«Balance zwischen Chancen und Risiken»

Lufthansa will aktive Rolle bei Marktkonsolidierung spielen

12.02.2008 - 12:42 0 Kommentare

Die Deutsche Lufthansa will bei der anhaltenden Konsolidierung des Airlinemarktes eine aktive Rolle spielen. Allerdings wolle man die Balance zwischen Chancen und Risiken halten, sagte der Vorstandsvorsitzende der größten deutschen Fluggesellschaft, Wolfgang Mayrhuber, am Donnerstag bei der Präsentation der Quartalszahlen in Frankfurt am Main. Seit geraumer Zeit wird spekuliert, dass Lufthansa andere Airlines wie Alitalia oder Iberia übernehmen könnte.

«Wir glauben, dass Konsolidierung sinnvoll ist und notwendig wird», sagte der Vorstandsvorsitzende weiter. Das Unternehmen sei weltweit gut aufgestellt und habe solide Finanzen. «Natürlich liegt auch in der Ruhe die Kraft, und ein nicht gemachter Deal kann ein guter Deal sein», sagte Mayrhuber mit Blick auf die derzeit im Angebot stehenden Fluggesellschaften wie Alitalia und Iberia.

Mayrhuber hält sich die Tür zu einem möglichen Gebot für die angeschlagene Fluglinie Alitalia dennoch weiterhin offen. "Unser Haus ist heute nicht in der Lage zu sagen, ob wir da ein Bid abgeben könnten oder nicht. Es gab eine Anfrage, aber wir haben keine Gespräche geführt". Von der Anfrage seitens Alitalia sei er nicht überrascht gewesen. Allerdings sei derzeit noch nicht einzuschätzen, ob die geplanten Sanierungspläne ausreichten. Die Investorengruppe um Baldassarre gehört wie die Lufthansa zu den von Alitalia genannten sechs potenziellen Käufern für den 49,9-prozentigen Staatsanteil an der italienischen Fluggesellschaft.

Bei der ebenfalls zum Verkauf stehenden spanischen Iberia will Mayrhuber abwarten, ob das Konsortium aus dem Finanzinvestor TPG und British Airways ein Gebot abgebe.

Lufthansa ist auf BMI-Übernahme vorbereitet

Die Lufthansa hat sich dagegen auf den Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an der britischen Fluglinie BMI bereits vorbereitet. In der Finanzplanung für die kommenden Jahre sei eine Position für die Anteile enthalten, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow am Donnerstag laut Redemanuskript in Frankfurt. Reserven für die Übernahme anderer Airlines seien in der Planung nicht enthalten.

Der derzeitige Mehrheitsaktionär verfüge über eine Put-Option gegenüber der Lufthansa. Die deutsche Airline hält 30 Prozent minus eine Aktie an BMI, 50 Prozent plus eine Aktie gehören BMI-Chef Michael Bishop. Die restlichen 20 Prozent gehören der skandinavischen Fluglinie SAS, die dafür einen Käufer sucht.

Keine Pläne für 'Bulgarianwings' oder 'Beneluxwings'

Der Lufthansa-Ableger Eurowings hat nach Konzernangaben keine Pläne zur Gründung weiterer Fluggesellschaften wie "Bulgarianwings" oder "Beneluxwings". Diese Namen habe sich die Airline nur vorsorglich gesichert für den Fall, dass das Geschäftsmodell ausgeweitet werde, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag in Frankfurt. Dass Eurowings sich derzeit mit Mitbewerbern über Markenrechte an der Endung "wings" streite, wie es in einem Pressebericht heißt, sei ein von den Betroffenen ausgelöstes "Feuerwerk".

Das "manager magazin" hatte berichtet, Eurowings habe einen Markenstreit mit kleineren Konkurrenten eröffnet. Die Muttergesellschaft des Billigfliegers Germanwings verlange derzeit von Mittelständlern, deren Firmennamen wie Eurowings den Bestandteil "wings" enthält, ihre Marke aufzugeben.

Die Bedrängten wollen sich dem Bericht zufolge juristisch gegen die Forderung von Eurowings wehren. Betroffen sind laut "manager magazin" der Geschäftsflugdienst Businesswings aus Calden, die Fluggesellschaft Blue Wings aus Bocholt und sowie der Frachtflieger Globewings aus Rheinmünster. Eine von Eurowings beauftragte Kanzlei solle Löschungsklage erheben, falls die Airlines der Forderung nicht Folge leisteten.

Condor-Markenrechte liegen nicht bei Lufthansa

Die Namensrechte an der Thomas-Cook-Tochter Condor liegen laut der Lufthansa bei dem Ferienflieger selbst. Mayrhuber trat Gerüchten entgegen, dass die Lufthansa über die Markenrechte an Condor verfüge, die nun von Air Berlin übernommen werden soll. Zwar habe Arcandor-Vorstand Thomas Middelhoff, dessen Unternehmen den Lufthansa-Anteil an dem Reiseveranstalter Thomas Cook übernommen hatte, angeboten, dass die Lufthansa die Condor-Markenrechte erhalten könne. Dies sei derzeit aber kein Thema.

Thomas Cook will seine Condor-Anteile in Air Berlin einbringen und künftig knapp 30 Prozent an der fusionierten Fluggesellschaft halten. Auch der Lufthansa-Anteil an Condor soll von Thomas Cook übernommen und in Air Berlin eingehen.

Nachtflugverbot und Flughafensystem Frankfurt

In der Debatte um ein Nachtflugverbot am größten deutschen Flughafen in Frankfurt bekräftigte Mayrhuber, dass die Lufthansa Nachts nicht komplett auf Flüge verzichten könne. Nach Unternehmensangaben würden im Jahr 2020 pro Nacht im Schnitt 41 Flugbewegungen in Frankfurt benötigt. Als «volkswirtschaftlich nicht tragfähig» nannte er Pläne, ein Flughafensystem von Frankfurt und dem rund 100 Kilometer entfernt liegenden Flughafen Hahn zu bilden. Dann könne man genauso gut auch ein Flughafensystem Frankfurt und Köln anstreben, weil es dort immerhin schon einen ICE-Bahnhof gebe.

Konzern meldet Rekordgewinn

Der Konzern hatte zuvor einen Rekordgewinn gemeldet. Von Januar bis September habe das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf 1,085 Milliarden Euro zugelegt, das Konzernergebnis habe sich auf 1,58 Milliarden Euro vervierfacht. Ein Grund für den Gewinnsprung sei eine einmalige Auflösung der latenten Steuerverpflichtungen von 211 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz war den Angaben zufolge um 16 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro gewachsen. Analysten hatten leicht schwächere Werte erwartet.

Zudem präzisierte die Lufthansa ihr Ergebnisziel für das Gesamtjahr. Statt der bisher in Aussicht gestellten «deutlich» über eine Milliarde Euro geht das DAX-Unternehmen nun von rund 1,3 Milliarden Euro aus. Die Lufthansa-Aktie stieg am Donnerstag um 0,5 Prozent auf 20,36 Euro.

Von: ddp, dpa
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