Lufthansa muss länger auf Genehmigung für Air-Berlin-Übernahme warten

25.10.2017 - 16:08 0 Kommentare

Lufthansa stellt sich auf einen längeren Air-Berlin-Übernahmeprozess ein und ist bereit, Start- und Landerechte abzugeben. Derweil warnt der Kranich-Konzern von deutlichen Lücken im Flugplan - und kündigt steigende Preise an.

Lufthansa und Air Berlin: Entsteht bei einer Übernahme innerdeutsch ein Monopol? - © © dpa -

Lufthansa und Air Berlin: Entsteht bei einer Übernahme innerdeutsch ein Monopol? © dpa

Lufthansa rechnet erst für Januar mit der endgültigen Übernahme von großen Teilen der insolventen Air Berlin. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Präsentation des Vorstands zu den Ergebnissen des dritten Quartals hervor. Bislang hatte das Management einen Abschlusstermin noch in diesem Jahr genannt.

Europas größter Luftverkehrskonzern hatte am 13. Oktober einen Kaufvertrag unterschrieben, mit dem die beiden nicht insolventen Air-Berlin-Töchter Niki und LG Walter samt der entsprechenden Mitarbeiter übernommen werden sollen. Als nächstes steht nun die kartellrechtliche Überprüfung des Deals durch die EU-Kommission an.

Die zuständige Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, ein Antrag sei noch nicht in Brüssel eingegangen. Die Kommissarin sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Lufthansa werde wohl Strecken abgeben müssen, damit die Kommission grünes Licht für den Deal gibt.

"Auf einigen Strecken gibt es jetzt einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol", fügte Vestager hinzu. Daraus resultierende höhere Preise und schlechterer Service müssten verhindert werden. Der letzte Flug unter dem Code von Air Berlin findet am Freitag statt.

Slots werden von IATA neu verteilt

Mit der Übernahme von Niki und LGW hat Lufthansa einige Slots übernommen. Deutlich mehr Slots an deutschen Flughäfen verfallen aber. Diese Start- und Landerechte von Air Berlin werden im November auf der regelmäßigen Slot-Konferenz der Internationalen Airline-Organisation IATA neu abgestimmt. Die Lufthansa-Gruppe werde sich "natürlich" um weitere Slot-Rechte bewerben, bekräftigte Spohr.

Lufthansa ist nach den Worten Spohrs derweil auch im "vernünftigen Maße" dazu bereit, bestimmte Start- und Landerechte abzugeben. Der Lufthansa-Chef rechnet damit, dass der Lufthansa-Marktanteil an Flügen von und nach Deutschland um rund sieben Punkte auf 41 Prozent steigen werde. Das sei ein Wert, den andere nationale Fluggesellschaften in ihren Heimatmärkten längst innehätten.

Lufthansa erwartet deutliche Lücken im Flugplan

Mit dem Ende von Air Berlin entstehen damit deutliche Lücken in den deutschen Flugplänen. "Das kann niemand kompensieren, auch die Lufthansa nicht, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Ab Samstag würden von den einst rund 140 Air-Berlin-Maschinen "80 bis 90 am Boden" bleiben. Das könne nicht komplett kompensiert werden.

Der Lufthansa-Konzern hatte bereits zuvor angekündigt, im zum Wochenende startenden Winterflugplan vor allem auf Strecken von und nach Berlin und Düsseldorf größere Flugzeuge einzusetzen, um die Nachfrage zu befriedigen. Der Flugverkehr werde in den kommenden Monaten dennoch deutlich "ruckeln", sagte Spohr. Eine Stabilisierung sei erst zum Sommerflugplan ab März möglich, eine Optimierung sogar erst zum Winter 2018/2019, so Spohr.

Für die Passagiere wird Fliegen derweil teurer. Schon im Sommer sind die Flüge mit den Airlines des Lufthansa-Konzerns merklich teurer geworden. Die Durchschnittserlöse - ein Maß für die Ticketpreise - zogen im dritten Quartal um 4,5 Prozent an. Für den Rest des Jahres rechnet Spohr mit weiter steigenden Ticketpreisen. Zuvor hatte Lufthansa steigende Preise im Zuge der Air-Berlin-Übernahme stets abgestritten.

Von: dh mit dpa, AFP
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