Lufthansa beklagt Ufo-"Selbstzerstörung"

Lufthansa verlangt von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, sich neu aufzustellen. Vorher will der Konzern nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Weil Ufo Verträge gekündigt hat - was Lufthansa nicht anerkennt - kommt es aktuell gleich an mehreren Stellen zu Problemen.

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo © dpa /Frank Rumpenhorst

Die Lufthansa verlangt von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo eine völlige Neuaufstellung, bevor sie wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Eine reguläre Tarifarbeit sei derzeit ausgeschlossen, da die Ufo nicht unterzeichnungsfähig sei, schreibt der Konzern in einem Brief vom Freitag, der airliners.de vorliegt.

Im Zuge der Turbulenzen der letzten neun Monate bei der Ufo, die von Veruntreuungsvorwürfen, Hausdurchsuchungen, reihenweisen Rücktritten von Vorständen und Beiräten sowie dem Verlust hunderter Mitglieder geprägt war, zweifelt Lufthansa zudem die "tarifpolitische und demokratische Legitimation" der Gewerkschaft an.

Auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gewerkschaft stehe in Frage, schreibt die Lufthansa in dem Brief, der an die Ufo-Tarifkommission und das letzte verbliebene Vorstandsmitglied Silvia De la Cruz adressiert ist. Daher fehle aktuell jede Basis für eine belastbare gewerkschaftliche Arbeit.

Ufo ist mit einer einstweiligen Verfügung gescheitert

Aus Lufthansa-Sicht ist die Kündigung von Mantel- und Vergütungstarifvertrag durch die Gewerkschaft zum 1. Juli unwirksam, ebenso die des bereits zuvor zum 1. März gekündigten Tarifvertrages Saisonalitätsmodelle Kabine (SMK). Lufthansa zweifelt vor allem die Legitimität des ehemaligen Ufo-Vorsitzenden Nicoley Baublies an, da zum Zeitpunkt der Kündigung Alexander Behrens im Register des Amtsgerichts Darmstadt als Vorsitzender vermerkt gewesen sei.

Die Vorwürfe stehen bereits seit einigen Monaten im Raum und Ufo wollte sie gerichtlich ausräumen, scheiterte jedoch vor Gericht mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung. Damit bleiben die Tarifverträge aus Sicht der Lufthansa vorerst gültig, inklusive Friedenspflicht.

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Der Konzern warnt die Ufo daher nun davor, weiter mit öffentlichen Streikdrohungen zu hantieren. Diese seien unverantwortlich, da ein konkreter Streikaufruf unrechtmäßig wäre und zu Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe gegenüber der Ufo und arbeitsrechtlichen Konsequenzen für die beteiligten Flugbegleiter führen würde.

Auch begrenze laut Lufthansa das tariflich beschlossene jährliche Monitoring zur Kostensenkung in der Kabine mögliche Lohnsteigerungen auf maximal 1,8 Prozent pro Jahr. Alles was darüber hinausgehe, würde auf das Monitoring des Folgejahres angerechnet und müsste von den Flugbegleitern zurückgezahlt werden. Ein Streik sei auch daher nicht im Interesse der Mitarbeiter.

Lufthansa "erschrocken" über Ufo-"Selbstzerstörung"

Das gilt freilich nur, wenn Lufthansa nicht noch gerichtlich gezwungen wird, die Kündigung der Tarifverträge zu akzeptieren. Laut Ufo könnte das Monitoring für 2018 schon in diesem Jahr effektiv zu Lohnkürzungen für die Flugbegleiter führen, weshalb neue Vereinbarungen mehr als angezeigt seien.

Die Fronten sind also verhärtet, aber beide Seiten geben zu erkennen, dass sich auch künftig aufeinander angewiesen sind. So gibt sich Lufthansa in dem Schreiben "erschrocken" sei über die "Selbstzerstörung" der Gewerkschaft und betont, dass man die Vorgänge nicht mit Genugtuung verfolge.

