Ankündigung "mit ein paar Stunden Vorlauf"

Lufthansa: Streik ab Donnerstag möglich

29.08.2012 - 16:59 0 Kommentare

Bei der Lufthansa hat der Nervenkrieg um punktuelle Streiks der Flugbegleiter begonnen. Die Gewerkschaft UFO hat für Mittwoch Entwarnung gegeben, legt sich aber weiterhin nicht fest.

Flugbegleiter der Lufthansa stehen während eines Warnstreiks im Januar 2009 vor einem Eingang für Lufthansa-Bedienstete.  - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Flugbegleiter der Lufthansa stehen während eines Warnstreiks im Januar 2009 vor einem Eingang für Lufthansa-Bedienstete. © dpa /Frank Rumpenhorst

Mit den Streiks bei der Lufthansa wird es ernst: Von diesem Donnerstag an müssen sich Europas größte Fluggesellschaft und ihre Passagiere auf den Ausstand der Flugbegleiter einstellen. Sechs bis sieben Stunden Vorwarnzeit werde es für die Passagiere geben, sagte UFO-Tarifvorstand Olaf Bödecker am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. "Es kann noch ein, zwei Tage dauern, es kann auch morgen losgehen", sagte er.

Für die Lufthansa-Aktie sahen die Anleger angesichts der Unsicherheiten rot. Mit einem Minus von 1,52 Prozent bildete die Aktie am Nachmittag das Schlusslicht im Leitindex Dax , nachdem sie bereits in den vergangenen Tagen spürbar an Wert verloren hatte.

Jeden Tag Millionenverluste

Ein Großstreik würde für Lufthansa täglich Schäden in Millionenhöhe bedeuten, hatte Passagevorstandsmitglied Peter Gerber am Dienstagabend gesagt. Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher schätzt, dass jeder Streiktag der Fluggesellschaft einen mittleren einstelligen Millionenverlust einbrockt.

Derweil laufen die Vorbereitungen für den Streikfall auf Hochtouren. Bereits die bloße unbestimmte Ankündigung habe die Passagiere verunsichert, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Dann komme es üblicherweise auch zu Umbuchungen oder Stornierungen, die sie aber derzeit nicht beziffern könne. Auch zu Einzelheiten der Vorbereitungen wollte sie sich nicht äußern.

Kein Streik bei den Töchtern

Man sei durchaus optimistisch, dass auch im Streikfall eine ganze Reihe von Flügen stattfinden könne, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. So würden die Töchter Cityline, Eurowings und Germanwings nicht bestreikt. Voraussichtlich würden auch nicht sämtliche Lufthansa-Flüge ausfallen.

Die Gewerkschaft plant zunächst an einzelnen Standorten in Deutschland punktuelle Arbeitsniederlegungen, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell auch andernorts Auswirkungen haben könnten. Zudem sind wegen der gestörten Umläufe auch längerfristige Probleme selbst nach einem kurzen Streik kaum vermeidbar.

Streikbrecher befürchtet

Die Ufo-Verantwortlichen rechnen mit dem Einsatz von Streikbrechern. "Lufthansa wird sich wahrscheinlich im europäischen Ausland umsehen", sagte Bödecker. Er rechne aber nicht damit, dass eine nennenswerte Anzahl von Ersatzkräften gefunden und eingesetzt werde. Das hätten schon die Rekrutierungsprobleme bei der Suche nach Leihstewardessen in Berlin gezeigt. Intern gebe es einen starken Zuspruch für den Streik: "Alle sind hochmotiviert und warten auf den Startschuss." Lufthansa soll ein verbessertes Angebot vorlegen, verlangte Baublies. "Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade."

Die Lufthansa werde alle technischen Möglichkeiten nutzen, ihre Kunden über mögliche Flugausfälle zu informieren, sagte Bartels. Im Streikfall werde das Unternehmen die Fluggäste auf verschiedenen Kanälen benachrichtigen und ihnen möglichst alternative Reisemöglichkeiten anbieten. Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften oder die Bahn seien möglich. Selbstverständlich werde auf Wunsch auch der Ticketpreis für ausgefallene Flüge erstattet.

Verhandlungen gescheitert

In der Nacht zum Dienstag waren langwierige Verhandlungen gescheitert. Ufo hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen verlangt. Die Gewerkschaft will zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die von der Lufthansa angestrebte Direktflugtochter mit damit verbundenen Einkommenseinbußen verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten. Lufthansa hatte nach Angaben des Personalvorstands Peter Gerber Lohnerhöhungen und eine tarifliche Absicherung der Mitarbeiter angeboten. Mittelfristig müssten aber Kostenabsenkungen herauskommen.

Die Verhandlungspartner wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für das Scheitern der Gespräche zu. Die Gewerkschaft Ufo organisiert nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa. Bis auf einige Warnstreikaktionen im Jahr 2009 hat die Kabinenbelegschaft noch nie gestreikt, so dass laut Baublies ausreichende Mittel für einen längeren Arbeitskampf vorhanden seien.

Von: dpa, dapd
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