Konkretisierte Sparpläne Lufthansa reduziert First-Class-Angebot

23.04.2012 - 07:44 0 Kommentare

Der immer härtere Wettbewerb zwingt die Lufthansa zu einem strikten Sparkurs – nun hat die Fluggesellschaft ihre Pläne konkretisiert. Auf der Streichliste stehen neben dem Aus für die First-Class auch Flottenumstrukturierungen und offenbar Lohnkürzungen.

Boeing 747-400 der Lufthansa im Steigflug - © © Lufthansa - Ingrid Friedl

Boeing 747-400 der Lufthansa im Steigflug © Lufthansa /Ingrid Friedl

Die Eckdaten für das Programm mit dem Namen "Score" hatte Lufthansa-Chef Christoph Franz schon im Februar genannt. Im Jahr 2015 sollen die Kosten von Europas größter Fluggesellschaft um 1,5 Milliarden Euro niedriger liegen als noch 2011. Nun ist klar: Zu den 1,5 Milliarden Euro soll die Kernmarke Lufthansa alleine 900 Millionen beitragen – davon 600 Millionen Euro durch Einsparungen und 300 Millionen Euro durch höhere Erlöse.

Unter den Mitarbeitern herrsche weitgehend Einigkeit darüber, "dass ein simples 'weiter so' für eine stabile und sichere Zukunft unseres Unternehmens nicht reichen wird", heißt es in dem AFP vorliegenden Brief von Passagier-Vorstand Carsten Spohr, der nach Angaben eines Konzernsprechers am Freitag an die Mitarbeiter der Lufthansa verschickt wurde.

Die Airline arbeite unter "erschwerten Rahmenbedingungen", erklärte Spohr und verwies auf die Luftverkehrsteuer, den Emissionshandel und die Nachtflugverbote sowie die immer stärker werdende Konkurrenz durch Billigflieger und die zunehmend auf den Markt drängenden Fluggesellschaften aus den Golf-Staaten. Der Lufthansa-Konzern hatte im vergangenen Jahr insgesamt einen Verlust von rund 13 Millionen Euro gemacht.

"Unsere Rendite ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken", schreibt Spohr. "Im Jahr 2011 haben wir gerade noch ein Prozent unseres Umsatzes (...) als Gewinn erwirtschaften können. Dass diese Marge in einer so investitionsintensiven Branche wie dem Luftverkehr nicht ausreicht, bedarf keiner weiteren Erläuterung."

Der Vorstand habe sich deshalb drei Ziele gesetzt, erklärte Spohr: Zum einen wolle die Lufthansa in den Märkten in, von und nach Europa ihre Marktanteile sichern. Zudem sollten über 25 Jahre alte Flugzeuge nicht mehr eingesetzt werden, unter anderem, um den Treibstoffverbrauch zu senken. Drittens wolle das Unternehmen trotz der erforderlichen Milliarden-Investitionen in neue Flugzeuge nicht zu hohe Schulden machen.

Der Brief führt zehn Maßnahmen auf, mit denen die Kranich-Linie den Gewinn ab 2014 deutlich steigern will. "Das wird jetzt nach und nach alles beschlossen und umgesetzt", sagte der Lufthansa-Sprecher AFP.

Vorgesehen ist demnach unter anderem die Streichung verlustbringender Strecken. Ein wichtiger Teil des Sparpakets besteht zudem in der organisatorischen Zusammenlegung des Geschäfts außerhalb der Drehkreuze München und Frankfurt mit der konzerneigenen Billigtochter Germanwings. Hier könnten einem Sprecher zufolge Aufgaben wie Verwaltung oder Buchungsplanung gemeinsam erledigt werden. "Wie die Flieger dann lackiert sind, ist aber noch nicht entschieden", sagte der Sprecher.

Die Anzahl der Flugzeuge soll entgegen bisheriger Planungen bis 2014 nicht steigen. Die Boeing-737-Flotte soll voraussichtlich 2016 ausgemustert werden. Die gemeinsame Flotte von Lufthansa und Germanwings solle dann nur noch mit Modellen der A320-Familie von Airbus fliegen. Dafür müssten über die ohnehin bereits georderten Flugzeuge hinaus keine zusätzlichen Flieger gekauft werden, sagte der Sprecher.

Auf Interkontinentalflügen will Lufthansa in vielen Fällen nur noch zwei Klassen – Business-Class und Economy-Class – anbieten und keine First-Class mehr. Gleichzeitig will die Lufthansa laut Spohr die Einführung einer Premium-Economy-Class prüfen.

Zwei Drittel der geplanten Ergebnissteigerung, rund 600 Millionen Euro, will die Lufthansa dem Brief zufolge durch nachhaltige Kostensenkungen erreichen, unter anderem durch beschleunigtes Ausmustern älterer Flugzeuge, die mehr Treibstoff verbrauchen. Auch die Personalkosten sollen um fünf Prozent pro Flugstunde gesenkt werden, und zwar für alle Berufs- und Mitarbeitergruppen an Bord und am Boden, wie es in dem Brief heißt.

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet vor allem Personalabbau und Lohnkürzungen. "Da werden wir einen Riegel vorschieben", sagte Sprecherin Martina Sönnichsen am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Der Konzern wolle seinen operativen Spielraum erhöhen, darunter dürften aber nicht die Mitarbeiter leiden, die die Qualität miterarbeitet hätten. Von einem Treffen mit Konzernvertretern am 10. Mai erhofft sich die Gewerkschaft mehr Klarheit über die Pläne des Unternehmens.  

Von: AFP, dpa-AFX, dapd
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