Lufthansa drängt auf schnelle Lösungen

19.10.2018 - 07:24 0 Kommentare

Lufthansa-Hub-Chef Hohmeister bewertet den ersten Luftfahrtgipfel als positiv, fordert aber auch mehr Sorgfalt bei Wachstumsplänen. Gleichzeitig will der Kranich mehrere Kabinenklassen verschiedener Konzern-Airlines auf ein Ticket bringen.

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. - © © dpa - Arne Dedert

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. © dpa /Arne Dedert

Lufthansa zieht nach dem Luftfahrtgipfel Anfang Oktober in Hamburg grundsätzlich ein positives Fazit: "Das Spitzentreffen am 5. Oktober war ein Erfolg", resümierte Kranich-Hub-Chef Harry Hohmeister vor Journalisten des Luftfahrt Presseclubs in Hamburg. "Es ist gut, dass dieses branchenübergreifende Thema nun auch auf der politischen Agenda steht."

Vertreter von Luftfahrtindustrie und Politik hatten gemeinsam diskutiert, wie der Luftverkehr in Deutschland vor dem Hintergrund der Probleme dieses Sommers in Zukunft zuverlässiger werden kann. "Eins muss klar sein", so Hohmeister weiter. "Es reicht nicht, dass jeder allein für sich nach Lösungen sucht." Es brauche eine gemeinsame Anstrengung von Branche und Politik - "auch über die Landesgrenzen hinweg, speziell beim Thema Flugsicherung".

9000 Tonnen mehr Kerosin

Auf dem Luftfahrtgipfel waren 24 Maßnahmen der verschiedenen Akteure beschlossen worden. Unter anderem sollen mehr innerdeutscher Luftverkehr auf die Schiene verlegt und beispielsweise auch niedrigere Lufträume genutzt werden. Lufthansa und Eurowings werden in diesem Jahr allein rund 9000 Tonnen mehr Kerosin verbrauchen, als durch den "ökologisch sinnvolleren Nutzen des oberen Luftraums" notwendig wären.

© AirTeamImages.com, Jeffrey Schafer Lesen Sie auch: Lufthansa will Flugausfälle mit mehr Reserve-Maschinen eindämmen

Der frühere Swiss-Chef machte deutlich, dass die Zeit dränge: "Wir können nicht noch fünf Jahre warten, wir brauchen auch kurzfristige Lösungen." Denn: Ein Weiter-so könne es nicht geben. "Wir brauchen für den nächsten Sommer Lösungen. Und dabei wünschen wir uns auch die Unterstützung der Politik."

Hohmeister fordert "qualitatives Wachstum"

Der diesjährige Sommer habe gezeigt, dass Lufthansa und andere europäische Airlines nicht die Qualität liefern konnten, "die unsere Kunden zu Recht von uns erwarten". Allein die Kranich-Airlines mussten in diesem Jahr bereits 18.000 Flüge streichen.

Dennoch will der Konzern auch weiter wachsen - das müsse man sogar, um den Anschluss an den globalen Luftverkehr nicht zu verlieren. "Aber dieses Wachstum darf nicht zu Lasten der Qualität gehen." Konkret müsse gewährleistet sein, dass die Anzahl der geplanten Flüge auch von der Infrastruktur bei Flughäfen und Flugsicherung bewältigt werden könne.

Die Leistung des Systems wird bestimmt durch die Leistungsfähigkeit des schwächsten Glieds in der Kette.

Harry Hohmeister, Vorstand der Lufthansa

Hohmeister nennt dies "qualitatives Wachstum". "Das muss Dreh- und Angelpunkt unseres Systems sein." Dafür brauche es aber die Anstrengung aller Teilhabenden: "Ich erwarte von den Systempartnern vor allem eine bessere Qualität. Wir brauchen zum Beispiel Terminalkapazität und Ordnung im oberen Luftraum."

Teilnehmer des Gesprächs berichten, dass der Lufthansa-Manager dem nach der Bayern-Wahl erstarkten Ruf nach einer dritten Start- und Landebahn für München eine Absage erteilte. Ähnlich hatte sich Kranich-Chef Carsten Spohr bereits vergangene Woche geäußert: "Tendenziell brauchen wir diese Startbahn etwas später", sagte er zu "Reuters" und meinte damit "bis 2030".

Mehrere Tarife auf einem Ticket

Gleichzeitig kündigte Hohmeister an, dass der konzernweite Vertrieb weiter umgebaut werden soll. "Derzeit arbeiten wir mit Nachdruck an der systemtechnischen Integration der Buchungssysteme der Hub-Airlines auf der einen und Eurowings auf der anderen Seite." Sprich: Auf einem Ticket sollen Flüge verschiedener Airlines dargestellt werden können.

Dies sei über Codeshares zwar auch heute schon der Fall - allerdings sollen Fluggäste zukünftig auch verschiedene Kabinenklassen von den Netzwerk-Airlines und Eurowings auf einem Ticket "mixen" können. "Das macht aus Sicht der Kunden Sinn", so Hohmeister. "Manche unserer Kunden wollen etwa auf der Strecke Hamburg-Bangkok auf dem Hinweg ein Premium-Produkt, auf dem Rückweg dann aber möglichst günstig in der Economy fliegen können." Ein genauer Zeithorizont für die Integration steht noch nicht fest.

Von: cs
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