Belair kündigt Insolvenz an

15.08.2018 - 17:35 0 Kommentare

Der Neustart des Schweizer Ferienfliegers Belair ist gescheitert: Die ehemalige Air-Berlin-Tochter kündigt eine Insolvenzerklärung an - angeblich weil ein potenzieller Investor abspringt.

Archivfoto einer Belair-Boeing. - © © AirTeamImages.com - Wolfgang Mendorf

Archivfoto einer Belair-Boeing. © AirTeamImages.com /Wolfgang Mendorf

Ausgerechnet am Jahrestag der Air-Berlin-Insolvenz kündigt ein ehemaliges Tochterunternehmen der deutschen Fluggesellschaft erneut die Zahlungsunfähigkeit an: die Schweizer Belair. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, soll in dieser Woche eine Insolvenzerklärung abgegeben werden. Das habe der Verwaltungsrat beschlossen.

Dieser Schritt sei unvermeidlich, weil es in den vergangenen Monaten nicht gelungen sei, neue Investoren zu gewinnen und Zahlungen von künftigen Kunden zu erhalten, heißt es in der Mitteilung. Nun sei ein potenzieller Geldgeber kurzfristig abgesprungen. Belair konnte daher nicht die nötigen Finanzmittel nachweisen, um eine Betriebsgenehmigung vom schweizerischen Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zu erhalten.

Zeitweise mehr als 120 Beschäftigte

Wie viele Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen sind, teilte Belair zunächst nicht mit. Nach Angaben der Airline standen vor dem geplanten Neustart zeitweise 100 Beschäftigte beim fliegenden Personal bereit, über 20 seien mit den Vorbereitungen für den Flugbetrieb befasst gewesen.

Die Belair wurde im Januar von der Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft SBC übernommen - kurz bevor eine Auflösung der Airline drohte. Erste Verhandlungen soll es bereits im Herbst 2017 gegeben haben, sie waren aber an insolvenzrechtlichen Hürden gescheitert.

Neustart mit Condor-Auftrag scheiterte

Unter den neuen Eigentümern sollte Belair im Sommer wieder an den Start gehen - als Charter- und ACMI-Carrier mit zunächst drei Maschinen vom Typ A320. Der größte Teil der Kapazität sollte für Condor Wet-Lease-Flüge übernehmen.

Belair erklärt nun, es habe Ende April bereits einen Vertrag mit einem großen Kunden aus der Touristik gegeben, dessen Namen sie nicht nennt. Die vereinbarten Zahlungen seien aber nicht erfolgt - einer der Gründe für die Finanzschwäche.

Intensive Suche nach Investoren

Anfang Juli verschob die Airline ihren Neustart dann offiziell auf den Herbst. Gründe dafür wurden nicht genannt. Laut Presseberichten zog sich die Genehmigung beim BAZL in die Länge, weil Belair die nötige Liquidität nicht nachweisen konnte. Deshalb war das Unternehmen intensiv auf der Suche nach weiteren Investoren.

© AirTeamImages.com, HAMFive Lesen Sie auch: Offiziell: Ex-Air-Berlin-Tochter verschiebt Neustart

Belair ist eine Fluggesellschaft mit langer Tradition. Die ehemalige Swissair-Tochter gab es als "Balair" bereits seit den 1950er-Jahren. Nach dem Aus der Swissair gründete der Reiseveranstalter Hotelplan 2001 die Belair. 2009 übernahm Air Berlin den Carrier und verbannte den eigenen Markenauftritt ihrer Tochter. Fortan flogen die Belair-Flugzeuge ausschließlich im Auftrag der Mutter und waren äußerlich nur an den Schweizer Fahnen am Heck zu erkennen.

Von: pra
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