Lufthansa-Manager wirft Gründung einer neuen Airline in den Raum

Noch läuft die Schlichtung zwischen der Lufthansa und ihren Piloten. Doch deutlich höhere Kosten will der Vorstand auf keinen Fall akzeptieren - und denkt über einen radikalen Schnitt nach.

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. - © © dpa - Arne Dedert

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. © dpa /Arne Dedert

Die Lufthansa hat ihre Piloten vor den Konsequenzen eines zu hohen Tarifabschlusses infolge der laufenden Schlichtung gewarnt. Man müsse dann darüber nachdenken, anstehende Investitionen nicht mehr in die Lufthansa-Kerngesellschaft zu lenken, sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister. Neue Flugzeuge könnten unter Umständen künftig nicht mehr in ein System kommen, das seine Wettbewerbsfähigkeit verloren habe und nicht reformfähig sei.

Am Dienstag (31. Januar) soll die Schlichtung im Tarifkonflikt um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings enden. Ein Konzerntarifvertrag zwingt die Lufthansa Group, in den Maschinen der Kerngesellschaft ausschließlich Piloten nach diesem Tarifwerk zu beschäftigen.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sieht durch die Äußerungen Hohmeisters die Schlichtung beeinflusst. "Der Vorstand will offenbar den Schlichter einschüchtern, weil er der Kraft der eigenen Argumente nicht traut", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Das sei sicherlich nicht hilfreich.

Hohmeister denkt über neue Airline nach

Neu ankommende, eigentlich für Lufthansa vorgesehene Jets könnten in andere Konzerngesellschaften integriert werden, in denen der Konzerntarifvertrag der VC nicht gilt, sagte Hohmeister. Kurzfristig könne das über die Lufthansa-Schwestern Swiss und Austrian geschehen. "Man kann aber auch über eine Lufthansa-nahe Neugründung nachdenken. Da darf man dann vielleicht nicht Lufthansa draufschreiben, aber sicher etwas Ähnliches."

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Lufthansa und Piloten einigen sich auf Schlichter

Die Kerngesellschaft des Konzerns mit derzeit rund 330 Maschinen schrumpft bereits seit drei Jahren, weil viele Strecken auf die Billigtochter Eurowings übergingen und beim verbleibenden Interkontinental-Verkehr samt Zubringerflügen nach München und Frankfurt kein Wachstum mehr stattfand. Eine weitere Übertragung von Lufthansa-Flügen auf die Eurowings ist aber eher unwahrscheinlich, weil die beiden Systeme organisatorisch nicht miteinander verknüpft werden sollen.

Manager stellt klar: "Wir wollen das nicht"

Die Lufthansa hat jedoch bereits in der Vergangenheit unter dem Projektnamen "Jump" Langstrecken-Flugzeuge mit Piloten der Regio-Tochter Lufthansa Cityline besetzt, die weniger verdienen als ihre Kollegen. Diese im Vertrag vorgesehene Ausnahme könne man wieder forcieren und fünf bis sechs weitere Langstrecken-Maschinen so betreiben, sagte Hohmeister.

"Das reicht aber vielleicht nicht aus. Wir müssen auch über eine echte Alternative im Lufthansa-Kerngeschäft nachdenken." Als mögliche Größe der neuen Gesellschaft nannte er 30 bis 40 Maschinen. Nach jüngsten Angaben hat der Lufthansa-Konzern einschließlich 2016 über 250 Flugzeuge bestellt.

Das ist keine Tarifflucht, sondern das ist eine Flucht vor einem bislang nicht kompromissfähigen Tarifpartner.

Lufthansa-Manager Hohmeister

Der Konzern hatte den Piloten zuletzt 4,4 Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern bis Mitte 2018 angeboten - unabhängig von anderen ungelösten Tarifthemen wie die Übergangsversorgung oder die Betriebsrenten der Piloten. Die VC hat bei einer kürzeren Laufzeit bis Ende April 2017 Gehaltsverbesserungen von zusammen 22 Prozent verlangt. Darin enthalten sind Nachzahlungen für vier Jahre.

"Wenn man sich jetzt irgendwo dazwischen trifft, löst das zusätzliche Millionenkosten auf einem ohnehin bereits zu hohen Sattel aus", sagte Hohmeister. "In diese Plattform könnten wir nicht mehr investieren. Wir müssten die Investitionen anderswo hinlenken."

Er setze aber auf eine Lösung: "Um es klar zu sagen, eine solche Entwicklung wollen wir nicht. Wir wollen mit der Lufthansa wachsen, wir wollen gemeinsam mit den Tarifpartnern Lösungen finden, um das zu verhindern."

Ende vergangener Woche hieß es von Seiten der VC, dass man bei der Tarifschlichtung ein Ergebnis innerhalb des vorgesehenen Zeitplans anstrebe. Es werde intensiv gesprochen, sagte VC-Sprecher Markus Wahl. Eine Verlängerung der Frist über den bislang festgelegten 31. Januar hinaus sei nicht geplant, aber auch nicht völlig undenkbar.

Von: ch, dpa

Datum: 30.01.2017 - 09:21

Adresse: http://www.airliners.de/lufthansa-vorstand-piloten-gesellschaft/40630