Lufthansa-Vorstand verdient in Zukunft mehr Gehalt

28.04.2016 - 09:30 0 Kommentare

Trotz Rekordgewinn: Die Lufthansa steht unter Druck und muss weiter Kosten senken. Dennoch kann eine Gruppe im Konzern auf eine kräftige Erhöhung ihres Gehalts hoffen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (li.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber bei der Hauptversammlung in Hamburg.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (li.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber bei der Hauptversammlung in Hamburg.
© dpa - Christian Charisius

Aktionäre der Lufthansa.

Aktionäre der Lufthansa.
© dpa - Christian Charisius

Trotz des andauernden Kostendrucks bei der Lufthansa steigen die Gehälter des Vorstands. Die Hauptversammlung des Dax-Konzerns genehmigte jetzt mit rund 90 Prozent Zustimmung eine neue Gehaltsstruktur für die fünfköpfige Führungsmannschaft um Chef Carsten Spohr.

Die variablen Teile des Entgelts werden an neue Kennziffern gekoppelt, erläuterte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber den im Hamburg versammelten Aktionären, und sollen so perspektivisch rund zehn Prozent über dem bisherigen Niveau liegen.

Lufthansa orientiert sich an anderen Dax-Konzernen

Im Dax-Vergleich sieht sich Lufthansa mit ihren Vorstandsvergütungen weiterhin im hinteren Mittelfeld. Sie seien seit 2008 nicht mehr erhöht worden, sagte Mayrhuber. Spohr hat nach dem alten System im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen und Rentenansprüchen knapp 3,2 Millionen Euro (2014: 2,74 Millionen Euro) verdient.

Seine Bezüge sollen in der neuen Struktur mit einem Plus von rund 300.000 Euro stärker steigen als die der übrigen Vorstandsmitglieder (plus 100.000 Euro), um den Abstand zwischen dem Chef und den anderen Top-Managern zu vergrößern. Auch hier dienten andere Dax-Konzerne als Maßstab.

Billiger Treibstoff soll Kostenvorteile bringen

Lufthansa steht auch nach Ansicht einiger Aktionärsvertreter nach wie vor unter starkem Kostendruck. Der aktuelle Rekordgewinn von knapp 1,7 Milliarden Euro ist geprägt von Sondereffekten und dem dauerhaft niedrigen Kerosinpreis. "Strukturell haben Sie bislang zu wenig erreicht", kritisierte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) den Vorstand.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Günstiger Treibstoff beschert Lufthansa enormen Gewinnsprung

Lufthansa rechnet über das laufende Geschäftsjahr hinaus mit deutlichen Kostenvorteilen durch billigen Treibstoff. Er erwarte bei etwa gleich bleibenden Preisen und Wechselkursen für die Jahre 2017 und 2018 jeweils Entlastungen im mittleren dreistelligen Millionenbereich, sagte Lufthansa-Chef Spohr.

2015 bezahlte Lufthansa 5,8 Milliarden Euro für Kerosin und sparte damit bereits eine Milliarde Euro im Vergleich zum Vorjahr. Im laufenden Jahr will der Konzern noch einmal so viel einsparen. Auch in den kommenden Jahren solle eine Dividende gezahlt werden, die für 2015 nach einer Nullrunde 50 Cent pro Aktie beträgt.

Erstmals seit vielen Jahren sollen im laufenden Jahr die Produktionskosten der Fluggesellschaft pro Sitzplatz und Kilometer sinken, kündigte der Lufthansa-Chef an. Bislang hatten höhere Löhne sowie höhere Preise für externe Dienstleistungen und Material die Kosten getrieben. Gleichzeitig müsse das Produkt verbessert werden.

Wir müssen bei Lufthansa um das besser sein, um das wir teurer sind.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Gerade werde in der Business Class der Restaurantservice am Platz eingeführt - eine Voraussetzung für die Bewertung als Fünf-Sterne-Airline, so Spohr weiter. Das Prädikat der Beratungsgesellschaft Skytrax will Lufthansa als erste westliche Gesellschaft 2016 erhalten.

Tarifkonflikte sollen in diesem Jahr gelöst werden

Spohr kündigte auch an, die seit Jahren schwelenden Tarifkonflikte mit der Belegschaft noch in diesem Jahr beizulegen. Mit neuen Tarifabschlüssen für die Flugbegleiter und Piloten wolle man auch für die Kernmarke Lufthansa wieder Wachstumsfähigkeit erreichen.

Während mit den Flugbegleitern eine Schlichtung läuft, hatte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit vor einigen Tagen neue Angebote des Unternehmens zu Gehältern und Übergangsrenten abgelehnt. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment forderte Spohr auf, hart zu bleiben und die Kosten im Blick zu behalten.

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Speich wandte sich auch gegen weitere Zukäufe durch den größten Luftverkehrskonzern Europas, der zuletzt mit den Fluggesellschaften Condor und SAS in Verbindung gebracht worden war. Zumindest bei der Minderheitsbeteiligung Brussels Airlines (45 Prozent) stehen die Zeichen wohl auf einer Komplettübernahme.

Der Aufsichtsrat der Lufthansa hatte zugestimmt, die Übernahmefrist für die belgische Airline um drei Monate zu verlängern. Frühestens im September könnte die Gesellschaft dann bei einer Einigung mit den bisherigen Eignern eine hundertprozentige Lufthansa-Tochter werden.

Von: ch, dpa
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