Lufthansa Group will nach erneutem Rekordjahr langsamer wachsen

14.03.2019 - 16:10 0 Kommentare

Trotz Chaos-Sommer und Eurowings-Ausbau weist die Lufthansa Group den zweithöchsten Gewinn ihrer Geschichte aus. Jetzt soll das Wachstum gebremst werden. An Teilen der Condor ist Lufthansa aber interessiert.

Carsten Spohr. - © © dpa - Sven Hoppe

Carsten Spohr. © dpa /Sven Hoppe

Die Lufthansa Group hat trotz hoher Treibstoffkosten und den Nachwehen des chaotischen Sommers einen stattlichen Gewinn eingeflogen. Das teilte der Konzern am Donnerstag in Frankfurt mit.

Unter dem Strich machte der Konzern einen Gewinn von 2,2 Milliarden Euro, rund acht Prozent weniger als 2017. Der Umsatz kletterte um knapp sechs Prozent auf einen neuen Rekordwert von 35,8 Milliarden Euro. Allerdings ging der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) im Vergleich zum Rekordjahr 2017 um rund vier Prozent auf gut 2,8 Milliarden Euro zurück.

Verantwortlich für den Rückgang sind aus Sicht des Managements neben den höheren Kosten für Kerosin und den Entschädigungszahlungen auch die Eingliederung der 77 früheren Air-Berlin-Jets bei der Tochter Eurowings.

"2018 war erneut ein finanziell erfolgreiches für uns. Wir haben das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt", resümierte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns Carsten Spohr. Ohne die Einmaleffekte aus der Air-Berlin-Integration "hätten wir das Rekordergebnis aus 2017 sogar übertroffen und die Drei-Milliarden-Grenze übersprungen".

Kerosinpreise drücken Bilanz

Der gestiegene Ölpreis und das durch die Teilübernahme der Air Berlin stark gewachsene Flugangebot ließen die Treibstoffkosten der Lufthansa Gruppe um rund 850 Millionen auf 6,1 Milliarden Euro anschwellen.

Die Integration des ehemaligen Air-Berlin-Geschäfts bei Eurowings schlug mit 170 Millionen Euro zu Buche, so dass die Billigtochter des Lufthansa-Konzerns im Gesamtjahr einen operativen Verlust von 231 Millionen Euro einflog.

Die Flugausfälle und Verspätungen sowie die Entschädigung der betroffenen Kunden kosteten den Konzern rund 518 Millionen Euro. Rund zwei Drittel mehr als im Vorjahr, wie die Lufthansa Group mitteilte. Um für mögliche Flugausfälle und Verspätungen künftig besser gerüstet zu sein, stehen im Sommer mit 37 Reservemaschinen 15 Flugzeuge mehr zur Verfügung, als im vergangenen Jahr. Netzwerk-Airlines wachsen

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Die Kernmarke Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines haben dagegen im Vergleich zum Vorjahr ihr Ergebnis nach Steuern um sechs Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gesteigert. Unter den Netzwerkairlines konnte Swiss mit elf Prozent das Größte Gewinn-Wachstum ausweisen. Die Airline brachte einen operativen Gewinn von 593 Millionen Euro. Lufthansa Passage schloss das Jahr 2018 mit 1,75 Milliarden Euro Gewinn (plus 5 Prozent). Austrian Airlines steuerte lediglich 83 Millionen Euro Gewinn bei - ein Minus von elf Prozent.

Besonders stark war das Gewinn-Wachstum mit einem Plus 74 Prozent bei der Catering-Tochter LSG. Diese hat 2018 ein Ergebnis von 115 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Das Adjusted Ebit der Lufthansa Technik lag zwei Prozent über Vorjahr bei 425 Millionen Euro.

Die Logistik-Sparte mit Lufthansa Cargo hat ihr Rekordergebnis aus dem Vorjahr noch einmal um zwei Prozent auf 268 Millionen Euro verbessert.

Eurowings soll wieder Gewinn machen

Doch die weiter steigenden Kerosinpreise und der Preiskampf unter den europäischen Airlines dämpfen die Erwartungen für das laufende Jahr. Spohr hielt sich bei der Gewinnprognose für 2019 eine große Spanne offen.

Beim Umsatz erwarte man im laufenden Jahr ein Wachstum zwischen vier und sechs Prozent. Davon sollen 6,5 bis acht Prozent als operativer Gewinn beim Konzern hängen bleiben. Das wäre eher weniger als 2018, wo diese sogenannte bereinigte Ebit-Marge bei 7,9 Prozent lag.

Die Ticketpreise dürften eher auf dem Niveau des Vorjahres bleiben, so der Konzern - mit einem leichten Anstieg bei Eurowings und einem leichten Rückgang bei den Netzwerk-Airlines. Es sei wichtig, Eurowings zurück in die Gewinnzone zu bringen, hieß es auf der Bilanzpressekonferenz.

Aus dem Preiskampf mit anderen Billigfliegern will Lufthansa die Eurowings aber heraushalten. Spohr sagte: "Ich sehe keinen Grund, für neun Euro durch die Luft zu fliegen. Das ist ökonomischer und ökologischer Wahnsinn. Wir beginnen bei 35 Euro."

Für 2019 erwartet das Management jetzt Treibstoffkosten von 6,7 bis 6,8 Milliarden Euro. Noch im Januar hatte der Konzern mit einem deutlich geringeren Anstieg auf 6,3 Milliarden Euro gerechnet.

Flugangebot wird weniger stark ausgebaut

Nun sollen die Airlines des Konzerns weniger stark wachsen. Spohr halbierte die Wachstumspläne beim Flugangebot für den Sommer. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum will der Konzern sein Flugangebot jetzt statt um 3,8 nur noch um 1,9 Prozent ausweiten.

Für das laufende Geschäftsjahr strebe man noch ein Plus von gut drei Prozent an. Dabei soll die vor allem innerhalb Europas fliegende Eurowings um etwa zwei Prozent zulegen, die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian um rund vier Prozent.

Spohr zeigt Interesse an Condor

Auf welche Weise Eurowings weiter wächst, ist laut Lufthansa-Chef auch von den Verkaufsverhandlungen um den Ferienflieger Condor abhängig. Der Touristikkonzern Thomas Cook hat seine Fluggesellschaften, zu denen auch die deutsche Condor gehört, kürzlich zum Verkauf gestellt.

© AirTeamImages.com, Simon Willson Lesen Sie auch: Thomas Cook will Airlines verkaufen

Nun zeigt der Kranich-Konzern offen Interesse, sich den ehemaligen Lufthansa-Ferienflieger wieder einzuverleiben. Allerdings sei offen, was die Wettbewerbshüter dazu sagten, räumte Spohr ein. Zumindest das Langstreckengeschäft der Condor hält er jedoch für interessant.

Ab Oktober bietet Eurowings erstmals auch Flüge ab Frankfurt an, und zwar Langstrecken nach Mauritius und Barbados sowie nach Windhoek in Namibia. Zum Angebot in München, wo bereits seit vergangenem Sommer einzelne Langstreckendestinationen mit Eurowings bedient werden, soll ab Herbst ein täglicher Flug nach Bangkok hinzukommen.

Von: br mit dpa-AFX
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