Lufthansa fordert weniger Slots für vier Airports

28.09.2018 - 11:01 0 Kommentare

Lufthansa verschärft den Ton in der Diskussion um die Verspätungsproblematik und richtet einen Appell an die Bundesregierung. Experten sehen in der Forderung andere Beweggründe als offiziell angegeben.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr.
© dpa - Daniel Bockwoldt

Eine A380 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist die Heimatbasis der Kranich-Airline.

Eine A380 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist die Heimatbasis der Kranich-Airline.
© AirTeamImages.com - Felix Gottwald

Der Streit zwischen Lufthansa und den großen deutschen Verkehrsflughäfen eskaliert weiter. Laut eines Berichts der "Wirtschaftswoche" hat sich das Kranich-Management jetzt in einem dringenden Appell an die Bundesregierung gewendet. Der Kranich fordert die stündlich erlaubten Starts und Landungen an den vier verkehrsreichsten deutschen Airports zu reduzieren - das könne auch "für einen begrenzten Zeitraum von zum Beispiel 24 Monaten" passieren.

In dem Schreiben schlägt Lufthansa konkrete Lösungen für die Airports Frankfurt, München, Berlin-Tegel und Düsseldorf vor. In Frankfurt und München sollen stündlich erlaubte Starts und Landungen um jeweils zwei Flugbewegungen gesenkt werden.

Tageseckwerte für vier Flughäfen

In Frankfurt wären dann noch 102 statt 104 Flugbewegungen erlaubt sein, und in München würde sich die Zahl von 90 auf 88 reduzieren. Gleichzeitig sollen Tageseckwerte eingeführt werden: 1560 tägliche Starts und Landungen in Frankfurt und 1260 für München.

Für Berlin und Düsseldorf fordert der Kranich zwar "keine Absenkung je Stunde", dafür sollen aber ebenfalls die Tageseckwerte gedeckelt werden. In Berlin-Tegel sollen noch 690 Starts und Landungen am Tag erlaubt sein und für Düsseldorf schlägt die Lufthansa maximal 590 Flugbewegungen vor.

Verkehrsvolumen übersteigt Luftraumkapazitäten"

Lufthansa begründet ihr Vorgehen damit, dass die "aktuelle Pünktlichkeitssituation" für alle Beteiligten nicht mehr tragbar sei. Denn "nicht mehr nur zu Spitzenzeiten zeigen sich die Engpässe am Boden mit langen Schlangen an Sicherheits- und Passkontrollen". Außerdem müssten Flugzeuge auf freie Parkpositionen warten und würden dadurch verspätet abgefertigt. Grundsätzlich sei das vorhandene Verkehrsvolumen mit den bestehenden Luftraumkapazitäten nicht mehr zu bewältigen.

ADV-Präsident und Fraport-Chef Stefan Schulte lehnte jüngst die von Lufthansa-Chef Carsten Spohr unterbreiteten Vorstöße für eine Kapazitätsbegrenzung ab. Es sei grundsätzlich "kein Ausweg aus dem von Reisenden viel beklagten Flugchaos des Sommers, weniger Flugzeuge landen zu lassen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Eine Eckwertereduzierung wäre in Frankfurt nicht die richtige Antwort auf die Erfahrungen dieses Jahres."

Bundesregierung lädt zum "Luftfahrtgipfel"

Gleichzeitig pocht Schulte auf eine gemeinsame Lösung als Lehre aus dem Sommer, der von massiven Verspätungen geprägt war. Es sei "nie sinnvoll, nur punktuell anzusetzen, wenn es ein generelles Problem in ganz Europa gibt". Hier sieht er auch die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Nach zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen im zurückliegenden Sommer trifft die Luftfahrt-Branche am 5. Oktober in Hamburg mit Vertretern des Bundes und der Länder zusammen, um Lösungen zu finden. "Das, was dieses Jahr gelaufen ist, darf nicht Routine werden und wird sich nicht wiederholen", versicherte Schulte.

Experte sieht "taktisches Manöver"

Luftfahrt-Experte Manfred Kuhne sieht in der geforderten Slot-Reduzierung ein rein taktisches Manöver der Lufthansa mit dem Ziel der Konkurrenz den Marktzugang zu erschweren. "Sie hat an Slots was sie braucht und sichert sich notfalls weitere interessante Slots durch Einsatz kleinerer Flugzeuge. Flughafenausbau befürwortet sie nur, wenn es ihren eigenen Erfordernissen entspricht", so Kuhne.

Gleichzeitig mahnt der Experte an, dass Deutschland ohne jeden Zweifel eine erfolgreiche und starke Lufthansa brauche. Dennoch solle die Politik jedoch das übergeordnete volkswirtschaftliche Ziel, durch ihr Handeln vorrangig den volkswirtschaftlichen Nutzen für das Land zu mehren, im Auge behalten.

Neuer Druck auf Fraport

Vermutlich um nach Schultes Absage für Spohrs Idee den Druck auf den ADV-Präsidenten und Frankfurt-Chef noch weiter zu erhöhen, hatte Lufthansa am Donnerstag eine Verlagerung weiterer Maschinen weg vom Heimat-Hub am Main bekannt gegeben.

© AirTeamImages.com, Denis Roschlau Lesen Sie auch: Lufthansa zieht weitere Jets in Frankfurt ab

Fest steht, dass "ein Großteil der A340-600-Flotte" von Frankfurt nach München wechseln soll. Mehrere Jets dieses Typs waren erst im Sommer als Ausgleich für den Abzug von A380-Doppelstöckern von Bayern nach Hessen gewechselt. Gleichzeitig machte Lufthansa klar, dass "perspektivisch ab 2020" auch weitere A380-Jets von Frankfurt nach München gehen könnten. Zudem sei noch nicht entschieden, wo die zwischen 2020 und 2025 in den Dienst tretenden Boeing-777-9-Maschinen zum Einsatz kommen.

Von: br
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Fraport-Chef Schulte reagiert auf Spohr-Vorschlag

    Lufthansa-Chef Spohr bringt als mögliche Antwort auf die Probleme im Luftverkehr eine Deckelung der Eckwerte ins Gespräch. Fraport-Chef Schulte erteilt dem eine Absage und skizziert, wann Frankfurt wie wachsen will.

    Vom 13.09.2018
  • Die Chefs der vier größten deutschen Flughäfen haben sich in einem Brief an Bundesverkehrsminister Scheuer gewandt. Airport-Chefs stellen sich gegen Lufthansa-Plan

    Vor dem Luftfahrtgipfel wenden sich die Chefs der vier größten deutschen Airports in einem Brief an den Bundeswirtschaftsminister. Die Forderung: Dem Lufthansa-Plan nach einer Slot-Reduzierung eine Absage erteilen.

    Vom 05.10.2018
  • Das erwartet die Branche vom Gipfel

    Luftfahrtgipfel in Hamburg: Die Branche diskutiert die Probleme des Sommers. Der BDL ist die Stimme vieler Akteure - und sieht Handlungsbedarf bei Unternehmen und Politik.

    Vom 04.10.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Flughafen Frankfurt Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »