Lufthansa-Piloten legen eine Streikpause ein

21.03.2015 - 15:24 0 Kommentare

Die Piloten der Lufthansa haben am Samstag den vierten Tag in Folge die Arbeit niedergelegt. Vorerst können Lufthansa-Kunden aufatmen: Noch sind keine neuen Streiks angekündigt.

Passagiere warten an Lufthansa-Schaltern im Flughafen Hamburg. - © © dpa - Malte Christians

Passagiere warten an Lufthansa-Schaltern im Flughafen Hamburg. © dpa /Malte Christians

Rückkehr zur Routine nach vier Tagen Dauerstreik: Die Lufthansa ist am Sonntag wieder weitgehend nach Plan geflogen. «Der Flugbetrieb hat sich normalisiert», sagte ein Sprecher von Deutschlands größter Airline in Frankfurt. Auf der Langstrecke habe es aus betrieblichen Gründen noch einzelne Ausfälle gegeben.

Am Samstag musste die Airline 74 von 160 geplanten Langstrecken-Routen streichen, wie ein Firmensprecher in Frankfurt berichtete. Gut 20.000 Passagiere waren vom Streik betroffen. Gleichzeitig streikten Piloten der Lufthansa Cargo. Von den 18 für Samstag geplanten Frachtflügen konnten allerdings 15 stattfinden, das waren mehr als zunächst erwartet.

Auch nach einer Woche mit vier Streiktagen bei der Lufthansa zeichnet sich keine Lösung für den festgefahrenen Tarifkonflikt mit dem Cockpit-Personal ab. Bereits seit Mittwoch streiken Lufthansa-Piloten abwechselnd auf den Kurz- und Mittelstrecken sowie den Langstrecken und im Frachtgeschäft. Insgesamt rund 220.000 Passagiere waren durch die Ausstände in dieser Woche bislang betroffen. Fluggäste können sich auf der Lufthansa-Website über den Status ihres Flugs informieren und ihr Ticket kostenfrei umbuchen oder stornieren.

Ob und wann die Piloten ihren Streik fortsetzen, blieb zunächst unklar. Neue Ausstände seien jederzeit möglich, würden aber 24 Stunden vorher angekündigt, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg hat derweil Streiks auch über Ostern nicht mehr ausgeschlossen. Die Pilotengewerkschaft halte sich "alle Optionen offen", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Der Streik der Lufthansa-Piloten findet derweil keinen großen Rückhalt in der Bevölkerung. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov erklärten 55 Prozent der Befragten, dass sie den Streik nicht mehr für verhältnismäßig halten.

© dpa, Christoph Schmidt Lesen Sie auch: Deutsche halten Lufthansa-Pilotenstreiks für unverhältnismäßig

Unverständnis auf beiden Seiten

Auch Lufthansa reagierte mit Unverständnis auf die Streiks der vergangenen Woche. Die Piloten hätten mit der vierten Streikankündigung in nur einer Woche "den Tarifkonflikt nicht nur über jedes Maß hinaus eskaliert", sondern entfernten "sich immer mehr von einer Lösung, die ausschließlich konstruktiv am Verhandlungstisch gefunden werden" müsse, erklärte das Unternehmen.

"Es ist bedauerlich, dass der Lufthansa-Konzernvorstand weitere Arbeitskämpfe billigend in Kauf nimmt", erklärte dagegen Ilona Ritter von der Vereinigung Cockpit. Die Gewerkschaft sei "jederzeit bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren". Handwerg warf der Lufthansa eine "Blockadepolitik" vor. Insgesamt gebe es mit dem Unternehmen zwölf "offene Tarifthemen", zu denen endlich akzeptable Angebote vorgelegt werden müssten, forderte der Cockpit-Sprecher.

Kritik an den Streiks kam derweil auch vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). "Die seit einem Jahr andauernde Streikserie der Pilotengewerkschaft Cockpit hat mit einer Verhältnismäßigkeit der Mittel nichts mehr zu tun", wird BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch in einem Schreiben zitiert. Die Mitteilung beinhaltete folgenden Appell an die Piloten:

Macht endlich Schluss!

Appell des BDL an die Piloten

Michael Engel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, ergänzte: Die Streiks seien eine rücksichtslose Machtdemonstration einer kleinen Berufsgruppe und ihrer Gewerkschaft, unter der mittlerweile der gesamte deutsche Standort leide und nachhaltigen Schaden nehme. "Die erneuten Streiks zeigen, dass gesetzliche Regelungen, die eine Verhältnismäßigkeit solcher Streiks regeln, längst überfällig sind", so Engel.

Auch bei Aktionärsschützern braut sich immer mehr Unmut über das Vorgehen der Piloten. «Das Maß der Aktionäre ist voll», sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der Zeitung. Die Cockpit-Vertreter müssten sich entscheiden: Sie könnten nicht auf der einen Seite im Aufsichtsrat sitzen und damit dem Unternehmenswohl verpflichtet sein und andererseits massiv gegen die Lufthansa agieren und den Betrieb lahmlegen.

Flughäfen leiden unter Streiks

Die Streiks haben neben der Lufthansa und der Reisebranche auch erhebliche Auswirkungen auf die Flughafenbetreiber. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft Fraport in Frankfurt sagte, dass im Jahr 2014 streikbedingt etwa 500.000 Passagiere weniger von Frankfurt aus abgeflogen seien. Dies habe sich mit zehn Millionen Euro im operativen Gewinn der Fraport bemerkbar gemacht.

Zwischen dem Lufthansa-Konzern und der Gewerkschaft schwelt seit Monaten ein Tarifkonflikt. Zentraler Streitpunkt ist die Altersversorgung der Piloten. Die Lufthansa will die Kosten für die sogenannte Übergangsversorgung künftig nicht mehr übernehmen und die Altersgrenze dafür erhöhen.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Pilotenstreik Nr. 12 bei der Lufthansa

Bisher können Piloten mit 55 Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen. Bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter bekommen sie maximal 60 Prozent ihrer Bezüge weiter. Cockpit will die geplanten Einschnitte nicht akzeptieren.

Wie der "Spiegel" vorab aus seiner neuen Ausgabe berichtete, könnte der Lufthansa weiterer Ärger drohen. Neben den Piloten sei auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO auf Konfliktkurs mit der Konzernleitung gegangen. In einem Schreiben heiße es, die Lufthansa gefährde mit ihrem neuen Langstrecken-Billigableger Eurowings zunehmend "den Markenkern" des Unternehmens.

Alle Meldungen zum Lufthansa-Pilotenstreik.

Von: airliners.de, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Lufthansa Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »