Piloten lehnen Lufthansa-Angebot ab

25.11.2016 - 21:04 0 Kommentare

Keine "Samthandschuhe" mehr gegenüber dem Lufthansa-Management - das war die Ansage der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit. Jetzt lehnte sie ein neues Tarifangebot der Lufthansa ab - es sei gar nicht neu.

Jörg Handwerg, Vorstandsmitglied der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), VC-Präsident Ilja Schulz und Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der VC bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Jörg Handwerg, Vorstandsmitglied der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), VC-Präsident Ilja Schulz und Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der VC bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. © dpa /Frank Rumpenhorst

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat das das jüngste Tarifangebot der Lufthansa abgelehnt. Die Inhalte des Angebots habe Lufthansa bereits vor zwei Monaten auf den Tisch gelegt, so ein Gewerkschaftssprecher. "Das ist alter Wein in neuen Schläuchen". In Wahrheit gehe es nicht um eine neues Angebot.

Die seit drei Tagen streikenden Piloten der Lufthansa hatten am Freitag ein erneutes Tarifangebot vom Unternehmen bekommen. Die Offerte der Airline sah unter anderem um 4,4 Prozent höhere Vergütungen sowie eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern vor. Zudem wollte der Konzern in den kommenden fünf Jahren rund 1000 Nachwuchspiloten neu einstellen und bis zu 600 Kapitänsanwärterstellen schaffen.

In der Tat liest sich das neue Angebot der Lufthansa wie eine Offerte von Ende September. Schon damals bot das Unternehmen den Piloten eine Gesamtlösung inklusive aller Fragen zu Betriebs- und Übergangsrenten an.

Hintergrund des aktuellen Ausstands sind gescheiterte Tarifverhandlungen über die Vergütung der rund 5400 Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Pilotengewerkschaft fordert rückwirkend ab Mai 2012 jährlich 3,66 Prozent mehr Geld. Durch den langen Zeitraum von fünf Jahren beläuft sich die Forderung insgesamt auf rund 20 Prozent.

Kein Streik am Sonntag

Die Pilotengewerkschaft erklärte am Freitagabend, mit Rücksicht auf die Kunden am Sonntag ihre Streikmaßnahmen zunächst auszusetzen. Für Samstag, den vierten Streiktag in Folge, hatte die Lufthansa 137 Flüge absagen müssen, darunter 88 Interkontinentalverbindungen. Betroffen sein sollen an diesem Tag rund 30.000 Passagiere, so dass sich die Gesamtzahlen für diese 14. Streikrunde der Piloten auf 2755 ausgefallene Flüge mit 345.000 betroffenen Passagieren steigern.

Zuvor hatten die Mitglieder der VC in ihrem seit Mittwoch laufenden Ausstand noch einmal den Druck auf das Unternehmen erhöht. Es gebe kein vorher festgelegtes Enddatum für den Streik, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Erst sobald ein verhandlungsfähiges Angebot der Lufthansa vorliege, könne der Arbeitskampf beendet werden.

Jörg Handwerg, Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC) Foto: © dpa, Arne Dedert

Mit ihrem erneuten Angebot wollte die Lufthansa alle offenen Tarifthemen lösen - möglicherweise mit Hilfe eines Mediators, wie Personalchefin Bettina Volkens erklärte. "Unsere großen Differenzen in den gescheiterten Verhandlungen zum Vergütungstarifvertrag resultieren offensichtlich auch aus unterschiedlichen Auffassungen über die künftige Weiterentwicklung des Konzerns." Mit dem Angebot knüpfe man an Gespräche mit der VC aus dem September an.

Von den aktuellen Streiks ist nur die Lufthansa selbst betroffen. Andere Konzern-Airlines wie Germanwings, Swiss und Austrian Airlines fliegen wie gewohnt. Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister bezifferte die Kosten für einen Streiktag auf der Kurz- und Langstrecke dennoch auf etwa zehn Millionen Euro täglich. Bei den Streiks in Teilflotten am Freitag und Samstag dürften sie geringer ausfallen.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Pilotenstreik Nr. 14 bei der Lufthansa

Die VC hat in dem laufenden Tarifkonflikt bereits 13 Mal gestreikt. Die bislang letzte Runde wurde im September 2015 abgebrochen, nachdem das Landesarbeitsgericht Hessen einzelne Streikziele als rechtswidrig eingeschätzt hatte.

Die VC hatte in der Folgezeit vermieden, über tariffremde Themen wie die Ausweitung der Billigtochter Eurowings öffentlich zu reden. Der aktuelle Streik bezieht sich nun allein auf Lohnforderungen. Daneben sind aber auch andere Tarifthemen wie die Betriebsrenten und die Übergangsversorgung nach wie vor ungelöst.

Alle Meldungen zum Lufthansa-Pilotenstreik.

© dpa, Stefan Puchner Interview: Luftfahrt-Tarifexperte: "Der Geist muss zurück in die Flasche"

Von: ch, dh, AFP, dpa
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