Eine Lufthansa-Sprecherin betonte gegenüber airliners.de, dass man zur Tarifpartnerschaft stehe, schränkte jedoch ein: "Derzeit ist für uns nicht erkennbar, wann und wie Ufo ihrer Rolle als berechenbarer, konstruktiver Tarifpartner wieder gerecht werden kann. Wir können nicht die Arbeitsbedingungen von über 20.000 Flugbegleitern ausgestalten, wenn nicht einmal die Wirksamkeit geschlossener Verträge sichergestellt ist."

Man erkenne die Organisation der Ufo selbstverständlich weiter als legitimen Vertreter der Interessen der Kabinenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an, so die Sprecherin, erwarte jedoch, dass sich die Gewerkschaft schnellstmöglich wieder als berechenbarer Tarifpartner aufstellt.

Das wiederum passt aus Ufo-Sicht nicht zu der harten Haltung der Lufthansa, da die Legitimität des Verhandlungspartners eben nicht anerkannt werde.

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Die Gewerkschaft gehe mittlerweile davon aus, dass der Konzern alles unternimmt, um eine Gehaltserhöhung für die Flugbegleiter zu umgehen, sagt der stellvertretende Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr im Gespräch mit airliners.de.

Das will die Lufthansa-Sprecherin so nicht stehen lassen, denn egal wann die Gespräche wieder aufgenommen würden, die tarifliche Lohnentwicklung wäre auf jeden Fall Thema. Ein möglicher Abschluss gelte auch rückwirkend.

Flohr bescheinigt dem Kranich jedoch "Rücksichtslosigkeit" gegenüber den eigenen Mitarbeitern: "Was wir erleben ist beispielsweise die einseitige Beendigung von saisonalen Teilzeitmodellen durch die Lufthansa, ohne das adäquater Ersatz angeboten wird, eben weil gar nicht erst verhandelt wird." Mitarbeiter stünden vor der Entscheidung, ob sie ihr Studium oder ihren Job bei Lufthansa aufgeben müssten.

Auch an dieser Stelle weißt die Lufthansa-Sprecherin darauf hin, dass man die angesprochenen Teilzeit-Modelle gerne über Ende 2019 hinaus verlängert hätte, die Ufo jedoch im April nicht bereit oder in der Lage war, die entsprechenden Unterschriften zu leisten. Dass Mitarbeiter nun ihre persönliche Lebenssituation aufgrund des Versäumnisses neu ordnen müssten, bedaure man beim Kranich außerordentlich.

Aus Sicht der Gewerkschaft sind die von Lufthansa vorgebrachten Form- und Versäumnis-Fehler der Ufo eine "Unverschämtheit". Es sei ein Beweis für die "Arroganz" der Lufthansa gegenüber der Sozialpartnerschaft mit den Mitarbeitern, ständig auf Interna der Gewerkschaft abzustellen, die den Arbeitgeber nichts angingen. Das Ziel von Lufthansa sei eine "Nullrunde" für die Kabine, wofür ihr jedoch belastbare Argumente fehlten.

Vor allem den Einwand der Lufthansa, dass mit der Kabine vereinbarte Sparziele von fast 40 Millionen Euro nicht erreicht wurden, das umstrittene Monitoring, weshalb es keinen Spielraum für Tarif-Erhöhungen gebe, will man bei der Ufo nicht gelten lassen. Denn Lufthansa habe 2018 und 2019 wesentlich mehr neue Mitarbeiter für die Kabine eingestellt als die finanzielle Ziel-Vereinbarung vorsah, weshalb diese hinfällig wäre. Würde man den Lufthansa-Vorstellungen folgen, könnte das Gehalt für die Kabinenmitarbeiter in diesem Jahr sogar sinken. Mit diesem Vorgehen würden die Mitarbeiter maximal provoziert, man betrachte den Brief als "Kriegserklärung an jeden einzelnen Mitarbeiter".

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Ufo sagt Mitgliederversammlung nach Rücktritten ab

Von: dk

Datum: 14.06.2019 - 19:01

Adresse: http://www.airliners.de/lufthansa-ufo-verhandlungen/50556