Lufthansa plant wohl touristische Langstrecke um

Exklusiv 16.11.2018 - 13:14 0 Kommentare

Unter dem Projektnamen "Ocean" arbeitet der Lufthansa-Konzern offenbar an einer Neustrukturierung des touristischen Langstreckenverkehrs. Diese soll dem Vernehmen nach von Frankfurt aus gesteuert werden. Für Experten ist dies sinnvoll.

Eine A330 der Eurowings. - © © AirTeamImages.com - Adrian Jack

Eine A330 der Eurowings. © AirTeamImages.com /Adrian Jack

Lufthansa denkt offenbar darüber nach, das Langstreckengeschäft im touristischen Bereich umzubauen. Nach airliners.de-Informationen aus Unternehmenskreisen ist zu diesem Zweck ein Projekt mit dem Namen "Ocean" aufgelegt worden. Der Konzern teilt auf Anfrage mit, dass man in der Öffentlichkeit nicht über Projekte rede. Eurowings weist daraufhin, dass die Spekulationen nicht neu sind.

Den Informationen zufolge haben die Überlegungen vor allem einen organisatorischen Hintergrund: In Frankfurt sollen zukünftig neben der Lufthansa-Langstrecke auch die touristischen Interkontinental-Verbindungen von Billigtochter Eurowings geplant werden - also beispielsweise für Flüge in die Karibik und nach Asien.

Eurowings übernimmt in Düsseldorf

Die Lufthansa-Langstrecke war in diesem Jahr in Berlin (Verbindung nach New-York-JFK) ausgestiegen - in Düsseldorf folgt der Exit der Lufthansa Classic (Verbindung nach New-York-EWR) im Dezember. Beide Routen sollte Eurowings übernehmen.

In Berlin ging dies wegen Slot-Problemen nicht, wie das Management betont; in Düsseldorf hingegen geht die EWR-Verbindung zum 1. Dezember auf die Low-Cost-Plattform über. Das Interkontinental-Geschäft des Kranichs konzentriert sich somit nur noch auf die Hubs Frankfurt und München.

Lead geht zu Brussels Airlines

Eurowings operiert ihre Langstrecke seit dem Winter von Düsseldorf und München aus. Die Steuerung soll im kommenden Jahr in ein "Kompetenzzentrum" der Schwester Brussels Airlines abgegeben werden. Gleichzeitig geht die Organisation der Kurz- und Mittelstrecke in der "Eurowings Group" auf Eurowings in Köln über.

Brussels Chefin Christina Förster sagte im Interview mit airliners.de: "Der Lead für den Bereich Netz- oder Produktentwicklung liegt für Langstrecken hier in Brüssel." Allerdings sagte Förster auch, dass die Personen dieses Bereichs "nicht alle hier sitzen müssen".

Experte befürwortet Konzentration

Aus Sicht des Tourismusexperten und Aviation-Management-Professors Christoph Brützel ist die Aufteilung schlüssig. "Touristische Langstrecken bedienen Ziele, die typischerweise Reiseziele aus dem Quellmarkt sind und nicht umgekehrt", konstatiert Brützel. "Im Quellmarkt fokussiert sich das Angebot auf Privatreisende, die im wesentlichen Eco und eventuell Premium Eco reisen wollen. Dort gibt es in aller Regel auch keine ernsthaften Netzwerk-Carrier, die als Konkurrenten auftreten."

Um die Kosten gering zu halten, müssten diese nonstop befördert werden - "also Point-to-Point". "Flächentarife, die Feeder einpreisen, sind von der Produktion zu teuer und induzieren Komplexitätskosten für die Sicherung der Konnektivität", so Brützel. Daher sei der touristische Langstreckenverkehr eine "Spielwiese für Point-to-Point-Angebote".

Brussels und Sun Express bedienen Eurowings-Langstrecke

Seit dem Sommer bedient Brussels mit aktuell drei (ab Dezember vier Maschinen) auch einen Teil der US-Ziele von Eurowings. Die restlichen sieben Jets vom Typ A330 werden von Sun Express Deutschland ab Düsseldorf und München operiert.

