Germanwings rückt näher an Eurowings

Exklusiv 06.08.2018 - 13:04 0 Kommentare

Germanwings fliegt komplett für Eurowings. Dennoch können Piloten von dort ins Cockpit der Mutter Lufthansa wechseln. Das soll nun nicht mehr möglich sein - zumindest für Neueinsteiger.

Maschinen von Germanwings (links) und Eurowings: Die Lufthansa-Billigtöchter rücken noch näher zusammen. - © © AirTeamImages.com - Felix Gottwald

Maschinen von Germanwings (links) und Eurowings: Die Lufthansa-Billigtöchter rücken noch näher zusammen. © AirTeamImages.com /Felix Gottwald

Der Lufthansa-Konzern koppelt neue Germanwings-Piloten stärker an Eurowings: "Für Neueinstellungen werden Tarifverträge mit dem wortgleichen Inhalt derer von Eurowings Deutschland geschlossen", heißt es in einem inzwischen ratifizierten Eckpunktepapier, das airliners.de vorliegt. Es ist zwischen Kranich-Konzern und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) beschlossen worden.

Durch die sogenannte "zweite Tarifschiene" sollen jene Mitarbeiter an das Gehaltsniveau von Eurowings angepasst werden. Als Neueingestellter gilt, wer nach Februar dieses Jahres zu Germanwings kam. Diese Gruppe wird mit der neuen Vereinbarung vom Ende 2017 beschlossenen Konzerntarifvertrag abgekoppelt.

Kein Piloten-Austausch mehr vorgesehen

Germanwings-Neueinstellungen sollen "nicht mehr am Wechsel- und Fördersystem des Bestandspersonals partizipieren". Denn bislang konnten Piloten von Germanwings auch ins Cockpit von Lufthansa wechseln. Dort wurden sie gemäß Seniorität wie die First Officers der Kranich-Airlines behandelt. Für Neueinstellungen entfällt dieses Privileg.

Doch der Weg ist auch andersherum versperrt, sodass es keinen Austausch mehr von Lufthansa hin zu Germanwings geben soll. Den Weg, dass Co-Piloten von Lufthansa Kapitän bei der ehemaligen Kranich-Billigtochter wurden, gingen viele Flugzeugführer. Damit ist nun Schluss.

Das könnte zu einem größeren Personalproblem führen. Denn bei Germanwings sind 350 Kapitäne und lediglich 100 Co-Piloten angestellt. Die Airline fliegt seit vergangenem Winterflugplan nicht mehr unter eigenem Flugcode, sondern mit 33 Airbus-Maschinen komplett unter Eurowings-Flugnummer.

Wechselfähigkeit bleibt für Bestandsmitarbeiter

Für die Piloten, die vor Februar zu Germanwings kamen, soll die Wechselfähigkeit allerdings bestehen bleiben. Sie werden weiterhin in den Personal-Pool des Lufthansa-Konzerns gefasst und können auf eine Kapitänsstelle bei der Kranich-Airline hoffen.

Und mehr noch: Sollte das Germanwings-AOC vor Ablauf der garantierten "Überlebenszeit" Juni 2022 verkauft oder anders aufgegeben werden, müssen die Bestandsmitarbeiter fünf Jahre lang weiterhin innerhalb der Eurowings Group (Eurowings Deutschland, Eurowings Europe, Germanwings, LGW, Sun Express, Brussels Airlines) angestellt werden.

Für die Zeit nach Juni 2022 sieht die Vereinbarung zudem zwei klare Regelungen vor, heißt es in einem internen Schreiben der VC: Ab Juli 2022 können zum einen zehn Maschinen von Germanwings im Wet-Lease für Lufthansa fliegen (siehe Kasten), zum anderen sollen 23 Flugzeuge von Lufthansa mit Germanwings-Bestandspiloten bereedert werden.

Wet-Lease-Quote

In dem Papier wird noch einmal die "Überlebensgarantie" für Germanwings bis Ende Juni 2022 betont. Darüber hinaus können ab Juli 2022 zehn Flugzeuge bei Lufthansa mit Germanwings-Personal bereedert werden. Da dies nach der jüngsten Vereinbarung einen Wet-Lease darstellt, da die Wechselfähigkeit zwischen Germanwings und Lufthansa deutlich eingeschränkt ist, wurde zudem gewährt, dass diese zehn Maschinen nicht auf die Wet-Lease-Quote des Kranichs angerechnet wird. Denn um eigene Tarifverträge nicht zu umgehen und letztlich massenhaft billigeres Fremdpersonal einzusetzen, darf Lufthansa nur einen geringen Prozentsatz des eigenen Flugplans im Wet-Lease betreiben lassen.

Mit den Maßnahmen soll laut Papier "der Flugbetrieb der Germanwings nachhaltig sichergestellt" werden. Die Vereinbarung zur "Neuausrichtung der Germanwings" trägt die Überschrift "streng vertraulich". Dass die Marke Germanwings sukzessive verschwinden soll, ist aber nach wie vor unstrittig.

Kritik: KTV wird zur "Insellösung"

Insider kritisieren, dass der nach 14 Streikrunden geschlossene Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) so zur "Insellösung" werde und die Lufthansa-Piloten vor anderen Kranich-Crews eine Mauer hochziehen würden. Die VC will sich offiziell zu diesen Vorwürfen nicht äußern.

© AirTeamImages.com, Alexander Mishin Lesen Sie auch: LGW zahlt Airbus-Piloten Boni

Von: cs
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