Lufthansa steht vor vielen ungelösten Problemen

09.02.2015 - 17:02 0 Kommentare

Während sich Passagiere über sinkende Flugpreise freuen können, muss die Lufthansa der Konkurrenz hinterher sparen. Ein Überblick über die aktuell wichtigsten Probleme der Kranich-Airline.

Ein Mann läuft  auf dem Flughafen in München an leeren Abfertigungsschaltern der Lufthansa vorbei.  - © © dpa - Peter Kneffel

Ein Mann läuft auf dem Flughafen in München an leeren Abfertigungsschaltern der Lufthansa vorbei. © dpa /Peter Kneffel

Noch wird bei der Lufthansa gerechnet, aber auch für 2014 wird Europas größter Luftverkehrskonzern im März voraussichtlich keine überragenden Ergebnisse präsentieren. Rund eine Milliarde Euro operativer Gewinn ist angekündigt, nach knapp 700 Millionen Euro vor einem Jahr. Doch das Management warnt für 2015 bereits vor einer "gefährlichen roten Zone", auf die man sich zubewege. Die Luft wird immer dünner, weil der Dax-Konzern eine Vielzahl von Baustellen hat:

Arabische Konkurrenz macht Druck

Nicht zufällig schickte Qatar Airways im Januar den weltweit ersten Airbus A350 XWB zum Jungfernflug ins Lufthansa-Herz nach Frankfurt. Wie Emirates und Etihad verstärkt Qatar-Chef Akbar Al Baker die Präsenz mit modernsten Jets an Europas Flughäfen, begrenzt nur von den heftig kritisierten Einschränkungen durch die bilateralen Verkehrsrechte.

Zudem geht die Einkaufstour der Araber in Europa weiter: Knapp zehn Prozent der British Airways und Iberia-Mutter IAG gehen an Qatar. Etihad aus dem Nachbar-Emirat Abu Dhabi sitzt längst bei Air France, Air Berlin, Air Serbia und Alitalia mit am Steuerknüppel.

Preiskampf wird durch billiges Kerosin verschärft

Der aktuelle Preisverfall beim Flugbenzin hilft vor allem Fluggesellschaften, die sich kaum gegen Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern würde gerne einen guten Teil der dennoch erzielten Ersparnis ihren Aktionären zugutekommen lassen. Dauerhaft wird das aber nicht klappen. Ryanair-Chef Michael O'Leary hat bereits angekündigt, «die allermeisten, wenn nicht alle» Ersparnisse an die Kunden weiterzureichen, also die Ticketpreise zu senken.

Probleme mit dem Personal

Ein Großteil der Tarifprobleme bleibt ungelöst. Der Dauerstreit mit den Piloten kann jederzeit wieder zu Streiks eskalieren, wie sie im Vorjahr fast an der Tagesordnung waren. Zusätzlich hat sich die Kabinengewerkschaft Ufo die grundsätzliche Zustimmung ihrer Flugbegleiter für Arbeitskämpfe geholt.

Knackpunkt sind hier unter anderem die Betriebsrenten, für die Lufthansa nicht mehr die Renditen garantieren will. Für das Bodenpersonal verlangt Verdi 5,5 Prozent mehr Geld. Stark sinkende Personalkosten sind jedenfalls nicht in Sicht.

Langsame Reformen innerhalb des Konzerns

Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat zwar Reformen im Geschäftsmodell angeschoben, doch die kostengünstigere Billigmarke "Eurowings" geht erst im Oktober so richtig an den Start. Offen bleibt die Frage, wie die Kosten bei der bisherigen Germanwings weiter abgesenkt werden können, die rund zwei Drittel der künftigen Billig-Flotte stellen soll.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa: Ein Traditionskonzern erfindet sich neu

Bislang sind ihre Kosten noch deutlich höher als bei der Konkurrenz von Easyjet und Ryanair, aber auch als bei der konzerninternen Konkurrenz Eurowings und SunExpress. Positiv: Die Neugestaltung der Kabinen bei der Lufthansa-Mutter wird im Herbst abgeschlossen.

Europamarkt schwächelt

Harter Wettbewerb, ineffiziente Infrastruktur, hohe Verwaltungskosten und Steuern dämpfen nach Auffassung der Airline-Organisation IATA die Gewinne der Airlines auf dem europäischen Markt. In diesem Jahr sollen sie dennoch auf vier Milliarden Dollar (rund 3,2 Milliarden Euro) steigen nach 2,7 Milliarden Dollar 2014. Pro Passagier bleiben im Schnitt in Europa nur gut vier Dollar bei der Fluggesellschaft hängen. Weltweit erwartet die IATA sieben Dollar pro Passagier.

Juristischer Ärger

Große Unternehmen wie zuletzt BMW und Bosch haben sich der Zivilklage der Deutschen Bahn angeschlossen, die unter anderem von der Lufthansa Schadenersatz für jahrelang zu hohe Kerosin- und Sicherheitszuschläge bei Frachtsendungen erstreiten will. Lufthansa selbst hatte das Kartell mit zahlreichen anderen Fluggesellschaften platzen lassen und war als Kronzeuge von EU-Bußgeldern verschont geblieben.

Das bedeutet aber auch: Es gibt keinen vernünftigen Zweifel, dass die Gebühren überhöht waren. Laut "Wirtschaftswoche" summieren sich die Forderungen an die Lufthansa und weitere Fluggesellschaften auf knapp drei Milliarden Euro.

Von: Christian Ebner, dpa
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