Lufthansa-Hauptversammlung: Klima-Aktivisten wollen Spohr abwählen

Auf ihrer Hauptversammlung muss sich Lufthansa zu ihren Umweltschutzbemühungen erklären. Eine Aktionärsgruppe beantragt sogar, den Vorstand nicht zu entlasten. Lufthansa-Chef Spohr sieht die Schuld für das schlechte Klima-Image der Branche bei der Preisgestaltung der Billigflieger.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. - © © dpa - Daniel Bockwoldt

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa /Daniel Bockwoldt

Die Umweltbilanz der Lufthansa Group war einer der kontroversesten Tagesordnungspunkte bei der Hauptversammlung der größten europäischen Airlinegruppe in Bonn. So hatte unter anderem der "Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre" die Klimaproblematik auf die Agenda gesetzt. In einem förmlichen Antrag fordert der Verband zudem, die Mitglieder des Vorstands nicht zu entlasten, weil sie zu wenig gegen den Anstieg der CO2-Emissionen getan hätten.

In der bereits vorher angekündigten Rede des Verbandsmitglieds Moritz Leiner, der während der Hauptversammlung 10.000 an die Kritischen Aktionäre übertragene Aktien vertritt, wird dieser Schritt mit Zweifeln an der Ernsthaftigkeit der Umweltschutzbemühungen des Vorstands begründet.

So habe die Lufthansa in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass man sich nachdrücklich dafür einsetze, die Umweltauswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf ein unvermeidbares Maß zu beschränken. Das will Leier so nicht stehen lassen und rechnet vor, dass die absoluten CO2-Emissionen der Lufthansa im Jahr 2018 um sieben Prozent von 30,4 auf 32,6 Millionen Tonnen gestiegen seien.

Das von der Zivilluftfahrtorganisation Icao vorgegebene Ziel eines CO2-neutralen Wachstums, auf das auch die Lufthansa verweist, erscheine zunehmend unrealistisch, betonte der Dachverband bereits zuvor. Allein am heutigen Dienstag flögen vier Lufthansa-Flugzeuge von München nach Nürnberg.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Auf kurze Hub-Zubringer lässt sich nur schwer verzichten Analyse

Deren CO2-Emissionen seien vermeidbar, moniert Leier und fragt, warum es im Raum München wie auch in anderen Regionen keine Bemühungen seitens der Lufthansa gebe, durch Angebote wie die "Lufthansa Express Rail" die Schiene gegenüber Kurzstreckenflügen attraktiver zu machen. Insgesamt gebe es zwar einige Initiativen und Ansätze für eine verbesserte Umweltbilanz, wie der Kauf neuer Flugzeuge oder die CO2-Kompensation von Dienstflügen von Lufthansa-Mitarbeitern, diese seien jedoch nicht ausreichend.

Wie bereits in der vergangenen Woche bei der RWE-Hauptversammlung haben die "Kritischen Aktionäre" zusätzlich einen Teil ihres Rederechts an Vertreter der Jugend-Protestbewegung "Fridays for future" abgetreten. Dort hatte die Aktivistin Luisa Neubauer eine Rede gehalten. "Sie sind mitverantwortlich für den Sturzflug unserer Erde," las nun der "Fridays for Future"-Aktivist Maximilian Reimers bei der Hauptversammlung im Bonner Kongresszentrum der Spitze der Lufthansa die Klima-Leviten.

Lufthansa setzt auf moderne Flotten

In seiner Stellungnahme verwies das Management um Vorstands-Chef Carsten Spohr auf den niedrigsten Durchschnittsverbrauch in der Geschichte des Unternehmens, der im vergangenen Jahr vor allem mit effizienteren Jets erreicht worden sei. Die Airlines der Gruppe benötigten im Schnitt noch 3,65 Liter Kerosin, um einen Passagier 100 Kilometer weit zu fliegen.

Gleichzeitig sieht die Lufthansa die eigenen Möglichkeiten zur Emissions-Reduzierung im Kerngeschäft aber begrenzt. "CO2-neutrales Fliegen ist technisch nicht absehbar", räumte Spohr ein. Bio-Kraftstoffe seien zwar prinzipiell und nicht zuletzt von der Lufthansa erprobt, stünden aber längst nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Mehr Hoffnung setze er auf die Umwandlung regenerativer Energie in Treibstoff.

Der Airline-Chef bezeichnete die Flotten-Modernisierung mit effizienteren Maschinen als "auf absehbare Zeit" größten Hebel, um möglichst umweltschonend zu fliegen. Der Konzern plane den Zugang von 221 neuen Flugzeugen bis 2027 und investiere dafür jedes Jahr Milliarden-Beträge. Zum Jahreswechsel zählte die Konzernflotte 763 Flugzeuge. Allein im März habe der Konzern 40 hochmoderne Langstreckenflugzeuge bestellt. Allein diese Flugzeuge würden helfen, 1,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr einzusparen.

Spohr: "Tickets für unter zehn Euro sind unverantwortlich."

Außerdem mahnte Spohr "qualitatives" statt quantitatives Wachstum an - für die Lufthansa, aber auch im europäischen Luftverkehr generell. Flugtickets für weniger als zehn Euro gefährden nach seiner Ansicht langfristig die gesellschaftliche Akzeptanz des Luftverkehrs. "Tickets für unter zehn Euro - wie bei einigen unserer Mitbewerber - sind aus meiner Sicht unverantwortlich. Ökonomisch unverantwortlich, ökologisch unverantwortlich. Und auch politisch unverantwortlich", erklärte der Vorstandschef. Die Billigtickets weckten eine künstliche Nachfrage, mit der das bestehende System verstopft werde.

Spohr erneuerte seine Forderung nach einer Vereinheitlichung des zersplitterten europäischen Luftraums. Allein mit dieser Maßnahme könne die Lufthansa-Gruppe jährlich drei Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen - rund ein Zehntel der aktuellen Emissionen.

Im vergangenen Jahr hatte der Lufthansa-Konzern mit einem stark ausgebauten Flugangebot seine CO2-Emissionen um sieben Prozent auf 32,6 Millionen Tonnen gesteigert. In diesem Licht scheine das von der Zivilluftfahrtorganisation Icao vorgegebene Ziel eines CO2-neutralen Wachstums unrealistisch, betonte der Dachverband der kritischen Aktionäre und bezeichnete die von Lufthansa angekündigten Gegenmaßnahmen als nicht ausreichend.

Dennoch scheiterte der Verband mit seinem Antrag, den Vorstand dafür abzustrafen. Mit großer Mehrheit entlasteten die anwendenden Aktionäre zum die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2018. Insgesamt hatte die Lufthansa in der Hauptversammlung elf Tagesordnungspunkte aufgestellt. Die Aktionäre stimmten nach Angaben des Unternehmens allen Punkten zu.

Von: dk, dpa

Datum: 07.05.2019 - 18:28

Adresse: http://www.airliners.de/lufthansa-hauptversammlung-klima-aktivisten-spohr-krit/49988