Lufthansa-Zuschlag bedroht Zukunft der Air Berlin Technik

Exklusiv 12.10.2017 - 08:47 0 Kommentare

Die Air-Berlin-Aufteilung geht auf die Zielgeraden: Lufthansa bekommt wohl den Großteil der Konkurrentin. Dies könnte laut eines Insiders die Zukunft der ebenfalls insolventen Air Berlin Technik erheblich gefährden. 

Ein Flugzeug der A320-Familie von Air Berlin wird im Hangar gewartet. - © © Air Berlin -

Ein Flugzeug der A320-Familie von Air Berlin wird im Hangar gewartet. © Air Berlin

Während die Gespräche mit Lufthansa und Easyjet über eine Übernahme von Teilen der Air Berlin heute zu einem Abschluss kommen sollen, ist die Zukunft der Techniksparte des Pleite-Carriers weiterhin offen. Wie airliners.de aus Unternehmenskreisen erfuhr, will Lufthansa die Wartung der von LGW betriebenen 20 Flugzeuge des Typs Q400 konzernintern durchführen lassen und nicht auf die Dienste von Air-Berlin-Technik zurückgreifen. 

Die Wartung der 20 Maschinen sei aber für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Air-Berlin-Technik zumindest für ein Jahr notwendig, damit eine gewisse Grundauslastung gegeben sei und der Betrieb der Air Berlin Technik an den drei wichtigsten Standorten Berlin, Düsseldorf und München weitergehen könnte. 920 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. "Diesen Preis ist die Lufthansa offensichtlich bereit zu zahlen", sagte die Quelle.

Dabei habe Lufthansa Technik aktuell gar nicht die nötige Infrastruktur in Deutschland, die 20 Maschinen warten zu lassen, so der Insider. Mit dem Dash-Flugzeugtyp hantiert konzernweit lediglich die Austrian Airlines mit 18 Maschinen in Österreich. Dass das dortige Personal ausreicht, um auch die weiteren 20 Flugzeuge zu warten, schätzt der Insider als unwahrscheinlich ein.

Verhandlungen drohen zu scheitern

Bis Anfang der Woche habe man vielversprechende Verhandlungen mit einer Investorgruppe geführt – Medienberichte nennen hier ein Konsortium bestehend aus dem Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht und Nayak. Dann habe jedoch ein Lufthansa-Manager verkündet, die besagten Turboprop-Maschinen von der Kranich-Technik warten zu lassen. Nun drohen die Verhandlungen zu scheitern, weil der Wert der Air Berlin Technik erheblich geschmälert wurde, so der Insider. 

Air Berlin Technik hat ein eigenes Insolvenzverfahren beantragt. Die Bieterfrist für die Techniksparte ist bis zum kommenden Freitag (20. Oktober) verlängert worden. Die interessierten Investoren müssten zunächst "Klarheit über die Entwicklungen der Airline" haben, hieß es zur Begründung. Am darauffolgenden Dienstag (24. Oktober) soll der Gläubigerausschuss der Air Berlin Technik eine Entscheidung treffen.

Lufthansa und Air Berlin offenbar einig

Laut mehrerer Medienberichte vom Mittwoch ist sich Lufthansa mit Air Berlin einig geworden. "Der Deal steht", zitiert das "Handelsblatt" eine mit der Sache vertraute Person. Das Paket beinhalte demnach die Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sowie einige weitere Kurzstreckenmaschinen. Mit den Leasing-Gebern hat sich der Kranich-Konzern schon vor längerem abgestimmt. Am Mittag unterschreibt Lufthansa-Chef Carsten Spohr offenbar den Kaufvertrag.

© dpa, Lesen Sie auch: Spohrs Pläne für Air Berlin

Die Verhandlungen mit dem zweiten "bevorzugten Bieter", Easyjet, scheinen indes zu stocken. Dass ein Vertrag bis zum Ende der exklusiven Verhandlungen an diesem Donnerstag zustande kommt, sei unwahrscheinlich, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Laut der "B.Z." ist der ursprünglich für Freitag geplante Vertragsabschluss jedoch abgesagt und soll frühestens nächste Woche nachgeholt werden.

© dpa, Lesen Sie auch: Wenn Ryanair nicht mehr kann und Easyjet nicht mehr will Gedankenflug

Von: cs
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