Lufthansa setzt "Kümmerer" gegen Verspätungen ein

06.08.2019 - 07:07 0 Kommentare

Die Lufthansa kämpft mit einer Reihe von Maßnahmen darum, einen Verspätungssommer wie im vergangenen Jahr zu verhindern. Neben mehr Reserveflugzeuge und mehr Personal hat der Kranich auch eigene "Operations Performance"-Programme aufgesetzt.

Eine Lufthansa-Maschine wird vom Bodenverkehrsdienstleister der Fraport abgefertigt. - © © Fraport -

Eine Lufthansa-Maschine wird vom Bodenverkehrsdienstleister der Fraport abgefertigt. © Fraport

"Jeder kann seinen Beitrag leisten", so Christoph Leffers, Leiter des Projekts "Operations Performance" am Lufthansa Hub in München. Leffers und sein Team wollen die Abläufe an und in den Maschinen während der Bodenzeiten verbessern. Das Projekt wurde am 1. April 2019 gestartet und ist auf drei Jahre angelegt. Analoge Projekte gibt es auch an den weiteren Lufthansa-Group-Hubs in Frankfurt, Wien und Zürich.

In einem ersten Schritt wurden die Daten der vergangenen Flugpläne auf Unregelmäßigkeiten analysiert. Damit sollte herausgefunden werden, ob bestimmte Muster bei den Verspätungen erkennbar sind. Dabei zeigte sich, dass der Durchschnitt bei verspäteten Maschinen bei sechs Minuten lag. Das sei zwar keine erstmal keine hohe Zahl, aber bei rund 400 täglichen Abflügen käme aber eine beachtliche Zahl an Verspätungen zusammen, so der Projektleiter weiter.

"Im Anschluss stellten wir uns die Frage, wie wir die Performance am Boden verbessern können und kamen zu dem Schluss, dass es am besten wäre, Lösungen gemeinsam mit allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln", so Leffers weiter. Zusammen mit den Kollegen aus dem Airport Control Center (ACC), dem Cockpit, der Kabine und den Ramp Agents entstanden dann bis August 2019 über 50 Ideen zur schnelleren Abfertigung.

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Eine der eingeführten Maßnahmen betrifft das Boarding. Im Gespräch der Arbeitsgruppen habe sich gezeigt, dass es im Schnitt drei Minuten dauert, bis nach der Boarding-Freigabe aus dem Cockpit die ersten Passagiere ins Flugzeug einsteigen. Um das zu verhindern, wird nun das Boarding zu festen Zeiten gestartet, außer wenn die Maschine noch nicht bereit ist. Dann kann der Kapitän das Boarding verschieben.

Als weitere Maßnahme hat sich ergeben, dass die Effizienz der Abfertigung durch die Einführung sogenannter "Turnaround-Mitarbeiter" gesteigert werden konnte. Im sogenannten "Hub Operations Center" der Lufthansa werden im Vorfeld kritische Flüge zu den sechs Peak-Zeiten analysiert. Ein Flug gilt als kritisch, wenn viele Umsteiger an Bord sind, oder die Maschine bereits mit deutlicher Verspätung in München landet. Lufthansa schickt dann sogenannte "Kümmerer" zum Turnaround, die den beteiligten Mitarbeitern zur Seite stehen und ein Auge auf die Prozesse haben.

Reserve-Maschinen und mehr Personal

Neben den lokalen Maßnahmen hat die Lufthansa Group für ihre Konzern-Airlines in diesem Sommer rund 37 Reserve-Maschinen bereit. Laut einer Sprecherin kann sich je nach erforderlicher Situation die Stationierung der Flugzeuge verschieben. Die Lufthansa hat als Reserve zehn Jets in Frankfurt und acht Maschinen in München gebased. Tochter Swiss hält sechs Maschinen in Zürich und Genf vor und bei ihrer österreichischen Schwester Austrian sind es am Standort Wien zwei Flugzeuge.

Die restlichen zehn Maschinen entfallen auf Eurowings. "Diese setzen wir verstärkt an Flughäfen mit höherem Reiseaufkommen, wie zum Beispiel Düsseldorf und Köln, ein", teilte der Billigflieger Anfang Juli auf Anfrage von

© AirTeamImages.com, Jeffrey Schafer Lesen Sie auch: Lufthansa will Flugausfälle mit mehr Reserve-Maschinen eindämmen

Zudem hat die Lufthansa-Gruppe auch Flug- und Bodenzeiten verlängert. Davon erhofft sich der Konzern "mehr Puffer in die Flugpläne zu bringen und Verspätungen besser auffangen zu können." So könne man Folgeverspätungen deutlich minimieren und Streichungen vermeiden. Das Maßnahmenpaket lässt sich der Konzern rund 250 Millionen Euro kosten.

Von: br
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Embraer 190 in den Farben der WDL. WDL fliegt mit E-190 von London-Gatwick aus für Easyjet

    Neben Finnair und Hop hat die Kölner WDL mit Easyjet einen weiteren namhaften Kunden für das Wet-Leasing ihrer Embraer E-190 gefunden. Bei der Schwester LGW steht die Kundensuche nach dem Strategie-Schwenk bei Eurowings noch bevor.

    Vom 01.07.2019
  • Grafik: Brützel Netzmanagement im Lufthansa-Konzern

    Aviation-Management Aviation-Management-Professor Christoph Brützel befasst sich anlässlich der jüngsten Organisationsänderungen im Lufthansa-Konzern mit der Entwicklung des Netzmanagement in den letzten 25 Jahren.

    Vom 03.07.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus