Hintergrund

«Luxusprobleme»: Kritik an Pilotenstreiks wird lauter

30.09.2014 - 16:20 0 Kommentare

Die streikenden Piloten strapazieren die Nerven der Lufthansa-Planer und ihrer Fluggäste. Der Rückhalt im Unternehmen bröckelt und auch Fluggäste äußern Unverständnis.

Auf einer Krawatte ist das Logo der Vereinigung Cockpit zu sehen. - © © dpa - Arne Dedert

Auf einer Krawatte ist das Logo der Vereinigung Cockpit zu sehen. © dpa /Arne Dedert

Der Lufthansa-Manager ist empört, mehr eigentlich noch. «Ich habe in den letzten Wochen keinen einzigen Kollegen gefunden, der für das, was Sie hier anrichten, Verständnis hätte. Bilden Sie sich nicht ein, dass Sie noch Rückhalt in der Belegschaft hätten», hält er in einem Brief den streikenden Piloten aus der Vereinigung Cockpit (VC) vor. Abertausende Menschen würden quasi als Geiseln genommen, um die eigenen Luxusprobleme zu lösen, zürnt der Vertriebsmanager in seinem Schreiben, das seit Wochen im Unternehmen weitergereicht wird.

In gesetzteren Worten hat auch der Konzernausschuss der leitenden Angestellten an die Kapitäne und Co-Piloten appelliert, die aktuell fünfte Streikwelle die letzte sein zu lassen. «Kein Mitarbeiter in der gesamten Lufthansa Group hat eine vergleichbare Übergangsregelung», schreiben sie und nennen die Vorschläge des Unternehmens zu möglichen Übergangsregelungen «fair und sozialverträglich». Die Forderungen der VC zu den Übergangsrenten seien schwer nachvollziehbar und einen Streik mit Millionenschäden nicht wert. Die Gewerkschaft wirft der Lufthansa dagegen vor, immer noch kein «kompromissfähiges Angebot» vorgelegt zu haben.

Flugbegleiter distanzieren sich von Anti-Piloten-Demo

Ob im Unternehmen die Kritik am Vorgehen der VC überwiegt, ist von außen schwer abzuschätzen. So hatte sich die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo Mitte September umgehend von einer ungewöhnlich professionell organisierten Anti-Piloten-Demo vor der Lufthansa-Zentrale distanziert. «Wir halten ein solches Gegeneinander der Mitarbeiter für völlig inakzeptabel.»

Es gibt auch verständnisvolle Äußerungen, wie die einer Stewardess am Dienstag am Frankfurter Flughafen. «Mal hier einen halben Tag Streik, dann einen ganzen Tag, aber nur auf den Langstrecken. Ich frage mich, was diese punktuellen Ausstände bringen», sagt sie. Grundsätzlich unterstütze sie den Arbeitskampf der Piloten voll und ganz. «Sie kämpfen gegen den Abbau von Sozialleistungen. Wenn Sie verlieren, sind wir Flugbegleiter die Nächsten», ist sie überzeugt.

«Das ist eine große Sauerei»

Aufgefangen wird der Pilotenstreik in der mittlerweile fünften Welle erneut vom Bodenpersonal. «Wir haben ganz viel zu tun», sagt eine Check-In-Mitarbeiterin, die heilfroh ist, im Frankfurter Terminal endlich ihre Pause antreten zu können. Die Angestellten dürfen sich öffentlich nicht äußern, doch hinter vorgehaltener Hand machen manche ihrem Unmut über den Streik Luft: «Das ist eine große Sauerei. Ich finde das absolut unverständlich», ärgert sich die Kundenbetreuerin.

Die Streikmacht der Piloten hat ohnehin bereits deutliche Kratzer bekommen. Einen auf acht Stunden in Frankfurt beschränkten Streik allein auf der Langstrecke musste die VC vor zwei Wochen absagen, nachdem Lufthansa für alle Flugzeuge Ersatz-Crews besorgt oder die Abflüge aus der Streikzeit genommen hatte.

Auch mit 15 Stunden Streikzeit ist der Streikerfolg an diesem Dienstag nicht wirklich beeindruckend: 25 abgesagten Langstreckenstarts in Frankfurt stehen 32 Flieger gegenüber, die ihr Ziel voraussichtlich erreichen, wenn auch nicht immer zur ursprünglich geplanten Zeit. Neben Piloten aus dem Management finden sich auch immer wieder Freiwillige, die mit den Zielen der VC offenbar nicht einverstanden sind.

In den Frankfurter Abflughallen ist von dem scharfen Konflikt wenig zu spüren. Die Lufthansa hat Stände mit Snacks und kalten Getränken aufgebaut, doch der Andrang ist überschaubar. «Wir sind glücklicherweise nicht betroffen», sagt etwa Fluggast Gerhard Hutzelmeier. Er hat durchaus Verständnis für den Arbeitskampf der Piloten, ihre Altersvorsorge unangetastet zu lassen. «Ist doch klar, wenn Sie zu diesen Bedingungen in den Betrieb kommen, wollen Sie die auch behalten.» Sein Mitreisender Harald Loschke ist da skeptischer: «Heutzutage muss jeder länger arbeiten. Die Forderungen der Piloten sind vielleicht etwas aus der Zeit gefallen.»

Von: dpa
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