Lufthansa rüstet sich für den Streik ihrer Piloten

01.04.2014 - 17:37 0 Kommentare

Die Lufthansa streicht wegen des ab morgen angekündigten Pilotenstreiks Tausende Flüge. Doch schon heute zeigt der Streik Wirkung. Die Pilotenvereinigung Cockpit findet den Umfang des drohenden Ausstands angemessen.

Die Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Geschichte.

Die Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Geschichte.
© dpa - Nicolas Armer

Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen Hamburg.

Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen Hamburg.
© dpa - Maja Hitij

Fluggäste stehen auf dem Flughafen in München vor Ticketschaltern der Lufthansa.

Fluggäste stehen auf dem Flughafen in München vor Ticketschaltern der Lufthansa.
© dpa - Nicolas Armer

Männer stehen auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München vor Bordkarten-Automaten.

Männer stehen auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München vor Bordkarten-Automaten.
© dpa - Nicolas Armer

Der drohende Streik der Lufthansa-Piloten lässt sich nach Einschätzung der Beteiligten nicht mehr aufhalten. «Ich glaub' nicht, dass wir jetzt vor dem Streik noch eine Einigung finden werden», sagte Lufthansa-Sprecherin Barbara Schädler heute dem ZDF. Ohnehin sei der Schaden für das Unternehmen bereits eingetreten. Ein so kompliziertes Netzwerk mit so vielen Flügen könne man nicht innerhalb eines Tages «hoch- und runterfahren», sagte Schädler.

Lufthansa hatte am gestrigen Montag auf die Androhung eines dreitägigen Streiks der rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten reagiert und für diese Woche rund 3800 Verbindungen gestrichen. Betroffen seien rund 425.000 Passagiere. In der engeren Streikzeit von Mittwoch bis Freitag sollen nur noch rund 500 kürzere Flüge stattfinden können.

Wegen des Streiks bei der Muttergesellschaft Lufthansa hat auch die Germanwings zahlreiche Flüge abgesagt. Von Mittwoch bis Freitag sollen von 1332 geplanten Flügen fast 700 ausfallen, kündigte die Lufthansa-Tochter heute in Köln an. Mehr als 600 Flüge sollten stattfinden. Diese Verbindungen werden von der nicht bestreikten Lufthansa-Tochter Eurowings geflogen. Die eigenen Piloten der Germanwings fallen unter den Lufthansa-Tarifvertrag und beteiligen sich an den Streik-Aktionen.

Auf weitere Streiks in den Osterferien will die Vereinigung Cockpit (VC) nach dem aktuellen Ausstand verzichten, wie VC-Sprecher Jörg Handwerg im rbb Inforadio bekräftigte. Er verteidigte das Ausmaß der Arbeitsniederlegung: «Nein, ein Streiktag hätte unserer Ansicht nach nicht gereicht.» Den Streitwert zwischen Piloten und Lufthansa hatte er auf etwa eine Milliarde Euro beziffert.

Streikanlass sind von Lufthansa einseitig gekündigte Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Offen ist zudem der Tarifvertrag zu den Gehältern, bei dem die VC ein Plus von knapp 10 Prozent verlangt.

© dpa Lesen Sie auch: Streikwillige Piloten legen sich mit Lufthansa-Eignern an

Der Pilotenstreik zeigt schon am heutigen Dienstag, 1. April, Wirkung, für den Lufthansa 67 Flüge abgesagt hat. Meist handelt es sich um Fernverbindungen, die am Mittwochmorgen in Frankfurt oder München landen sollten. Diese Maschinen würden Passagiere auf einen bestreikten Umsteigeflughafen bringen, von dem sie nicht weiterkommen, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Von daher verzichte man auf diese Flüge. Auch etliche Frachtflüge der ebenfalls bestreikten Lufthansa Cargo wurden bereits abgesagt.

Die Passagiere buchten heute massenhaft ihre Verbindungen um. Die Lufthansa bietet Umbuchungen auf andere Termine, die Bahn und andere Fluggesellschaften an. Auch die nicht bestreikten Konzerntöchter Swiss und Austrian bringen ein wenig Entlastung, indem sie auf den von ihnen bedienten Hauptstrecken etwa von Wien und Zürich nach Frankfurt größere Flugzeuge einsetzen.

© dpa Lesen Sie auch: Streiks und Warnstreiks bei der Lufthansa

Die Bahn hält Reservezüge samt Personal an wichtigen Bahnhöfen bereit. Wie ein Sprecher am Dienstag sagte, sind je nach Wochentag ein bis zwei Dutzend IC- und ICE-Züge dafür frei.

Lufthansa hat eine Liste mit rund 3800 gestrichenen Flügen am Montagabend ins Netz gestellt und nach eigenen Angaben zudem rund 150.000 personalisierte SMS und E-Mails an registrierte Kunden verschickt. «Ähnlich wie beim Verdi-Streik in der vergangenen Woche werden nur sehr wenige unvorbereitete Passagiere an die Flughäfen kommen», sagte der Lufthansa-Sprecher. Dennoch habe man die Beraterteams in den Terminals sowie das Personal an den Schaltern verstärkt.

Vorbereitungen in Frankfurt und München laufen auf Hochtouren

An den wichtigen Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München laufen die Vorbereitungen unterdessen auf Hochtouren. Man bereite sich insbesondere darauf vor, dass im Transitbereich gestrandete Passagiere längerfristig versorgt werden müssten, sagte ein Sprecher des Frankfurter Betreibers Fraport am Dienstag. Dazu gehören Schlaf- und Waschmöglichkeiten sowie Nahrungsmittel und Getränke.

An beiden Flughäfen wird angesichts vorangegangener Streik-Erfahrungen nicht mit einem Chaos gerechnet. «Wir wissen sehr frühzeitig über die Flugausfälle Bescheid und damit auch die Passagiere», sagte ein Sprecher des Münchener Flughafens. Die meisten würden vermutlich die Reise zum Airport gar nicht erst antreten.

Kein Verständnis für den Ausstand

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens bezeichnete es als schwer nachvollziehbar, dass die Vereinigung Cockpit (VC) beim gegenwärtigen Verhandlungsstand zu einem dreitägigen Vollstreik aufrufe. «Wir haben sowohl für eine verbesserte Vergütung als auch für eine künftige Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Flugdienst gute Angebote gemacht», sagte Volkens laut einer Mitteilung.

Kritik an den Pilotenstreiks übte unter anderem der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). "Nachdem erst am vergangenen Donnerstag der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst für massive Beeinträchtigungen im Luftverkehr gesorgt hat, drohen nun durch den Pilotenstreik bei der Lufthansa bereits die nächsten Flugausfälle und damit erneut finanzieller und Imageschaden für die deutsche Tourismuswirtschaft", so BTW-Präsident Michael Frenzel.

Er appellierte an die Politik endlich einen Rahmen zu schaffen, der die dauerhafte Streikgefahr auf ein verträgliches Maß reduziere. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei aus Sicht des BTW die schnelle Rückkehr zur Tarifeinheit. So könnte der Zersplitterung in immer mehr Spartengewerkschaften und damit der Zahl möglicher Streiks entgegengewirkt werden.

Alles zum aktuellen Pilotenstreik finden Sie auf unseren Sonderseiten unter www.airliners.de/thema/pilotenstreik.

Von: dpa, airliners.de
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