Lufthansa zieht weitere Jets in Frankfurt ab

27.09.2018 - 15:06 0 Kommentare

Der Kranich-Konzern zückt am Heimatflughafen Frankfurt den Rotstift. Neben den Verlagerungen von A340-Jets nimmt Lufthansa auch eine Umstationierung weiterer A380-Maschinen ins Visier - und will das Wachstum am Main "drosseln".

Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen München. - © © AirTeamImages.com - Denis Roschlau

Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen München. © AirTeamImages.com /Denis Roschlau

Lufthansa will am Heimatflughafen Frankfurt die Flotte weiter reduzieren. Bereits entschieden ist laut Mitteilung, dass ein Großteil der A340-600-Flotte von Frankfurt nach München verlegt wird. Von den insgesamt 17 Jets dieses Typs sind nach airliners.de-Informationen bislang noch zehn Flugzeuge am Main gebased.

Für die Ausweitung der Zubringerverkehre werden zudem drei A320-Maschinen von Frankfurt nach München umstationiert, "während drei kleinere Bombardier CRJ900 im Gegenzug von München nach Frankfurt verlegt werden". Was die Verlagerung für die Kapazitäten bedeutet, geht aus der Mitteilung der Lufthansa nicht hervor.

Auch A380-Doppelstöcker könnten verlegt werden

Der Konzern prüfe darüber hinaus die "perspektivische Verlagerung weiterer A380 von Frankfurt nach München für 2020". Dies führe man darauf zurück, dass die bereits erfolgte Verlagerung von fünf Doppelstöckern im Sommer "vom Markt sehr gut aufgenommen wurde".

Diese Verlagerung kündigte Lufthansa im Frühjahr vergangenen Jahres an - mitten im Streit um Gebührenrabatte, die Fraport Ryanair gewährte, nicht aber Eurowings einräumen will. Die Kranich-Billigtochter ist nach wie vor nicht am Drehkreuz der Mutter aktiv. Offiziell begründete Lufthansa den Schritt, fünf A380-Jets von Frankfurt nach München zu verlegen damals mit niedrigeren Kosten.

Das Pikante dabei: Einige der A340-600-Maschinen waren im Zuge der Verlegung im Sommer als Ausgleich für den A380-Aderlass von München nach Frankfurt verlegt worden. Insgesamt betreibt Lufthansa 14 Doppelstöcker.

Auch die Stationierung neuer Flugzeuge ist für den eigentlichen Kranich-Heimatflughafen Frankfurt nicht sicher. "Wir wachsen dort, wo Kosten und Qualität stimmen", sagte Drehkreuz-Chef Harry Hohmeister mit Blick auf die bestellten Boeing 777-9. Lufthansa bekommt zwischen 2020 und 2025 34 Flugzeuge der Boeing-777-X-Reihe (-8 und -9) ausgeliefert.

"Wachstum in Frankfurt drosseln"

München soll laut Lufthansa zum Asien-Hub ausgebaut werden. Hierfür sind Langstrecken nach Bangkok, Osaka, Seoul und Singapur geplant, die zum Teil aus Frankfurt hierher verlegt werden. Demgegenüber wird Lufthansa das Wachstum in Frankfurt "drosseln, um die Pünktlichkeit und operationelle Stabilität zu verbessern".

"Schwerpunkt der strategischen Ausrichtung des Drehkreuzes Frankfurt wird weiterhin die Optimierung des Destinationsmixes im Sinne eines qualitativen Wachstums sein", heißt es vom Konzern. Die Lufthansa Group rechnet für die Network-Airlines mit einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich an diesem Drehkreuz für 2019 im Vergleich zum Vorjahr.

Lufthansa an Airports
Angaben in Prozent
Frankfurt 30.5
München 20.1
Berlin-Tegel 2.5
Hamburg 2.3
Düsseldorf 1.4
London-Heathrow 1.2
Barcelona 1.0
Übrige Airports 41.0

Die Grafik zeigt die Verteilung der von Lufthansa angebotenen Sitzplatzkapazitäten im laufenden Sommerflugplan an verschiedenen Flughäfen. "Übrige Airports" sind jene mit jeweils weniger als einem Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-Aviation

Auch in Wien setzt der Konzern mit 40 zusätzlichen Flügen pro Woche ab dem Winter auf Wachstum: Neben den neuen Europaflügen erhöht Austrian Airlines zusätzlich die Nordamerika-Frequenzen. Zuletzt hatte Konzernchef Carsten Spohr dem Wunsch nach neuen Langstreckenmaschinen bei Austrian Airlines eine Absage erteilt.

Am Swiss-Drehkreuz Zürich setzt der Lufthansa-Konzern "weiter auf moderates Wachstum". "Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Ausbau der Europa-Aktivitäten." Hohmeister sagte im Juni im Interview mit airliners.de, dass die Schweizer-Tochter "optimal aufgestellt" ist.

Streit um Wachstumsstopp

"Das Ziel der gesamten Branche sollte ein qualitatives Wachstum sein", konstatiert Hohmeister nun. Dazu sei es auch notwendig, dass die Infrastruktur am Boden und in der Luft Schritt halte "mit dem Wachstum der Branche". "Bestehende Defizite müssen beseitigt werden."

Beobachter sehen in den Entscheidungen der Lufthansa und den Aussagen Hohmeisters auch eine Antwort auf Klarstellungen von ADV-Präsident Stefan Schulte. Schulte, der auch Chef des Flughafens Frankfurt ist, hatte einen von Spohr ins Spiel gebrachten Wachstumsstopp an deutschen Airports als Lehre aus dem Verspätungschaos in diesem Sommer abgelehnt.

Spohr will Slots einfrieren

Schulte pocht zudem auf eine gemeinsame Lösung der Branche. Ihm springt Airport-Chef Thomas Schnalke zur Seite, der das "Hauptproblem der Branche nicht in der Luft" sieht. Spohr hatte vorab gefordert, dass die Zahl der stündlichen Starts und Landungen an den Flughäfen sinken müsse.

Konkret forderte er in dieser Woche laut "Handelsblatt", dass in Frankfurt beispielsweise stündlich zwei Slots wegfallen sollen. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" wolle sich auch Lufthansa selbst im Verzicht üben - allerdings nur dann, wenn die für die Slotregulierung geltende "Use it or lose it"-Regel ausgesetzt würde. Experten halten diesen Schritt für unrealistisch, da die Politik damit indirekt ein Versagen des Konzepts "European Single Sky" der Flugsicherung eingestehen müsste.

Von: cs
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