Lufthansa treibt Umstellung von Germanwings auf Eurowings voran

26.10.2015 - 14:20 0 Kommentare

Sie hatte durchaus Erfolg, wird aber trotzdem verschwinden: Die Marke Germanwings. Der Lufthansa-Konzern will sie in der neuen Eurowings aufgehen lassen. Jetzt ist der nächste Schritt gemacht.

Die Marke Eurowings wird die Marke Germanwings ersetzen. - © © Eurowings -

Die Marke Eurowings wird die Marke Germanwings ersetzen. © Eurowings

Die Tage der Germanwings als eigenständig operierende Fluggesellschaft sind gezählt. Obwohl die Marke noch ein paar Wochen und die Schriftzüge auf den Flugzeugen vielleicht noch über Jahre zu sehen sein werden, ist das wesentliche Geschäft am Wochenende auf die Nachfolgerin Eurowings übergegangen.

Die bislang noch in Düsseldorf und bald in Köln beheimatete Lufthansa-Tochter wurde mit Beginn des Winterflugplans am 25. Oktober zum Vertragspartner der Germanwings-Kunden. Sie trägt zugleich die Hoffnungen des Konzerns, sich im Kampf gegen Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair behaupten zu können.

Germanwings übernahm Lufthansa-Flüge

Der Name Germanwings wird noch auf lange Zeit mit dem Absturz des Airbus A320 mit der Flugnummer 4U9525 verbunden werden. Der Markenwechsel aus unternehmensstrategischen Gründen war aber schon vor dem 24. März beschlossene Sache, so dass die Tragödie in den französischen Alpen den Umbau eher verzögert als beschleunigt hat.

Dabei hatte die 2002 als Billigflieger gegründete Germanwings in ihrer wechselvollen Geschichte zuletzt sogar Erfolge vorzuweisen. Seit 2012 hat sie von der Lufthansa schrittweise die bis dahin extrem defizitären Europaflüge abseits der Drehkreuze München und Frankfurt übernommen und ist zur drittgrößten deutschen Fluggesellschaft aufgestiegen.

Marktanteile der Airlines in Deutschland

nach wöchentlicher Sitzplatzkapazität

  1. Lufthansa: 973.000
  2. Air Berlin: 384.000
  3. Germanwings: 243.000
  4. Ryanair: 156.000
  5. Easyjet: 82.000
Quelle: ch-aviation/OAG, KW44/2015; Angaben gerundet

Sie ist stark an Flughäfen wie Stuttgart, Köln, Hamburg oder Berlin vertreten. Laut Lufthansa fliegt Germanwings wegen ihrer im Vergleich zur Mutter niedrigeren Kosten und mit ihrem Tarifsystem zudem in diesem Jahr erstmals einen Gewinn ein. Früher standen jährlich dreistellige Millionenverluste für die sogenannten dezentralen Verkehre in der Bilanz.

Hinter der neuen Eurowings stecken mehrere Airlines

In der Strategie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr spielt die Germanwings mit ihren derzeit noch 60 Airbus-Jets dennoch keine führende Rolle mehr. An ihrer Stelle machte er die bislang deutlich kleinere Schwestergesellschaft Eurowings zur Leitplattform eines neuen Billigfliegers.

Unter der Marke Eurowings will die Lufthansa nun billige Flüge in Europa und auf der Langstrecke anbieten. Dabei werden die Kapazitäten verschiedener Fluggesellschaften gebündelt. Ab Januar 2016 sollen die Airlines Germanwings, Lufthansa Cityline, Eurowings und die Langstreckenflotte der Sunexpress Deutschland unter der Marke Eurowings zusammen vermarktet werden. Außerdem laufen Gespräche mit Brussels Airlines und Air Dolomiti, berichtet das "Handelsblatt"

airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: Spohr: Eurowings könnte andere Fluglinien übernehmen

Die Folgen dieser Strategie: nach außen reduziert die Lufthansa mit der einen Marke Eurowings die Markenvielfalt im Konzern. Durch die intern deutlich komplizierteren Umschichtungen sollen aber vor allem Betriebskosten gespart werden.

So sind zum Beispiel die Betriebskosten bei Sunexpress - das deutsch-türkische Gemeinschaftsunternehmen wird die A330-Langstreckenmaschinen der neuen Eurowings bereedern - nach eigenen Angaben um 30 bis 40 Prozent niedriger als bei einem klassischen Legacy-Carrier.

Weitere Kosten werden auch durch die neuen Piloten-Stellen gespart. So verdient ein Co-Pilot der Eurowings laut "Handelsblatt" zunächst 44.000 Euro pro Jahr und nach zehn Jahren 58.000 Euro. Bei der Lufthansa selbst steigen Co-Piloten mit einem Gehalt von 65.000 Euro ein und kommen nach zehn Jahren auf 105.000 Euro. Ein Kapitän steigert sich bei der neuen Eurowings von 78.000 auf 102.000 Euro. Bei der Lufthansa reicht die Spanne im gleichen Zeitraum von 136.000 bis 189.000 Euro.

Piloten wehren sich - und werden gestoppt

Die Lufthansa-Piloten wollen jedoch mit aller Macht verhindern, dass schlechter bezahlte Piloten außerhalb des Lufthansa-Konzerntarifvertrags die Eurowings-Jets steuern. Doch die Pläne der Gewerkschaft Vereiniung Cockpit (VC) wurden gestoppt.

Das Landesarbeitsgericht Hessen erklärte den Pilotenstreik für rechtswidrig. Jetzt ist das das Verhältnis zwischen den Wings-Schwestern umgedreht: Flogen bislang die 23 Jets der Eurowings im Auftrag der Germanwings, ist es jetzt genau umgekehrt.

Und dann gibt es noch die Eurowings Europe in Wien

Die Marke Germanwings wird laut Lufthansa zum Januar aus Werbung, Internet und Vertrieb verschwinden. Die Flugzeuge werden den Schriftzug so lange tragen, wie ihre Crew noch zu Lufthansa-Tarifen fliegt, dann wird auf Eurowings umlackiert.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa startet Bereederung der neuen Eurowings

Die teuren, nach dem Konzernvertrag bezahlten Piloten sollen nach und nach auf freiwerdende Stellen bei der Lufthansa-Mutter wechseln, die Germanwings wird so über Jahre "abgeschmolzen", falls es nicht doch noch zu einer Einigung mit der VC kommt. Die freiwerdenden Flieger landen bei einer neuen Tochter, der in Wien beheimateten Eurowings Europe. Sie hat noch einmal niedrigere Tarifbedingungen als die deutsche Eurowings und soll im März mit zunächst fünf Jets in Kerneuropa starten.

Von: ch, dpa
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