Lufthansa rechtfertigt sich für hohe Preise

13.11.2017 - 12:01 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Carsten Spohr rechtfertigt sich für hohe Preise im innerdeutschen Luftverkehr und will nach der Genehmigung der Air-Berlin-Teilübernahme täglich 30 neue Flüge aufsetzen. Wirkliche Entlastung kommt wohl erst mit Easyjet.

Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr - © © dpa - Jörg Carstensen

Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr © dpa /Jörg Carstensen

Nach dem Wegfall der Air-Berlin-Flüge steigen die Preise im innerdeutschen Luftverkehr zum Teil exorbitant. Insbesondere auf den aufkommensstarken Routen hat das Aus der Air Berlin deutliche Lücken im Flugplan hinterlassen. Tickets für Routen wie Berlin-München oder Berlin-Köln sind nahezu ausgebucht und selbst Economy-Class-Tickets oft nur zu Preisen jenseits von 300 Euro oneway zu bekommen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kämpft nun mit einem Interview in der "Bild"-Zeitung gegen das Image einer Monopolpreis-Airline. "Wir als Lufthansa wollen ja nicht die deutschen Verbraucher gegen uns aufbringen", sagte der Lufthansa-Chef: "Wenn ich in 100 Tagen alle Sympathien verspielen würde, die die Lufthansa in 65 Jahren aufgebaut hat, dann wäre ich schlecht beraten."

Als Lösung will Spohr nun mehr Flüge auflegen. Den Angaben nach soll es die neuen Verbindungen ab Januar 2018 geben. Damit werde der Engpass behoben, der durch den Wegfall der Air-Berlin-Flüge seit dem 28. Oktober entstanden war.

Mit zusätzlichen Flügen gegen Kapazitätsmangel

"Sobald wir grünes Licht aus Brüssel haben, wollen wir pro Monat allein bei Eurowings 1000 innerdeutsche Flüge dazunehmen", sagte Spohr der Zeitung: "Ich kann versprechen, dass mit neuen innerdeutschen Flügen wieder stabile Preise kommen." Zuvor hatte Lufthansa steigende Preise im Zuge der Air-Berlin-Übernahme abgestritten.

© dpa, Sven Hoppe Lesen Sie auch: Lufthansa kann von Air-Berlin-Pleite profitieren

Spohr wies in dem Interview darauf hin, dass durch den Wegfall von Air Berlin derzeit jeden Tag 60.000 Sitze fehlten. Wie genau rund 32 zusätzliche Flüge pro Tag die Kapazitätsengpässe beheben sollen, ließ Spohr allerdings offen.

Lufthansa tue, was sie könne, um gegenzusteuern, rechtfertigte Spohr nun die derzeit hohen Preise. So werde zum Beispiel auf der Strecke Berlin-Frankfurt ein Jumbo eingesetzt. "Das rechnet sich betriebswirtschaftlich überhaupt nicht, weil es ein großes, teures Flugzeug ist. Aber es zeigt, dass wir helfen wollen", sagte der Lufthansa-Chef.

Derzeit heben allein bei Lufthansa und Eurowings täglich rund 1200 innerdeutsche Flüge ab. Air Berlin hatte zuletzt noch rund 250 Flüge pro Tag im Angebot, davon rund 130 im innerdeutschen Verkehr. Insgesamt bediente Air Berlin zu Hochzeiten knapp 450 Flüge täglich.

Lufthansa-Flüge zwischen Berlin und München kosten derzeit oneway gut und gerne auch mal über 400 Euro in der Economy-Class. Foto: © Lufthansa-Buchungswebseite, Screenshot: airliners.de

Derzeit liegen die Ausbau-Pläne bei Lufthansa aber ohnehin noch auf Eis. Denn die Übernahme der Air-Berlin-Teilgesellschaften LGW und Niki sowie weiterer Air-Berlin-Jets ist noch nicht genehmigt. Die EU-Wettbewerbshüter müssen dafür grünes Licht geben. Die Kommission hat nach der Anmeldung des Deals vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen. Haben die Wettbewerbshüter Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage.

Marktanteile im innerdeutschen Flugverkehr
(ohne Easyjet)
Airline 0
Lufthansa 63.2
Eurowings 35.6
BMI Regional 0.5
Luxair 0.3
weitere 0.4

Marktanteil in Prozent nach Sitzplatzangebot laut Flugplandaten. Quelle: OAG, November 2017 - März 2018

Echter Wettbewerb kommt erst wieder mit Easyjet

Dass der Deal ohne Zugeständnisse erlaubt wird, gilt als unwahrscheinlich. Aktuell hat der Lufthansa-Konzern im innerdeutschen Flugverkehr fast 99 Prozent der Marktanteile. Easyjet will ebenfalls einsteigen. Noch gibt es aber keine konkreten Angaben. Erwartet wird ein innerdeutscher Marktanteil von gut 20 Prozent.

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: Das sind die Air-Berlin-Lücken im Flugplan

Für Lufthansa ist die Air-Berlin-Einigung mit Easyjet eine gute Nachricht. Mit Easyjet dürften die zu erwartenden Auflagen für die Übernahme großer Teile der Air Berlin durch Lufthansa deutlich weniger streng ausfallen, da sich die Marktanteile auf wichtigen Routen mit dem Einstieg der Briten bei gleichem Lufthansa-Angebot deutlich absenken.

Marktanteile im innerdeutschen Flugverkehr
(mit Easyjet*)
Airline 0
Lufthansa 54.5
Eurowings 25.2
Easyjet* 19.3
BMI Regional 0.2
weitere 0.8

*) Easyjet-Angaben sind antizipiert, restliche Marktanteile in Prozent nach Sitzplatzangebot laut Flugplandaten: Quelle: OAG, November 2017 - März 2018

Der Easyjet-Deal hatte sich zuletzt immer wieder verzögert. Der britische Low-Cost-Carrier hatte kurz nach Landung der letzten Air-Berlin-Maschine angekündigt, das Engagement des Carriers in Tegel für rund 40 Millionen Euro übernehmen zu wollen - inklusive vieler Buchungen. Dafür least Easyjet 25 Maschinen des Typs A320 und eröffnet am Berliner Cityairport eine Basis.

Von: dh mit AFP, dpa
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