Lufthansa kann Nachfrage nicht abdecken

23.10.2017 - 17:41 0 Kommentare

Nach dem Aus von Air Berlin fehlt es im Markt an Kapazitäten. Die übernommenen A320-Maschinen kann Eurowings zudem nicht kurzfristig einsetzen. Jetzt stimmt Lufthansa die eigene Kundschaft auf Engpässe ein.

Flugzeuge von Lufthansa, Eurowings, Air Berlin und Ryanair stehen am Flughafen von Hamburg. - © © dpa - Christian Charisius

Flugzeuge von Lufthansa, Eurowings, Air Berlin und Ryanair stehen am Flughafen von Hamburg. © dpa /Christian Charisius

Im Zuge der Air-Berlin-Pleite kann Lufthansa die Nachfrage auf etlichen Strecken nicht abdecken. Das sagte jetzt Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister jetzt der Berliner Morgenpost und stimmte damit die Kunden auf Engpässe ein.

Man habe nicht sofort beliebig viele Flugzeuge, Crews und Slots verfügbar, sagte Hohmeister als Begründung. Die Lufthansa Group hatte bereits angekündigt, auf Routen etwa nach Berlin vorübergehend Großraum-Langstreckenflugzeuge einzusetzen. "Das ist natürlich betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll", aber es sei notwendig, um der Nachfrage gerecht zu werden, so Hohmeister.

Fluggesellschaften aus der Lufthansa Group sind nach dem Aus der ehemaligen Konkurrenz oft die einzig verbleibenden Anbieter. Das betrifft vor allem innerdeutsche Flüge und einige Europa-Verbindungen.

Lufthansa schickt kleine Regionalflieger auf Eurowings-Routen

Lufthansa übernimmt zwar einen Teil der Air Berlin, allerdings nicht auf den nun kritischen Verbindungen. Gekauft werden lediglich die nicht insolvente Ferienfluggesellschaft Niki sowie die Regionalairline LGW. Die Verbindungen, die LGW bislang für Air Berlin geflogen ist, werden aber eingestellt.

Mit den zwei Flugbetrieben LGW und Niki werden nur rund 1700 der knapp 8000 Air-Berlin-Mitarbeiter von der Lufthansa direkt übernommen. Weitere 1400 Air-Berlin-Mitarbeiter sollen sich nach den Plänen der Lufthansa selbst neu bei Eurowings bewerben.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Air-Berlin-Mitarbeiter bei Eurowings: In die (Tarif-) Flucht geschlagen Aviation Management

Allerdings gibt es offenbar weniger Bewerber als bei Lufthansa geplant, so dass Lufthansa mit den insgesamt 38 von Air Berlin zusätzlich übernommenen Air-Berlin-A320 kurzfristig nicht fliegen kann. Nun sollen kleine Turboprop-Regionalflugzeuge der LGW stattdessen übergangsweise auf den Eurowings-Routen eingesetzt werden, die bislang Air Berlin mit den deutlich größeren Maschinen im Wetlease für den Lufthansa-Billigflieger geflogen ist.

Zu manchen Zeiten fehlen 40 Prozent

Es werde Zeiten geben, zu denen nur 60 oder 70 Prozent der Nachfrage gedeckt seien, erklärte Hohmeister. "Aber wir reden dabei nicht von Tausenden Plätzen, die fehlen. Es sind vielleicht 50 bis 60 Passagiere pro Stunde, denen wir einen anderen Flug anbieten." Lufthansa könne daher nicht ausschließen, dass es "in Stoßzeiten dennoch manchmal knapp wird" und einige Kunden "dann nicht um acht Uhr fliegen können, sondern erst um zehn oder elf."

© dpa, Peter Kneffel Lesen Sie auch: Lufthansa will Air-Berlin-Tickets nicht akzeptieren

Air Berlin wird zum Ende des Sommerflugplans am 27. Oktober den Flugbetrieb einstellen. Damit fallen auf vielen Routen die Air-Berlin-Kapazitäten kurzfristig ersatzlos weg. Die Tickets verfallen. Da sich Lufthansa ohnehin aktuell vor Buchungen nicht retten kann, hatte der Konzern bereits mitgeteilt, Air-Berlin-Tickets nicht zu akzeptieren und damit entsprechende Forderungen aus der Politik abgewiesen.

Von: dh mit dpa
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