Lufthansa wehrt sich gegen Preis-Vorwürfe

Passagiere klagen die Preissteigerungen auf Lufthansa-Flügen seit dem Aus der Air Berlin an, das Bundeskartellamt nimmt die Sache unter die Lupe. Nun äußern sich mehrere Manager des Kranich-Konzerns.

Ticketschalter der Lufthansa: Nutzt der Kranich die Air-Berlin-Pleite zur Preissteigerung=Foto: © dpa, Frank Rumpenhorst

Mehrere Manager des Lufthansa-Konzerns haben sich gegen die Vorwürfe der Preistreiberei nach dem Aus der Air Berlin gewährt. "Was kolportiert wird über angebliche Preissteigerungen, ist nachweisbar nicht zutreffend", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister der "Welt am Sonntag". "Für etwa 95 Prozent der Passagiere hat sich beim Preis nichts geändert." Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley pflichtet im " Handelsblatt" bei: "Lufthansa ist nicht für das Desaster von Air Berlin verantwortlich."

Seit Air Berlin den selbstvermarkteten Flugbetrieb eingestellt hatte, klagten Passagiere über zum Teil drastisch gestiegene Preise für Lufthansa-Flüge. Der insolvente Carrier war zum Teil einziger Wettbewerber auf vielen innerdeutschen Strecken. Nach Einschätzung von Branchenkennern haben die Preise im Durchschnitt auf manchen Routen um bis zu 30 Prozent zugenommen.

Hohmeister pocht auf Kooperation mit Bundeskartellamt

Vergangenen Freitag kündigte bereits das Bundeskartellamt an, den Fall unter die Lupe zu nehmen: "Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten", so Kartellamtschef Andreas Mundt.

"Wir haben keine Geheimnisse", sagte Hohmeister nun. Man stehe dem Ganzen "sehr professionell gegenüber", habe gute Argumente und nichts zu verbergen. "Wir können dem Kartellamt alles zeigen", setzte er hinterher.

Mit Blick auf die berichteten 30 Prozent Preissteigerung sagte der Kranich-Vorstand: "Das sind Einzelfälle, die es schon früher montagmorgens und freitagnachmittags gab." Er spielt damit auf den Nachfrageschub am Wochenende an.

Buchungsklassen

Lufthansa beteuert auch nach dem Aus der Air Berlin nichts am Buchungsalgorithmus geändert zu haben. Bei Lufthansa gibt es 26 verschiedene Buchungsklassen pro Flug. Je näher der Abflugtermin rückt und/oder je stärker die Nachfrage nach einem Flug ist, umso schneller schließen "günstigere" Buchungsklassen.

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Jumbo innerdeutsch im Einsatz

Die Lufthansa verweist außerdem darauf, dass sie Kapazitäten aufgestockt habe und trotz hoher Kosten sogar Jumbos im Inlandverkehr einsetze, um den Mangel auszugleichen. Konzernchef Carsten Spohr, hatte vor kurzem 1000 neue innerdeutsche Flüge pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde ihr Okay gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren.

Die Zustimmung aus Brüssel ist erforderlich für den geplanten Verkauf großer Teile der insolventen Air Berlin an die Lufthansa-Billigplattform Eurowings und den britischen Konkurrenten Easyjet. Eine erste Entscheidung in Brüssel könnte laut Medien am 7. Dezember fallen.

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Möglich ist aber auch, dass die EU-Kartellbehörde eine vertiefte Prüfung verlangt. Dann würde sich das Verfahren weitere 90 Arbeitstage hinziehen. Die Neuordnung des deutschen Luftverkehrs und damit die Normalisierung der Ticketpreise könnten sich so noch hinziehen, heißt es von Branchenkennern.

Von: cs

Datum: 27.11.2017 - 14:48

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