenburg

Der BDLS war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Jedoch hatte Verbandspräsident Udo Hansen schon vor den ersten Verhandlungsterminen in dieser Woche klargestellt, dass er die Forderungen nach Lohnerhöhungen von Verdi und DBB ablehne. Denn beide Gewerkschaften fordern bundesweit einen Stundenlohn von 20 Euro an den Passagierkontrollen - laut Hansen wäre das örtlich ein Plus von bis zu 30 Prozent.

Der DBB wird jedoch noch deutlicher und pocht zusätzlich auf die "Schließung der Lücke zwischen den Bereichen Paragraf 5 und Paragrafen 8 sowie 9". An den meisten Airport sind private Sicherheitsdienstleister mit den verschiedenen Kontrollen betraut: Paragraf 5 des Luftsicherheitsgesetzes regelt die Passagierkontrollen, acht die Personal- und Warenkontrollen und neun die Frachtkontrollen.

Da die Bereiche zum Teil mit unterschiedlichen Peaks zurecht kommen müssen (5er: Reisewelle morgens und abends - 8er: Schichtwechsel früh morgens und mittags), klagen die Unternehmen häufiger über erschwerte Personalplanung. Die Forderung des DBB nach mehr Durchlässigkeit zwischen den Kontrollen würde laut Beobachtern die Arbeitgeber finanziell begünstigen.

© dpa, Caroline Seidel Lesen Sie auch: Drei Wege für effizientere Kontrollen

Von: cs
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