Nach Pilotenschlichtung

Lufthansa setzt neuen Langstrecken-Ableger auf

28.02.2017 - 12:28 0 Kommentare

Das Lufthansa-Management macht ernst: Nach der teuren Piloten-Gehaltsschlichtung kommt ein neuer Langstreckenableger, der zu günstigeren Konditionen operieren soll. Der Projektname ist eine Referenz an die Cityline.

Die Lufthansa-Tochter Cityline fliegt bereits mit A340 im Wetlease für Lufthansa. - © © AirTeamImages.com - Carlos Enamorado

Die Lufthansa-Tochter Cityline fliegt bereits mit A340 im Wetlease für Lufthansa. © AirTeamImages.com /Carlos Enamorado

Luft­han­sa will nach der ver­gleichs­wei­se teu­ren Gehalts-Schlichtung zum Piloten-Konzerntarifvertrag (KTV) einen neuen, güns­ti­ger ope­rie­ren­den Bil­li­gab­le­ger auf der Langstrecke eta­blie­ren.

Ers­te De­tails zum neuen Langstreckenableger will der Auf­sichts­rat nach "Spiegel"-Informationen Mitte März be­schlie­ßen. Das Vor­ha­ben läuft dem Bericht zufolge un­ter dem inoffiziellen Pro­jekt­na­men "Ci­ty­line 2" - in An­leh­nung an die Luft­han­sa-Toch­ter Cityline, die bereits heute Langstreckenflugzeuge für Lufthansa ab Frankfurt durchführt.

Insgesamt acht Langstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A340 betreibt die zuvor auf Regionalstrecken spezialisierte Tochter bereits seit Ende 2015 für die Lufthansa. Damit ist eine Quoten-Regelung aus der Tarifeinigung von 2010 allerdings ausgereizt.

Den bisherigen Tarifregelungen zufolge dürfen nämlich nur geringe Anteile der Lufthansa-Kapazitäten von Tochterunternehmen fremdbereedert werden. Zudem dürfen die "fremden" Flugzeuge keine Lufthansa-Logos tragen, weswegen die Cityline-Maschinen im Lufthansa-Einsatz eine Star-Alliance-Bemalung tragen.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Startschuss für die Invasion der Sternenflotte

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister hatte bereits angekündigt, 40 bislang für einen Einsatz bei Lufthansa vorgesehene neue Flugzeuge nicht mehr mit KTV-Piloten zu besetzen und eine "Lufthansa-nahe Neugründung" in Aussicht gestellt: "Da darf man dann vielleicht nicht Lufthansa draufschreiben, aber sicher etwas Ähnliches."

Piloten können nicht gegen neue Konzernstrategie streiken

Bei ih­ren Plä­nen be­ruft sich die Luft­han­sa-Spit­ze nun laut Spiegel un­ter an­de­rem auf ein Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln zum Thema Eurowings aus dem Ok­to­ber 2016. Dem­nach kann die Be­zah­lung der Piloten bei neu ge­grün­de­ten Ab­le­gern von den Standards im Konzerntarifvertrag ab­wei­chen.

Rechtlich müssen Lufthansa-Piloten seitdem eine Einmischung in strategische Entscheidungen des Lufthansa-Managements akzeptieren und können nur noch um tarifrechtliche Belange streiken. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte der Lufthansa-Führung zuvor vorgeworfen, Arbeitsplätze mit "Billiglöhnen" ins europäische Ausland zu exportieren, um sich so dem deutschen Tarifrecht zu entziehen.

In der Tat hat Lufthansa bereits die "Eurowings Europe" als österreichische Tochter aufgesetzt. Zuvor wurde entschieden, die Bereederung der Eurowings-Langstrecke von Sunexpress Deutschland im Wetleasing durchführen zu lassen.

© dpa, Uwe Anspach Lesen Sie auch: Tarifexperte zur Pilotenschlichtung: "Verkorkst, aber mit diplomatischem Geschick"

Von: dh
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