Lufthansa und Piloten einigen sich in allen Streitpunkten

15.03.2017 - 14:46 0 Kommentare

Seit 2012 streitet sich Lufthansa mit ihren Piloten. Jetzt ist bei den Verhandlungen der Durchbruch gelungen - und zwar in allen strittigen Fragen. Damit ist auch das Projekt "Cityline2" vom Tisch.

Lufthansa-Cockpit-Crew - © © Lufthansa Bildarchiv - Gregor Schlaeger

Lufthansa-Cockpit-Crew © Lufthansa Bildarchiv /Gregor Schlaeger

Durchbruch im jahrelangen Tarifkonflikt: Die Fluggesellschaft und ihre Piloten haben sämtliche tarifpolitischen Streitpunkte beigelegt. Nach einer grundsätzlichen Einigung mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sind Streiks der Flugzeugführer vom Tisch.

Die Vereinbarungen sollen bis Juni 2022 gelten, teilte Lufthansa in Frankfurt mit. Die Einigung räumt eine Reihe von Streitpunkten aus und bezieht sich auf Übergangsversorgung, Altersvorsorge sowie Manteltarifvertrag und Vergütungstarifvertrag für die rund 5400 Piloten der Lufthansa, der Billigtochter Germanwings sowie der Lufthansa Cargo.

Airline gibt Garantie ab

Die Piloten akzeptierten unter anderem die Umstellung der Betriebsrenten auf Festbeiträge. Bislang hatte Lufthansa die absolute Höhe der Zahlungen garantiert und damit das Zinsrisiko übernommen. Die Neuregelung wirkt nun schon im Geschäftsjahr 2017 entlastend auf die Bilanz.

Lufthansa garantiert den Piloten, dass zu diesen Bedingungen bis Mitte 2022 mindestens 325 Jets betrieben werden. Das entspricht in etwa dem aktuellen Niveau der Lufthansa-Muttergesellschaft. Damit würden 600 Stellen für Kapitänsanwärter geschaffen und rund 700 bereits fertig ausgebildete Nachwuchsflugzeugführer könnten eingestellt werden.

Bereits im Februar hatten Lufthansa und VC mit Hilfe des Schlichters Gunther Pleuger eine erste Teillösung zu den Gehältern erreicht, die nun aber von der neuen Einigung ersetzt wird. Statt der im Februar verabredeten 8,7 Prozent mehr Geld erhalten die Piloten nun Gehaltssteigerungen von 11,4 Prozent, allerdings über eine um zweieinhalb Jahre verlängerte Laufzeit. Die geplante Einmalzahlung steigt kräftig auf das 1,8-fache Monatsgehalt.

Bettina Volkens ist Vorstand für Personal und Recht bei der Lufthansa. Foto: © dpa, Frank Rumpenhorst

Die VC erklärte, die Einigung ermögliche der Lufthansa "strukturell nachhaltig verbesserte Cockpitpersonalkosten". Im Gegenzug verpflichte sich das Unternehmen, die Arbeitsplätze der Piloten zu schützen und Karrieremöglichkeiten zu schaffen.

Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens zeigte sich erleichtert über die Einigung: "Damit beenden wir nicht nur den längsten Tarifkonflikt unserer Unternehmensgeschichte, sondern wir schaffen nachhaltigen Tariffrieden bis 2022 und zugleich die Grundlage für eine neue Sozialpartnerschaft mit der Vereinigung Cockpit."

"Cityline2" wird nicht umgesetzt

Aufgrund der Einigung lässt die Lufthansa ihr Vorhaben fallen, 40 Maschinen mit Bedingungen außerhalb des Tarifvertrags in seine Flotte aufzunehmen. Das Projekt lief unter dem inoffiziellen Namen "Cityline2" - eine Ahnlehung an die Luft­han­sa-Toch­ter Cityline, die bereits heute Langstreckenflugzeuge für Lufthansa durchführt.

© AirTeamImages.com, Carlos Enamorado Lesen Sie auch: Lufthansa setzt neuen Langstrecken-Ableger auf

Die getroffenen Vereinbarungen sollen nun rechtsverbindlich in Verträge gegossen werden, was noch einige Monate dauern kann. Kommt es dabei nicht mehr zum Streit, "wären alle Konflikte für die nächsten Jahre aufgelöst", sagte VC-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg. "Was Streiks angeht, würde dann auch Ruhe herrschen."

Der Tarifkonflikt läuft bereits seit 2012 - mit 14 Streiks, 500 Millionen Euro Kosten und ungezählten Verhandlungsrunden. Der bislang letzte Arbeitskampf hatte Reisepläne von Lufthansa-Kunden Ende November durcheinander gebracht. Insgesamt fielen an insgesamt 29 Streiktagen etwa 14.900 Flüge aus, mehr als 1,7 Millionen Passagiere waren betroffen.

Von: ch, dpa, AFP
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