Air France-KLM unterbreitet unverbindliches Angebot

Lufthansa steigt aus Bieterwettstreit um Alitalia aus

12.02.2008 - 12:49 0 Kommentare

Die Deutsche Lufthansa will derzeit nicht für die Übernahme der Alitalia bieten. «Lufthansa gibt auf Basis der derzeit vorliegenden Erkenntnisse und Informationen kein Angebot ab», sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Frankfurt. Zuvor seien Chancen und Risiken sorgfältig geprüft worden. Die Air France-KLM hat dagegen ein unverbindliches Angebot im Bietverfahren um den Einstieg bei der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft eingereicht.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte, für eine Übernahme würden der interessante Markt in Italien, das gute Management und das ausgebaute Netz der Alitalia sprechen. Nachteilig sei aber die Finanzplanung und der drohende Verlust der guten Bonitätseinstufung der Lufthansa im Fall einer Übernahme. Alitalia häuft bereits seit Jahren massive Verluste an und gilt als Sanierungsfall.

Der Vorstand habe sich am Donnerstag gegen ein Gebot entschieden, da die Nachteile größer als die Vorteile seien, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels am Donnerstag in Frankfurt am Main auf Anfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Laut einem Bericht des «Handelsblatts» (Donnerstagausgabe), das sich auf Konzernkreise beruft, hatte sich Lufthansa-Vorstand Wolfgang Mayrhuber für ein unverbindliches Gebot für Alitalia ausgesprochen. Bei einer ordentlichen Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend sei er jedoch auf Widerstand gestoßen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber und Vertreter der Arbeitnehmerseite hätten eher gegen eine Übernahme votiert.

Air France-KLM will Alitalia übernehmen

Air France-KLM sieht das anders. Man habe einem "wichtigen Partner" einen Vorschlag gemacht, wie Alitalia den heimischen Markt zurückerobern könne, teilte Air France-KLM am Donnerstag in Paris mit. Demnach würde der Flughafen Rom-Fiumicino wie Paris-Roissy und Amsterdam-Schiphol zu einem weiteren Drehkreuz werden, zahlreiche Direktverbindungen von und nach Mailand würden garantiert und die Angebote vor allem für Geschäftsreisende verbessert.

Alitalia ist seit Jahren in schweren Turbulenzen. Von 1996 bis 2006 häufte die Fluggesellschaft laut Wirtschaftsministerium in Rom 3,1 Milliarden Euro Verluste an, der Staat musste Milliarden zuschießen. Seit Monaten versucht er, seinen 49,9-Prozent-Anteil zu verkaufen. Eine erste Bieterrunde war im Juli gescheitert, weil sich alle Bieter wieder zurückzogen. Neben Air France-KLM hat bereits die italienische Fluggesellschaft Air One ihr Kaufinteresse bekundet. Auch die Lufthansa soll interessiert sein. Die Frist für unverbindliche Gebote sollte am Donnerstag auslaufen.

Auch Air One und Konsortim um Baldassare weiter im Rennen

Im Bieterverfahren um die angeschlagene Fluglinie Alitalia hat sich nach Air France-KLM und der italienischen Air One ein weiterer Interessent gemeldet: Der Jurist und frühere Chef des Staatsfernsehens RAI, Antonio Baldassare, erklärte am Donnerstag, gemeinsam mit einem Konsortium aus kleineren Unternehmen ebenfalls mitbieten zu wollen. «Wir haben ein Angebot abgegeben und denken, dass wir weiter im Spiel sind», zitierte die Nachrichtenagentur Ansa Baldassare. Alitalia hatte den früheren Richter Anfang November zunächst von dem Verfahren ausgeschlossen, weil sein Konsortium nicht die nötigen Voraussetzungen mitbringe.

Mehr zum Thema im airliners.de Magazin:

Von: dpa, AFP
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