Silvio Berlusconi

«Lufthansa hat nicht für Alitalia geboten»

08.01.2009 - 14:55 0 Kommentare

Ein Einstieg von Air France-KLM bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia wird immer wahrscheinlicher. Die Lufthansa habe kein Angebot für einen Anteil an Alitalia abgegeben, sagte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Mittwochabend in Rom. Ein Lufthansa-Sprecher dagegen sagte am Donnerstag, das Unternehmen habe sein "Konzept" für einen Einstieg vorgestellt.

Silvio Berlusconi - © © dpa -

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Berlusconi reagierte mit seiner Aussage auf die Frage von Journalisten, ob die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM bei Alitalia einsteigen werde. Zuvor war der italienische Regierungschef mit den Eigentümern von Alitalia, dem Investorenkonsortium Cai, zusammengetroffen. Sie befürworteten nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa einen Einstieg von Air France-KLM. Berlusconi, der zunächst einen Einstieg der Lufthansa favorisiert hatte, habe sich nicht dagegen gestellt.

In italienischen Medien gilt es bereits seit Wochen als ausgemacht, dass Air France-KLM bei Alitalia einsteigt. Die Fluggesellschaft will nach französischen Presseberichten bis zu 300 Millionen Euro für einen Anteil von 25 Prozent an der neu gegründeten italienischen Airline zahlen. Der Verwaltungsrat von Air France-KLM befasst sich am Freitag mit dieser Frage.

Die neue Alitalia soll am 13. Januar den Betrieb aufnehmen. Sie besteht aus der pleitegegangenen Alitalia und Italiens zweitgrößter Fluggesellschaft Air One. Bis zum Start sucht das Konsortium Cai noch einen ausländischen Partner.

Lufthansa lässt Alitalia abblitzen

Die Lufthansa habe nach wie vor Interesse an einem Einstieg bei der Alitalia, sagte der Lufthansa-Sprecher. Die Nummer eins der deutschen Fluggesellschaften habe der Investoren-Gruppe Cai ihr Konzept dafür vorgestellt. Worin jedoch der Unterschied zwischen einem konkreten Kaufangebot für eine Beteiligung und einem Konzept liegt, präzisierte der Sprecher nicht.

Zuletzt war Lufthansa bei Brussels Airlines und bei der Austrian Airlines eingestiegen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte betont, er wolle im Kampf gegen immer größere Wettbewerber aus den USA und der Golf-Region ein europäisches Airlinesystem aufbauen. Die Lufthansa, die bereits in der Schweiz und in Großbritannien stark engagiert ist, gilt auch in Skandinavien und Polen als möglicher Aufkäufer.

Lufthansa hatte in den vergangenen Monaten auch öffentlich um eine Zusammenarbeit mit der neugegründeten Alitalia geworben und massive Synergien in Aussicht gestellt. Gleichzeitig hatte sie aber angekündigt, auf dem wichtigen italienischen Markt auch eine eigene neue Fluggesellschaft unter der Marke «Lufthansa Italia» aufbauen zu wollen. Damit stünde sie gemeinsam mit ihrer Tochter Air Dolomiti in direkter Konkurrenz zu Alitalia.

Neue Streiks der Alitalia-Beschäftigten

Unterdessen kam es am Donnerstag auf dem römischen Flughafen Fiumicino zu Arbeitsniederlegungen. Rund 400 Alitalia-Beschäftigte des Bodenpersonals organisierten einen Protest-Umzug, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Rund 70 nationale und internationale Flüge mussten gestrichen werden, außerdem sei es zu Chaos bei der Gepäckausgabe gekommen. Hauptvorwurf der Streikenden war, dass die versprochenen Neueinstellungen der CAI nicht zu den mit den Gewerkschaften vereinbarten Bedingungen vollzogen würden.

Die private Investorengruppe CAI hatte in ihrem Übernahmeplan der maroden Luftlinie Alitalia einen Abbau von mindestens 3500 Arbeitsplätzen angekündigt, die restlichen 12 500 sollten von der neuen Alitalia übernommen werden. Die neue Fluggesellschaft, die aus der Fusion der privaten italienischen Luftlinie Air One und den Resten der alten, pleitegegangenen Alitalia entsteht, soll am 13. Januar unter gleichem Namen offiziell starten. Widerstand gegen einen Einstieg von Air France/KLM gibt es auch in Mailand, weil die Franzosen bei einem Einstieg den römischen Flughafen Fiumicino bevorzugen wollen.

Von: AFP, dpa
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