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Lufthansas Flynet-Internetzugang macht Spaß

12.12.2017 - 08:01 0 Kommentare

Internet im Flugzeug ist innerhalb Europas selten anzutreffen. Die Lufthansa hat beim Flynet viel richtig gemacht, findet unser Digital Passenger Andreas Sebayang. Leider hapert es noch an der Verfügbarkeit.

Der Flynet-Flyer informiert über das Internet-Angebot. - © © Andreas Sebayang - Andreas Sebayang

Der Flynet-Flyer informiert über das Internet-Angebot. © Andreas Sebayang /Andreas Sebayang

Ein vernünftiger Internetzugang im Flugzeug hat selbst für mich als technisch aufmerksamen Vielflieger noch immer Seltenheitswert. Lufthansas Flynet verspricht dabei im Vergleich zu manchen ziemlich dämlichen Angeboten recht viel: In drei Geschwindigkeitsstufen bietet die Lufthansa in ihren Mittelstreckenflugzeugen einen Zugang zum weltweiten Netz.

Auf einem Flug von Frankfurt am Main nach Barcelona konnte ich das System nun in einem Airbus A321 ausprobieren. Dabei hat die Crew vorbildlich darauf aufmerksam gemacht, welche Protokolle ich nutzen darf: W-Lan und das hier nicht relevante Bluetooth. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich technisch nicht ausreichende Flugmodus-Informationen noch kritisiert. Es fing also schon einmal gut an.

Drei Tarife für den Online-Zugang

Nachdem das Flugzeug die Reiseflughöhe erreicht hatte, wurde also flux das W-Lan aktiviert und drauflosgesurft. Zunächst gab es nur eine Warnung, dass der Zugang erst einmal nicht bereitsteht. Doch ein paar Minuten später konnte ich einen von drei Tarifen auswählen: "Flynet Message" für drei Euro, "Flynet Surf" für sieben Euro und "Flynet Stream" für zwölf Euro. Das gilt jeweils pro Flugsegment.

Mich interessierte vor allem, wie brauchbar der Mini-Tarif ist. Dieser bietet nur Geschwindigkeiten bis zu 150 Kilobit pro Sekunde. Das ist immerhin mehr als vor 15 Jahren zu ISDN-Zeiten mit Kanalbündelung. Die anderen Tarife bieten 600 KBit/s respektive satte 15 MBit/s im Maximum. Den Tarif dürften nicht allzu viele Passagiere gleichzeitig nutzen können.

Nach dem Auswählen geht es dann ans Bezahlen. Paypal, Kreditkarten und Meilen des Lufthansa-Vielflieger-Programms funktionieren. Da die Meilen für andere Dinge mehr wert sind, entschied ich mich für die Kreditkarte. Die Bezahlung läuft ab, wie zu erwarten ist, inklusive Abruf der CVC/CSC-Nummer.

© Screenshot: airliners.de, Retusche: Placeit.net Lesen Sie auch: So werden Internet und WLAN im Flugzeug verteilt Hintergrund

Als Anwender bekomme ich für den Zugang eine Username-Passwort-Kombination. Damit kann ich den gebuchten Tarif auch auf andere Geräte übertragen, was ich aber nicht tat. Hier hat aber auf jeden Fall jemand genau nachgedacht, was die Passagiere haben wollen könnten.

Ein kurzer Test mit der "Fast-App", die die Geschwindigkeit zu Netflix-Servern misst, ergab auf dem iPhone eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 KBit/s. Allerdings waren kurzzeitig Spitzen im Bereich von MBit/s zu sehen. Beim praktischen Surfen zeigte sich dann, dass mobile Webseiten durchaus mit etwas Geduld besuchbar sind. Es ist also nicht nur ein reiner Tarif fürs Chatten. Etwas problematisch sind allerdings Bilder auf den jeweiligen Seiten. An Videos ist natürlich nicht zu denken.

Viel besser als so manches Tunnel-Netz

Wie gut die Geschwindigkeit ist, zeigt sich an einem Vergleich mit der Berliner U-Bahn. Dort ist das Surfen eine regelrechte Qual. Mit Flynet Message hingegen funktioniert alles durchaus annehmbar, obwohl die technische Umsetzung in der Luft erheblich anspruchsvoller ist als in einem Tunnel.

Was ebenfalls gut mit Flynet geht und mich als Spieler erfreut: Clash of Clans und Clash Royale. Beide Spiele werden von Hotelnetzbetreibern und öffentlichen Hotspots gerne mal blockiert. Im Flynet funktionieren sie. Clash of Clans ist dabei sehr brandbreitenschonend. Selbst per GPRS lässt sich das Spiel noch spielen. Clash Royale braucht da etwas mehr. EDGE sollte es schon sein.

Die Netzreaktionszeit (Ping), bei solchen Spielen wichtiger als die Bandbreite, war dabei im Flugzeug überraschend gut. Eine leichte Verzögerung beim Setzen von Karten war durchaus spürbar, aber trotzdem noch besser als in der Berliner U-Bahn. Es hat Spaß gemacht, das war das Wichtigste.

Messaging funktioniert natürlich auch, wie ein kurzer Test mit iMessage ergab. Mit Bildern wird es natürlich etwas schwierig. Für mehr Tests war leider nicht genug Zeit. Mit einem guten Internet-Zugang vergeht die Zeit wie - nunja - im Fluge. Um alle Szenarien auszutesten fehlte auf dem kurzen Flug nach Barcelona schlicht die Zeit. Vermutlich wären fünf bis sechs Stunden Flugzeit am Stück für einen richtigen Test notwendig gewesen. Aber der kurze Eindruck ist auf jeden Fall gut und zeigt das Potenzial von Lufthansas Flynet.

Immerhin konnte ich noch die automatische Trennung miterleben. Zu beachten ist nämlich, dass die Verbindung zum Netz nach 15 Minuten Inaktivität getrennt wird. Das bekommt man als Passagier aber kaum mit und wundert sich, warum der Zugang plötzlich nicht mehr funktioniert. Hier greift zumindest unter iOS auch leider kein "Captive Portal" mehr, das einen zum erneuten Login auf die Flynet-Startseite leiten würde.

Ein gutes Angebot mit schwieriger Verfügbarkeit

Insgesamt ist Flynet ein gutes Angebot mit viel Potential. Die kluge Aufteilung in drei Geschwindigkeitsklassen sorgt für eine vernünftige Verteilung der Bandbreite in der Kabine. Ich schätze dass damit alle Zielgruppen gut zufriedengestellt werden können, auch wenn ich bisher nur den kleinsten Tarif testen konnte, der erstaunlich gut funktioniert. Die drei Euro ist es in Europa auf jeden Fall wert.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Wie das schnelle Internet ins Flugzeug kommt Hintergrund

Auf besonders kurzen Strecken lohnt sich das Angebot aber wohl kaum, auch wenn der Preis schön günstig ist. Wer von Frankfurt nach Berlin fliegt, wird mühe haben das System zu nutzen. Bis zur Reiseflughöhe vergehen durchaus zehn Minuten. Solange kann das System nicht genutzt werden. Bei der Landung müssen 15 Minuten abgezogen werden. Der Bezahlprozess braucht auch noch einmal wenige Minuten. Wenn dann der Flieger so richtig schön direkt fliegt, lohnt sich das für den Passagier nicht.

Ein bisschen problematisch ist noch die Verfügbarkeit. Von fünf Flynet-Flügen der vergangenen Monate funktionierte das System für mich nur in drei Fällen. Ganz unproblematisch ist der Dienst offenbar noch nicht.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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