Darstellung: © airliners.de

Auch die Verlagerung der 2015 in Köln/Bonn gestarteten Eurowings-Langstrecke nach unter anderem Düsseldorf ist für Experte Brützel sinnvoll: "Düsseldorf hat die mit Abstand beste Catchment-Area für touristische Verkehre aus Deutschland."

Dissens über Gebühren in Frankfurt

Gleichzeitig äußerte Kranich-Chef Carsten Spohr vor Kurzem die Überlegung, mit dem Interkontinental-Verkehr der Low-Cost-Tochter auch am Lufthansa-Heimatflughafen Frankfurt einzusteigen. Zu dem Zweck könnten A330-Jets von Eurowings an den Main verlegt werden, sagte er in einer Telefonkonferenz vor Analysten.

Dies wäre für Beobachter ein großer Schritt. Denn bislang fliegt Eurowings den Heimatflughafen der Mutter nicht an. Zwar gab es immer wieder Überlegungen, die Tochter auch an den Main zu bringen, doch lehnte es Flughafenbetreiber Fraport wiederholt ab, Eurowings dieselben Rabatte einzuräumen wie anderen "New Entries".

Ryanair hingegen bekam beim Einstieg am Flughafen Frankfurt die Gebühren reduziert, weil sie neue Strecken brachten. Das führte im Frühjahr vergangenen Jahres zu einem großen Streit zwischen Fraport und Lufthansa. Im gleichen Zeitraum beschloss der Kranich, A380-Jets nach München zu verlegen und dafür deutlich lautere A340-Flugzeuge nach Frankfurt zu schieben.

Als Reaktion auf den Dissens wollte Lufthansa dies aber nicht verstanden wissen. "Es gibt keinen direkten Zusammenhang", sagte ein Konzernsprecher damals und fügte hinzu: "Natürlich wird Wachstum da stattfinden, wo die Voraussetzungen am besten sind, und die Kosten sind ein Faktor."

Kurz nachdem Spohr kürzlich eine Begrenzung der Slots an großen Flughäfen wie Frankfurt, Hamburg und München als Reaktion auf die Probleme im Sommer ins Spiel brachte und ADV-Präsident Stefan Schulte öffentlich die Wirksamkeit dieser Maßnahme infrage stellte, verkündete der Kranich erneut eine Umstationierung. Auch wolle man das Wachstum in Frankfurt "drosseln".

© Leonard Niemann, Lesen Sie auch: Darum schiebt Lufthansa weitere Maschinen nach München

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • A330 von Eurowings hebt in Düsseldorf ab. Eurowings übernimmt weitere Lufthansa-Langstrecke

    Eurowings übernimmt in Düsseldorf die letzte Langstrecke von Lufthansa. Durchgeführt werden die New-York-Flüge von Brussels. Der belgische Carrier kündigt zeitgleich an, die eigene A330-Flotte modernisieren zu wollen.

    Vom 03.12.2018
  • Eine Eurowings-Maschine am Flughafen Berlin-Tegel. So plant LGW den Tegel-Exit

    LGW wird ab kommendem Jahr keine Airbus-Flugzeuge mehr operieren, bestätigt Eurowings. Laut Unternehmenskreisen sollen zudem die Turboprops der Ex-Air-Berlin-Tochter aus Berlin-Tegel abgezogen werden.

    Vom 20.11.2018
  • Viele verschiedene Airlines waren in diesem Sommer am Himmel zu sehen - hier 15 von ihnen plus die verschwundene Air Berlin. So performten die Airlines im Sommer

    Bilanz 30 Prozent mehr Flüge als im Sommer 2017 haben die 15 wichtigsten Airlines auf dem deutschen Markt in diesem Sommer angeboten. Gleichzeitig wuchsen auch die Probleme massiv. Mit schweren Folgen.

    Vom 26.10.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Lufthansa Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »