Lufthansa verliert Gerichtsverfahren um Prämienticket-Verkauf

12.06.2013 - 14:56 0 Kommentare

Die Lufthansa hat einem Kunden die "Miles & More"-Mitgliedschaft gekündigt, weil er ein Bonus-Ticket verkauft hatte. Vor Gericht hat die Airline nun in zweiter Instanz verloren - die Konsequenzen könnten teuer werden.

'Miles & More'-Kreditkarte der Lufthansa - © © dpa - Jens Büttner

'Miles & More'-Kreditkarte der Lufthansa © dpa /Jens Büttner

Die Lufthansa hat sich vor Gericht mit einem Vielflieger gestritten und zunächst verloren. Der Vielflieger hatte aus Bonusmeilen ein Flugticket eingelöst und verkauft. Das war nach Ansicht der Airline unzulässig, weshalb ihm seine Mitgliedschaft im Vielfliegerprogramm "Miles & More" gekündigt wurde.

Das Oberlandesgericht Köln (OLG) hat nun entschieden, dass die Übertragungsbeschränkungen für Prämienmeilen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Lufthansa rechtswidrig sind. Der Kunde sei berechtigt gewesen, ein Prämienticket zu verkaufen. Die Lufthansa hätte ihm folglich auch nicht seine Mitgliedschaft im Vielfliegerprogramm entziehen dürfen, entschied das OLG am Mittwoch.

Die Lufthansa hatte argumentiert, dass der Kunde das Ticket zwar an Freunde oder Verwandte hätte verschenken, nicht aber verkaufen dürfe. Dagegen hatte der Kunde geklagt. In erster Instanz gab das Landgericht Köln der Lufthansa recht, doch im Berufungsverfahren entschied das OLG nun in wesentlichen Punkten anders. Eine Begründung dafür wurde noch nicht gegeben.

Tragweite des Urteils

Nach Ansicht der Kläger-Rechtsanwälte der Heidelberger Kanzlei RB Reiserer Biesinger sei nicht auszuschließen, dass sich künftig der Handel mit Bonusmeilen und Prämientickets etablieren könnte. Dies könnte dazu führen, dass in Zukunft kaum noch Bonusmeilen verfallen. Für den Fall, dass der Handel ein bedeutsames Volumen erlangen und es der Lufthansa nicht möglich wäre, geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten, bliebe abzuwarten, ob die Lufthansa ihre Rückstellungen für das "Miles & More"-Programm von derzeit ca. 1,8 Milliarden Euro signifikant erhöhen und vielleicht sogar nicht unwesentliche Umsatzeinbußen hinnehmen müsste.

"Das ist eine vergleichsweise schwierige Abwägegeschichte", sagte dagegen der Vorsitzende Richter Peter Thurn. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin bezieht sich das Urteil nur auf den Einzelfall. Andere Lufthansa-Kunden können demnach nicht ohne weiteres davon ableiten, das sie ihre Bonusmeilen-Tickets nun auch verkaufen dürfen.

Erst im Februar hatte ein Vielflieger in einem anderen Bonusmeilen-Streit einen Achtungserfolg erzielt: Die Lufthansa einigte sich mit ihm darauf, Änderungen ihres Meilensystems künftig mit einem Vorlauf von drei Monaten anzukündigen. Hierbei ging es um die Abwertung des Bonusmeilenkontos des Klägers.

Die Revision zur höheren Instanz wurde zugelassen. Die Lufthansa will den Fall nun "aller Voraussicht nach" vor den Bundesgerichtshof bringen. (Az.: 5 U 46/12, 5. Zivilkammer)

Von: dpa-AFX, airliners.de
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