TCP-Diskussion Lufthansa räumt Kabinenluft-Problem ein

01.10.2012 - 16:11 0 Kommentare

Der Germanwings-Zwischenfall hat die Diskussion um giftige Öldämpfe in Flugzeugen neu belebt. Lufthansa arbeitet bereits an Warngeräten, zudem gibt es Vorkehrungen für eine zeitweilige Lösung.

Cockpitcrew in einem Airbus A320 - © © AirTeamImages.com - TT

Cockpitcrew in einem Airbus A320 © AirTeamImages.com /TT

Der schwere Zwischenfall mit einem Germanwings-Airbus-A319 Ende 2010 im Anflug auf den Kölner Flughafen geht laut "Spiegel" vermutlich auf giftige Öldämpfe in der Kabinenluft zurück. Darauf deuteten interne Lufthansa-Dokumente hin, berichtete das Magazin am Sonntag vorab.

Derweil hat die Germanwings-Mutter Probleme mit kontaminierter Kabinenluft generell eingeräumt. Der Vorfall werde im Lufthansa-Konzern "sehr ernst" genommen, sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty am Wochenende gegenüber Nachrichtenagenturen.

Angesichts von Problemen mit verschmutzter Kabinenluft lasse die Lufthansa derzeit ein Analysegerät zur Messung möglicher Schadstoffe in der Kabine entwickeln. Damit sei ein Fraunhofer-Institut beauftragt worden.

Zudem arbeitet der Konzern vorbeugend auch am Airbus A380. "Speziell auf den Airbus A380 bezogen befassen wir uns seit mehr als einem Jahr damit", erklärte Lamberty. An den Rolls-Royce-Triebwerken des Airbus A380 waren in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Öllecks aufgetreten. (Qantas Unfall, Triebwerksaustausch bei Lufthansa)

Dabei wurden nach Lufthansa-Angaben in den Triebwerken gemeinsam mit dem Hersteller Rolls-Royce bereits spezielle Bleche eingezogen. Sie sollen verhindern, dass austretendes Öl über Ansaugstutzen in die Kabinenluft gelangt. Bis alle Maschinen damit ausgestattet sind, kontrollieren den Angaben zufolge Techniker, ob Öl ausgetreten ist und reinigen die betroffenen Triebwerksabschnitte gegebenenfalls manuell.

Nach Angaben von Sprecher Lamberty soll nach dem Willen der Lufthansa künftig zudem sicherheitshalber beim Anlassen der Triebwerke vorübergehend nach Möglichkeit keine Zapfluft aus den Triebwerken entnommen werden. Auch dies solle dazu beitragen, dass möglicherweise auftretendes Öl nicht in die Kabine gelangten. Hier warte das Unternehmen noch auf grünes Licht vom Luftfahrt-Bundesamt und den Herstellern.

Piloten und Kabinenpersonal klagen bereits seit Jahren über das Nervengift Trikresylphosphat (TCP) und machen es für neurologische Defekte oder sogar Berufsunfähigkeiten verantwortlich. Schon 2009 hatte das ARD-Wirtschaftsmagazin "plusminus" über Nervengift-Spuren in der Kabinenluft berichtet. Im August 2010 sorgte ein internes Papier des Bundesverbandes Deutscher Fluggesellschaften (BDF) für eine erneute Debatte über giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen. Die Vereinigung Cockpit fordert damals wie heute eine umfassende Untersuchung.

Von: airliners.de mit dpa, dapd und AFP
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