Spohr bekräftigt Interesse an Alitalia

27.06.2018 - 15:07 0 Kommentare

Lufthansa-Chef Spohr macht nach der Regierungsbildung in Italien per Brief klar, dass sein Konzern weiterhin Interesse an Alitalia hat. Aber es müssten Bedingungen erfüllt werden, sagt auch Hub-Chef Hohmeister.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr - © airliners.de - Gunnar Kruse

Lufthansa-Chef Carsten Spohr airliners.de /Gunnar Kruse

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat erneut bekräftigt, immer noch an der zahlungsunfähigen Alitalia interessiert zu sein. In einem Brief an den italienischen Arbeits- und Vizepremierminister Luigi Di Maio betonte der Kranich-Lenker laut "Il Messaggero" "strategisches Interesse" an der italienischen Airline zu haben. Eine Antwort auf den Brief steht bisher noch aus.

In dem Schreiben versichert Spohr laut Zeitung, dass der Konzern weiterhin gewillt sei, in den Flughafen Rom-Fiumiciono zu investieren, welcher für die Entwicklung von Alitalia von wesentlicher Bedeutung sei. Das Alitalia-Drehkreuz könnte Branchenkennern zufolge neuer Hub der Group werden.

Stellenabbau weiter Streitthema

Die Lufthansa drängt jedoch weiter auch auf einen Stellenabbau bei Alitalia: Von derzeit 12.400 Mitarbeitern soll das Personal auf höchstens 7000 Personen sinken, betonte Spohr erneut. Das Thema Personalabbau könnte zu einem Streitpunkt bei Verhandlungen mit der italienischen Regierung werden, berichtete das Blatt.

Denn genau dieser Punkt war zuvor schon Streitthema. Lufthansa hatte Mitte Oktober ein Programm für eine "neue Alitalia" vorgestellt. In ihrer bisherigen Form gelte Alitalia als "unsanierbar". Der Lufthansa-Plan enthalte laut Medienberichten den Abbau von rund 6000 Arbeitsplätzen sowie die Streichung von Kurz- und Mittelstreckenflügen. Doch genau der Stellenabbau sorgte für Protest der Gewerkschaften.

Ebenfalls soll der Kaufpreis im Fokus einer Debatte gestanden haben: Lufthansa bot 250 Millionen Euro, die drei von der italienischen Regierung eingesetzten Sonderverwalter drängen aber wohl auf mindestens 400 Millionen Euro.

"Der Ball liegt nun in Italien"

Auch Lufthansa-Hub-Vorstand Harry Hohmeister betonte im Interview mit airliners.de jüngst, dass eine Übernahme durch Lufthansa nur bei Umstrukturierungsmaßnahmen denkbar sei: " Für eine Alitalia im gegenwärtigen Zustand interessieren wir uns nicht." Der Ball liege nun in Italien und dort müsse man entscheiden, was man wolle.

© airliners.de, Lesen Sie weiter: "Frankfurt darf sich nicht um Verantwortung drücken" Interview mit Lufthansa-Hub-Chef Harry Hohmeister

Nach den Parlamentswahlen Anfang März und der zähen Regierungsbildung lag der Verkauf der Alitalia lange Zeit auf Eis. Die neue Regierung aus Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung hat in ihrer Regierungsvereinbarung festgehalten, dass Alitalia nicht nur gerettet werden, sondern "im Rahmen eines nationalen Verkehrsplans" neu aufgestellt werden müsse.

In der vergangenen Woche ging die Meldung um, die italienische Regierung wolle eine Sperrminorität von 25 Prozent an dem Carrier behalten, um zu verhindern, dass die Airline-Marke zerschlagen wird.

Der Verkauf der Alitalia ist bis Ende Oktober verlängert werden. Der Carrier soll in zwei Losen verkauft werden:

  • Die eine beinhaltet den Flugbetrieb einschließlich Flugzeugen und der Wartung;
  • der andere Teil beinhaltet die Bodenverkehrsdienste.

Dabei haben die Verwalter auch Struktur- und Arbeitsplatzgarantien im Blick.

Von: cs
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